Der sorgenvolle Blick in die Heimat Die Mutter der 27-jährigen Pflegefachfrau Yuliana Arango Alarcón steht nach dem Erdbeben in Kolumbien vor den Trümmern ihrer Existenz

Die 27-jährige Yuliana Arango Alarcón ist Pflegefachfrau in der Raphaelsklinik. (Foto: Bührke)
Die 27-jährige Yuliana Arango Alarcón ist Pflegefachfrau in der Raphaelsklinik. (Foto: Bührke)

Als Yuliana Arango Alarcón vom Erdbeben in Kolumbien hörte, schlug ihr das Herz bis zum Hals. „Ich habe sofort das Telefon geholt und bei meiner Mutter angerufen.“ Die 27-jährige Pflegefachfrau lebt seit fast sieben Jahren in Münster. Ihre Mutter Judy ist im kolumbianischen Cali geblieben – und steht nach dem schweren Beben im August vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage.

Yuliana kam im September 2019 für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Deutschland. Mit Unterstützung ihrer Gastfamilie konnte sie anschließend bei den Alexianern eine Ausbildung in der Pflege beginnen. Heute arbeitet sie als examinierte Pflegekraft in der münsterschen Raphaelsklinik und ist glücklich verlobt. Ihre Mutter hat sie auf diesem Weg immer unterstützt – nun versucht Yuliana, den umgekehrten Weg zu gehen und ihr aus Münster zu helfen so gut es geht.

Erdmassen kamen ins Rutschen und gefährden die Stabilität des Dachs. (Foto: Judy Alarcón)
Erdmassen kamen ins Rutschen und gefährden die Stabilität des Dachs. (Foto: Judy Alarcón)

Das Erdbeben vom 10. August hatte eine Stärke von 7,4 und erschütterte vor allem den Westen Kolumbiens. Auch Cali im Departamento Valle del Cauca war betroffen. Hunderte Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt und zahlreiche Gebäude beschädigt. Judy Alarcón lebt im Stadtteil Terrón Colorado, einem hügeligen Gebiet im Westen Calis. Ihr Haus wurde durch das Beben schwer beschädigt und droht einzustürzen, auch das Haus, in dem sich ihr Geschäft befindet, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Teile des Gehwegs stürzten ab, Wände und Fundament bröckeln. „Meine Mutter wollte mich nicht beunruhigen und hat sich nichts anmerken lassen, aber sie war total aufgelöst, das habe ich am Telefon gemerkt“, erzählt Yuliana.

Erdrutsche drohen

Das Haus droht unterspült zu werden, Teile des Fundaments wurden bereits in Mitleidenschaft gezogen. (Foto: Judy Alarcón)
Das Haus droht unterspült zu werden, Teile des Fundaments wurden bereits in Mitleidenschaft gezogen. (Foto: Judy Alarcón)

Besondere Sorgen bereitet ihr die aktuelle Wetterlage. „Das Wetter ist dort jetzt sehr regnerisch, es gibt Erdrutsche, die Gefahr ist groß, dass das Haus unterspült wird und vollständig einstürzt.“ Auch die wirtschaftliche Situation ihrer Mutter ist schwierig. Judy Alarcón verkauft seit rund 30 Jahren Cholados, eine typische Spezialität aus Cali. Vor etwa zehn Jahren machte sie sich mit einem eigenen Geschäft selbstständig. Nach dem Erdbeben wurde das Gebäude zunächst als einsturzgefährdet eingestuft. Bei einer erneuten Begutachtung wurde die Einschätzung etwas korrigiert: Das Gebäude muss aber wohl vollständig saniert werden, wie es aussieht.

Auch für ihre vier Tiere muss Judy weiterhin sorgen: die Hunde Luna, Tobi und Atenea sowie die Katze Misinga. Yuliana möchte deshalb Geld für die Grundversorgung, eine möglichst sichere Unterkunft und die Wiederherstellung der beruflichen Existenz ihrer Mutter sammeln. Die Unterstützung aus Münster ist für sie auch deshalb wichtig, weil sie die staatliche Hilfe vor Ort als unzureichend empfindet. „Die Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella hilft in der Region so gut wie gar nicht“, sagt sie.

Yuliana weiß, dass ihre Mutter nicht die einzige Betroffene ist. „Viele befinden sich in der gleichen oder sogar noch schlimmeren Lage.“ Trotzdem hofft sie auf Unterstützung aus ihrer Wahlheimat Münster. Wer Yuliana und ihre Mutter unterstützen möchte, kann über ihren Spendenaufruf bei GoFundMe helfen: „Erdbeben in Kolumbien – Hilfe für meine Mutter“. Auch das Teilen des Aufrufs kann helfen.

Das Geschäft vor dem Erdbeben. In 30 Jahren hat sich Yulianas Mutter hier eine Existenz aufgebaut. (Foto: Judy Alarcón)
Das Geschäft vor dem Erdbeben. In 30 Jahren hat sich Yulianas Mutter hier eine Existenz aufgebaut. (Foto: Judy Alarcón)
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