Die Münsteraner lieben ihre besondere Uhr Restaurierung der Astronomischen Uhr im Paulus-Dom nach vier Jahren abgeschlossen

Restauratorin Marita Schlüter und Domprobst Kurt Schulte bewundern die Astronomische Uhr im Dom. (Foto: Claudia Feldmann)
Restauratorin Marita Schlüter und Domprobst Kurt Schulte bewundern die Astronomische Uhr im Dom. (Foto: Claudia Feldmann)

2017 hatte man mit der Restaurierung der Uhr begonnen. Passend zum Katholikentag 2018 in Münster war der obere Teil mit dem großen Ziffernblatt und der Galerie fertiggestellt worden. Der untere Teil mit dem Kalendarium war dann 2019 in Angriff genommen worden. Vergangenen Dienstag setzte Diplom-Restauratorin Marita Schlüter das Kalenderblatt wieder in die Astronomische Uhr ein und beendete damit die Arbeiten im St.-Paulus-Dom.

Es sei das bisher aufwändigste, lehrreichste, aber auch interessanteste Projekt ihrer Selbstständigkeit gewesen, sagt Schlüter. Ein bisschen Begeisterung hört man schon heraus, wenn sie von den Arbeiten an der Uhr und von ihrer Geschichte erzählt. Es handelt sich um eine typische Hanse-Uhr, wie man sie üblicherweise in Hansestädten findet, wenn auch nicht unbedingt immer in einer Kirche. Nun ist Münster ja keine Hansestadt, hat aber trotzdem eine, und zwar mit 18 m² eine der größten. Schlüter mutmaßt, dass Münster seinerzeit nicht nur ausreichend wohlhabend war, um sich diese Uhr zu leisten, sondern dass man sicherlich auch damit ein Zeichen für einen Neuanfang nach der Zeit der Wiedertäufer setzen wollte.

Die Astronomische Uhr wurde 1540 in Auftrag gegeben und 1542 fertiggestellt. Sie vereint Wissenschaft, Handwerk und Kunst in sich. Ihr Kalendarium ist für 532 Jahre ausgelegt bis zum Jahr 2071. Und dann? 2072 kann man einfach wieder von vorne beginnen. Der Kalender passt wieder, nur die Jahreszahl muss angepasst werden. Dafür wird dann wohl der äußere Ring in der Uhr ersetzt werden. Übrigens ist es der Heilige Paulus, der hier mit seinem Zeiger „Anno Currens“ auf das aktuelle Jahr zeigt. Ein Soldat am äußeren Rand zeigt auf den aktuellen der 365 Tage auf dem zweiten Ring des Kalendariums. Im Inneren sind die zwölf runden Monatsbilder angebracht, die Arbeiten in Stadt und Land des jeweiligen Monats zeigen. Im Januar hat sich, so Restauratorin Marita Schlüter, der Maler Ludger tom Ring, der 1540 die Uhr gestaltet hat, mit seiner Familie beim Waffel backen abgebildet. Auch findet man auf der Uhr mehrere Hinweise und Signaturen von ihm.

Die letzte Restauration der Astronomischen Uhr wurde im Jahr 1956 beendet. Sicherlich mit anderen Voraussetzungen und Mitteln als heute, das würde man schon merken. Im 2. Weltkrieg hatte man versucht, die Uhr durch eine Einschalung zu schützen, aber ein Bombeneinschlag im Altarraum hatte sie durch die Wucht von hinten teilweise von der Wand gerissen. Dabei war das Joch, also der Deckenbogen, über der Uhr der einzige im Dom, der unversehrt geblieben ist. Es dauerte ein paar Jahre mit dem Wiederaufbau, aber schließlich war es die Uhr, die 1956 als Erstes im Dom wieder in Betrieb genommen wurde. „Die Münsteraner lieben ihre Uhr“, weiß Schlüter. Das sei ihr auch während der laufenden Arbeiten aufgefallen. Immer wieder seien Menschen vorbeigekommen, um zu schauen und sich zu erkundigen, wie die Arbeiten vorangehen.

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