Fehlende Abstände als Infektionstreiber? Auch in Münster wieder mehr Infektionen / Heuer appelliert, AHA-Regeln auch am Aasee, Kanal oder Hafen einzuhalten / Schriftliche Impfangebote für Jahrgang 1941

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Das schöne Wetter lockt seit dieser Woche viele junge Menschen an beliebte Plätze, wie hier den Aasee. Aber auch dort sollten die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. (Foto: Redaktion)
Das schöne Wetter lockt seit dieser Woche viele junge Menschen an beliebte Plätze, wie hier den Aasee. Aber auch dort sollten die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. (Foto: Redaktion)

Auch in Münster hat es in den letzten Tagen wieder mehr Infektionen mit dem Corona-Virus gegeben, der Inzidenzwert ist auf 69,5 gestiegen. Der Krisenstab der Stadt macht zum einen die neue britische Virusvariante dafür mitverantwortlich, die deutlich ansteckender als der bisherige „Wildtyp“ ist. Als weiterer Infektionstreiber wird aber auch das Verhalten von Teilen der Bevölkerung genannt, und der zunehmend laxere Umgang mit den bislang überwiegend diszipliniert eingehaltenen Hygieneregeln.

So seien auch auch in Münster vermehrt kritische Situationen festzustellen, die dann negative Konsequenzen nach sich ziehen. Zwei Beispiele, die in der Pressemeldung der Stadt genannt werden:
–  Bereits mehrfach waren nach positiven Schnelltests betroffene Personen auf verschiedenen Kontaktwegen nicht zu erreichen, konnten also nicht zu einem erforderlichen PCR-Test geladen oder in Quarantäne gesetzt werden. Ordnungs- und Gesundheitsamt sind hier in das weitere Verfahren involviert.
–  Manche Studierende und Jugendliche handeln offensichtlich bewusst gegen die Coronaschutzverordnung und feiern ohne Abstands- und Hygieneregeln Partys. In diesem Zusammenhang wurden jüngst in einem Studierendenheim mindestens sechs Partygäste als Infizierte ermittelt und eine hohe zweistellige Zahl (über 80) von Kontakten in Quarantäne versetzt.

Konsequenzen für Fehlverhalten

„Offenkundig geht die Schere zwischen Verständnis und Verhalten einzelner Personengruppen aktuell weit auseinander – das können wir nicht akzeptieren“, sagt Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs. In der inzwischen schon 74. Sitzung des Corona-Krisenstabs wurde gestern Nachmittag über mögliche Konsequenzen für dieses Fehlverhalten diskutiert, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Die erst im März eingeführten Lockerungen stehen damit auf dem Spiel. „Je häufiger die hinlänglich bekannten Regeln gebrochen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Verschärfung derselben“, sagt Wolfgang Heuer. “Wer keine Ausgangssperre, eine ausgeweitete Maskenpflicht und vor allem keine schwer erkrankten Angehörige und Bekannte riskieren möchte, sollte deshalb dringend auf Abstände und Hygieneregeln achten – zum Wohle aller Münsteranerinnen und Münsteraner.“

Einhaltung der Regeln zwingend erforderlich

Im Gegensatz zum Frühjahr 2020, als zunächst der Virus-Wildtyp in Münster grassierte, ist die Ausgangslage nun eine andere: Die britische Virusmutation ist deutlich infektiöser, daher ist die Einhaltung der AHA-Regeln auch unter freiem Himmel zwingend erforderlich. Dies gilt insbesondere für hochfrequentierte Bereiche wie beispielsweise dem Aasee, dem Kanal oder dem Hafengelände.

Hier wurden in den vergangenen Tagen wiederholt die nötigen Abstände nicht eingehalten. „Wir alle verstehen, dass man bei wärmeren Temperaturen und Sonnenschein etwas lockerer wird – dies erscheint angesichts der aktuellen Situation jedoch nicht angemessen. Ich appelliere deshalb an die individuelle Verantwortung und hoffe, dass wir in den schwierigen nächsten Wochen noch einmal alle an einem Strang ziehen können.“

Inzidenzwert bei 69,5

Die 7-Tage-Inzidenz in der Stadt Münster liegt laut Erhebungen des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG NRW) bei aktuell 69,5. Es wurden 47 Neuinfektionen registriert, damit sind aktuell 463 Münsteranerinnen und Münsteraner infiziert. Die Gesamtzahl aller labordiagnostisch bestätigten Fälle liegt bei 6.337, die Gesamtzahl aller genesenen Patienten bei 5.771. Insgesamt sind in Münster 103 Personen an oder mit Corona gestorben, 33 Covid-Patienten liegen derzeit im Krankenhaus, davon 9 auf Intensivstationen, 7 von ihnen müssen beatmet werden.

Corona-Impfung: Post für einen ganzen Jahrgang

Wie schon zum Impfstart bei den Über-80-Jährigen, erhalten nun auch alle Münsteranerinnen und Münsteraner des Jahrgangs 1941 ein schriftliches Impfangebot. Ein entsprechender Brief von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe ist auf den Weg gebracht worden.

Mit diesem Schreiben werden den Impfberechtigten die genauen Abläufe im Impfzentrum erläutert, aber auch die unterschiedlichen Wege der Anmeldung anschaulich erklärt. „In Nordrhein-Westfalen leben rund 1,6 Millionen Menschen, die zwischen 70 und 80 Jahren alt sind. Um die Anmeldesysteme für die Impftermine nicht zu überlasten, werden nicht alle zusammen eingeladen. Sondern: Wir beginnen mit dem Jahrgang 1941. Danach folgt der Jahrgang 1942, dann der Jahrgang 1943 und so weiter. Die Terminvergabe startet am 6. April 2021. Sie können einen gemeinsamen Termin mit Ihrem Lebenspartner/Ihrer Lebenspartnerin vereinbaren“, heißt es darin von Seiten des Gesundheitsministers.

Mehr als 46.500 Menschen schon geimpft

Die Terminvereinbarung erfolgt dann über die Online-Plattform www.116117.de und über die kostenlose Telefonnummer (0800) 116 117 02. Nur Personen des Jahrgangs 1941 sind zur Anmeldung berechtigt. Die nächstberechtigten Jahrgänge werden zum gegebenen Zeitpunkt über ihre Berechtigung informiert. Ohne diesen Termin ist kein Zutritt zum Impfzentrum möglich. Die Zahl der Impfdosen ist auf die Zahl der Anmeldungen abgestimmt.

Bislang wurden bereits über 46.500 Menschen in der Stadt Münster gegen eine schwere Covid-Erkrankung geimpft, davon allein 29.000 Personen im Impfzentrum. Oberbürgermeister Markus Lewe bittet in seinem Brief nachdrücklich, das Impfangebot in Anspruch zu nehmen. „Es stellt die beste Chance dar, sich wirksam gegen die Corona-Infektion zu schützen. Und wer sich selbst schützt, schützt damit auch sein Umfeld.“

Ralf Clausen

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