Der alltägliche Wahnsinn – Kabarettical im Bühnenboden begeistert Zuschauer

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Anne-Katrin Böhms Alltagswahnsinn (Foto: Produktion)

Es sind die ganz alltäglichen Situationen, die einen jeden manchmal in den Wahnsinn treiben. Mit ihrem zweistündigen rasanten und zum Brüllen komischen Programm „Alltagswahnsinn“ brachte Anne-Katrin Böhm am gestrigen Freitagabend den „Kleinen Bühnenboden“ in Münster zum Beben. Ihr Lohn: Jubel und minutenlanger herzlicher Applaus.

Das Lachen nahm kein Ende beim „wahnwitzigen Liederabend über Leben, Liebe und Möbelstücke mit Migrationshintergrund“, wie das Soloprogramm im Untertitel heißt. Eben noch kämpfte sich Anne-Katrin Böhm mit Umzugskisten ab und versuchte, ihren Alltag wenigstens einigermaßen in Ordnung zu bringen, da ist es auch schon mit der Ruhe vorbei. Die Nachbarin im oberen Stockwerk übt lautstark Werke von Puccini. Und unten? Da wird leidenschaftlich gejazzt. An Schlaf ist für Anne nicht mehr zu denken. Es ist dies nur eine von etwa zwanzig ausgewählten und pointenreichen Musiknummern, bei denen die Sängerin früh die Latte hoch hängt und zeigt, was sie musikalisch zu bieten hat. In astreiner Musicalmanier wechselt sie problemlos von einem Gesangsstil in den anderen und verkörpert die Figuren, über die sie erzählt, derart plastisch, dass es eine Wonne ist. Kaum ist der Beifall für das Kammerspiel verebbt, stört auch schon der nächste Nachbar. Ein Stöhnen dringt aus der Wohnung von nebenan herein. Und dann ruft auch noch ständig Mama an. Denn so ganz abgenabelt hat sich das Kind noch nicht.

Ob das bisschen Haushalt, der Kampf mit dem Kuchenrezept oder der Horror beim Ausfüllen von Formularen in Beamtendeutsch – Anne-Katrin Böhm lässt kaum eine Situation aus, die das Potential in sich birgt, in ihr vollkommen den Verstand zu verlieren. Und darin erkennt sich wirklich jeder wieder. „Kennen Sie das, dass sich scheinbar alle Ampeln gegen Sie verschworen haben, wenn Sie gerade ganz dringend irgendwohin müssen?“, fragt sie keck. „Oh ja“, erwidert das Publikum.  Und schon ist Böhm energiegeladen wieder auf dem Sprung zur nächsten Story über ihren Alltagswahnsinn: der obligatorische Ikea-Besuch. „Das ist wie mit den Männern“, erklärt die Schauspielerin. Und wieso? „Meist nimmst du ohnehin nur Dinge mit, die zwar irgendwie schön sind, im Grunde aber völlig sinnlos, weil sie auf Dauer nicht glücklich machen.“

Mit Björn ist es da schon etwas anderes. Der neue Freund, von dem Anne ihrer Mutter berichtet, hat wirklich alles, was das Herz begehrt. Klar, denn er ist ja bloß ausgedacht und trägt daher nur die besten Eigenschaften. „Sie hat sich so sehr darüber gefreut“, sagt Böhm. „Ich kann ihr jetzt nicht die Wahrheit sagen.“

Am Ende des Abends sind die Alltagsprobleme zwar bei Weitem nicht gelöst, aber alle sind sich einig: Dieser Abend unterhält einfach prächtig und schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Weitere Vorstellungstermine: Samstag, 31. Mai, und Samstag, 18. Oktober, im Kammertheater „Der kleine Bühnenboden“, jeweils um 20.30 Uhr. Kartenreservierung: (0251) 661759 oder info@derkleinebuehnenboden.de

Bilder vom gestrigen Abend seht ihr hier.

Silke König

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