„Das neue ,Normal‘ wird anders sein“ Der Diözesanrat des Bistum Münster äußerte sich zu Auswirkungen von Corona auf Seelsorge und Finanzen

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Neue Formen der Gottesdienstfeiern – wie hier am Ostermontag im St.-Paulus-Dom Münster – und der Seelsorge machte die Corona-Pandemie nötig. Der Diözesanrat diskutierte unter anderem, wie diese in die Zukunft übertragen werden können. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Achim Pohl)

Die neue Normalität in der Seelsorge wird nach der Coronakrise anders sein als vorher: „Das neue ‚Normal’ wird anders sein.“ Das hat Maria Bubenitschek, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Bistum Münster, am Freitag in Münster betont. Die Fragen, wie die Seelsorge nach der Coronazeit aussehen kann und welche finanziellen Auswirkungen die Pandemie auf die Entwicklung der Einnahmen des Bistums hat, standen im Mittelpunkt der Sitzung des Diözesanrates des Bistums Münster. Zudem wurde über den Spar- und Strategieprozesses des Bistums beraten.

Bischof Dr. Felix Genn sagte, es sei eine Situation, „die wir noch nicht erlebt haben und aus der wir noch nicht heraus sind. Es gibt eine unsichtbare Präsenz, die uns im Griff hat.“ Er betonte, dass es sich um eine globale Problemlage handele. Gestärkt hätten ihn in den vergangenen Wochen die vielen kirchlichen Initiativen etwa in der Unterstützung von Risikogruppen oder die Kreativität, mit der neue Formen der Begegnung und der Feier von Gottesdiensten entwickelt worden seien: „Hier habe ich die moderne Technik als Segen erlebt“, sagte er.

Weihbischof Dr. Stefan Zekorn lenkte den Blick auf die Länder des globalen Südens. „Dort standen die Armen von einem auf den anderen Tag vor dem Nichts“, sagte er. In den Großstädten mit ihren verdichteten Armenvierteln seien die Probleme oft noch größer als auf dem Land. Das Bistum habe versucht, den dortigen Partnern auf vielfältige Art zu helfen. Aus Sicht der Bistumsverwaltung sagte Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp, dass man sich in den vergangenen Wochen stets bemüht habe, mit den notwendigen Maßnahmen „auf Sicht zu fahren“ und die Regelungen „so weit wie möglich und so eng wie nötig“ zu treffen. Ziel sei gewesen, die Eigenverantwortung der Pfarreien in der Anwendung der Regelungen zu stärken.

Die Mitglieder des Diözesanrates äußerten die Hoffnung, dass auch nach Corona Vielfalt in der Seelsorge zugelassen werde. Die Krise zeige, dass Experimente Freiräume bräuchten, die erhalten werden müssten. Wichtig sei, Menschen zu ermutigen und zu befähigen, Neues auszuprobieren und aktiv zu werden. Die digitalen Angebote seien sehr bereichernd und zeigten, dass man schon aus ökologischen Gründen nicht jede kirchliche Veranstaltung als reales Treffen abhalten müsse, zu dem viele erst anreisen müssten. Zugleich habe die digitale Gemeinschaft aber Grenzen, in der Seelsorge brauche es auch reale Begegnungen. In der Krise zeige sich die Bedeutung der Kirche im sozialen und caritativen Bereich; zugleich werde aber deutlich, dass Kirche für viele Menschen keine Relevanz im Alltag habe.

Dass die Coronakrise im Bistum Münster zu geringeren Einnahmen als geplant führen wird, erläuterte Ulrich Hörsting, Leiter der Hauptabteilung Verwaltung des Bistums. Eine genaue Kalkulation sei derzeit aber noch nicht möglich, und an eine Haushaltssperre sei aktuell nicht gedacht; vielmehr solle die Ausgleichsrücklage verwendet werden. „Sollten die Auswirkungen gravierender sein, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen müssen“, sagte Hörsting. Er unterstrich, dass es dort, wo die öffentliche Hand die Angebote finanziere oder mitfinanziere, derzeit keine Probleme gebe. Das gelte etwa für die Schulfinanzierung oder die der Kindertageseinrichtungen. Probleme gebe es dagegen in den Einrichtungen, deren Finanzierung zumindest teilweise auf privatrechtlichen Entgelten beruhe. Das betreffe vor allem Jugend- und Erwachsenenbildungsstätten sowie die Bildungsforen. Hierfür habe der Kirchensteuerrat bereits zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Hinsichtlich des Spar- und Strategieprozesses des Bistums machte Hörsting das kurzfristige Sparziel deutlich: Im Jahr 2025 sollen die Gesamtausgaben im Bistumshaushalt um 32,7 Millionen Euro geringer sein als im Planansatz für den diesjährigen Haushalt. Mittel- und langfristig gehe es darum, entsprechend des Sendungsauftrags der katholischen Kirche im Bistum Münster Strategien für alle Handlungsfelder zu entwickeln und umzusetzen. „Die nächsten Schritte nach 2025 werden dramatischer werden“, sagte Hörsting. Er warb für eine Aufgabenkritik, die die Frage stellen müsse: „Ist alles noch notwendig und zeitgemäß?“ Die Antwort darauf könne die Grundlage für Einsparungen bei den Personalkosten sein. Zudem müsse eine Verringerung von Zuweisungen geprüft werden. Beispielhaft sagte er, dass Baustandards, aber auch die Zahl der Liegenschaften auf den Prüfstand kommen müssten.

Der Diözesanrat ist das oberste synodale Mitwirkungsgremium, durch das die Gläubigen des Bistums an der Leitung des Bistums durch den Bischof teilnehmen. Aus den vielen Feldern kirchlicher Arbeit kommen hier Vertreterinnen und Vertreter zusammen, um an den zentralen Entscheidungen im Bistum mitzuwirken.

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