Dreifaches Hören in der Black Box Lesung, Live-Hörspiel und DJ-Set beim "MixDown" des HörSpielLab Münster in der Black Box bei cuba cultur / Gespendete Schallplatten verwendet

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Albert Ruppelt aka DJ At erstellte aus gespendeten Schallplatten tanzbare Remixe. (Foto: Steffi Köhler)
Albert Ruppelt aka DJ At erstellte aus gespendeten Schallplatten tanzbare Remixe. (Foto: Steffi Köhler)

Hören ist nicht gleich hören, es geht auf ganz unterschiedlichen Arten. Das konnte das Publikum am Freitag beim sogenannten “MixDown” vom HörSpielLab Münster in der Black Box bei cuba cultur erleben. Mit einem live präsentierten Hörspiel, einer Lesung des Autors Arnold Maxwill und einem DJ-Set von Atwashere aka DJ At mit gespendeten Schallplatten waren die Ohren der Besucher auf drei sehr unterschiedliche Weisen gefordert.

Albert Ruppelt, der über Münsters Clubszene hinaus unter den Pseudonymen Atwashere oder DJ At und für sein Label “Trust In Wax” bekannt ist, hatte im Sommer in der Stadtbücherei Münster eine “AudioGiveBox” aufgestellt und um Vinyltonspenden gebeten, ähnlich wie bei den schon bekannten Bücher-Giveboxen. Hunderte von Schallplatten kamen dabei zusammen, nun präsentierte Atwashere einige Exemplare davon. Manche erwiesen sich als unerwartete Perlen, die sich auch auf billig aussehenden Schlagersamplern der 70er Jahre finden lassen. Andere boten die Grundlage für spannende Remixe, denn das war das eigentliche Versprechen von Albert Ruppelt: Er wollte aus den „Hörspenden“ mithilfe von Plattenspielern, Samplern und diversen Effektgeräten neue Musik zusammen stellen. Wie das gelang, führte er ausgerechnet an einer LP von Heino vor, aus der der befreundete DJ Baronski einen clubtauglichen Mix gebastelt hat, an dem nur noch winzige Elemente wieder zu erkennen waren, den “Heino Beat”. Wer sich dafür interessierte, konnte DJ At nahe rücken und sich von ihm zeigen lassen, wie so ein Remix mit den verschiedenen Geräten zusammengestellt wird.

Arnold Maxwill trug einige seiner eigenwilligen Gedichte vor. (Foto: Steffi Köhler)
Arnold Maxwill trug einige seiner eigenwilligen Gedichte vor. (Foto: Steffi Köhler)

Vor dem unterhaltsamen DJ-Set waren die Ohren aber auf ganz andere Art gefordert. Arnold Maxwill trug einige seiner surrealen, sehr bildhaften und dennoch schwer greifbaren Gedichte aus seinem ersten, gerade erschienenen Buch “Raumsch” vor. Obendrein konnten die gebannten Zuhörer die “Weltpremiere” seines skurilen neuesten Werks “Der Dachs” erleben.

Begonnen hatte der Abend aber mit einigen eher klassischen Hörspielen. Kaum war es still und etwas dunkel im Raum, fand man sich in einem Taxi wieder. Das wurde aus den Geräuschen und dem gehörten Dialog schnell klar, dafür brauchte niemand irgendwelche Bilder. Die erste Taxi-Geschichte hatte Moderator Dennis Welpelo noch als reine Studio-Aufnahme präsentiert, die nächste spielten einige Teilnehmer der Workshop-Reihe “HörSpielLab” zur Begeisterung aller dann live. Sie waren hinterher selbst ein wenig überrascht darüber, wie gut das geklappt hat, denn schließlich sind sie alle keine Profis.

Teilnehmende beim HörSpielLab 2019 trugen ihre Taxi-Geschichten live vor. (Foto: Steffi Köhler)
Teilnehmende beim HörSpielLab 2019 trugen ihre Taxi-Geschichten live vor. (Foto: Steffi Köhler)

Beim HörSpielLab haben sich am Hörspiel interessierte Menschen einmal im Monat getroffen, um jedes Mal einen anderen Aspekt des Selbermachens kennen zu lernen. Mal war es das Arbeiten mit Themen und Texten, wie bei der “Schreibwerkstatt” mit Andreas Weber oder dem Workshop “Schreiben für´s Hören”. An anderen Terminen ging es um technische Fragen oder wie man die für Story und Stimmung so wichtigen Geräusche zusammenstellt, wie beim “Sound Walk” mit Ross Parfitt. Schauspieler wie Konrad Haller und Christoph Tiemann brachten den Teilnehmern einige Elemente von Dramaturgie und Improtheater bei.

Für die Reihe haben sich gleich mehrere Player zusammengetan, die alle ganz eigene Blickwinkel und Fähigkeiten ins Thema mitbrachten: Radio Q und medienforum münster e.V., die Filmwerkstatt Münster und cuba cultur. Obwohl es stets eine offene und lockere Veranstaltungsreihe war, hat sich doch eine Gruppe herausgebildet, die am Ende ein paar Hörspiele fertig gestellt und Ideen für viele weitere entwickelt hat. Daher dürfen wir uns auf eine Fortsetzung freuen – ganz sicher bei den Taxi-Geschichten, und hoffentlich auch bei der Workshop-Reihe “HörSpielLab”.

Ralf Clausen

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