CSD Münster: Demo-Revival nach 45 Jahren

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Der CSD 2016 in Münster. (Foto: th)
Der CSD 2016 in Münster. (Foto: th)

Am 29. April 1972 fand in Münster die erste Schwulen-Demo der Bundesrepublik statt. 45 Jahre später möchten der CSD (Christopher Street Day) Münster e.V., LiVas und das Schwulenreferat des AStA der Uni Münster mit mehreren Veranstaltungen vom 27.-29. April an das Ereignis erinnern.

Unter dem Motto „Schwulendemo damals – LSBTI*-Bewegung heute“ findet am 27. April um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion statt. Was sind die Gemeinsamkeiten der Schwulenbewegung damals und der heutigen LSBTI*-Bewegung? Was unterscheidet sie? Welche Ziele hat die Bewegung erreicht? Welche Probleme stellen sich immer noch, welche sind hinzugekommen? Wie politisch waren die Bewegungen damals und heute? Wie hat sich die Community geändert durch die Sichtbarkeit weiterer Gruppen und die zunehmende Diversität? Und warum spricht man eigentlich immer noch von der ersten „Schwulendemo“ (Wikipedia), wenn doch auch Lesben mitdemonstrierten? Moderiert wird der Abend von Patsy l’Amour laLove. Patsy l’Amour laLove ist Polit-Tunte aus Berlin und forscht zur Homosexuellenbewegung der 1970er Jahre. Mit Beiträgen in diversen Medien beteiligt sie sich an aktuellen Diskussionen zu queeren Themen. Zuletzt erschien ihr Sammelband „Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“.

Als Warm Up vor der Demo veranstaltet der CSD Münster am 28. April im Alter Ego wieder eine Open Stage – getreu dem Ziel, Vielfalt zu zeigen, macht der CSD die Bühne frei für neue Talente! Wer schon immer mal auf einer Bühne stehen und sein*ihr Talent zeigen wollte, ist ihr hier genau richtig. Ob Gesang, Poetry oder Comedy… ganz egal. Hauptsache, es macht Spaß. Und wer nach der Open Stage noch nicht genug hat, kann zu coolen Rhythmen noch das Tanzbein schwingen.

Am 29. April will die LSBTI*-Bewegung an ihre Anfänge erinnern und die Demo von 1972 neu aufleben lassen. Ab 11.30 wird auf der Original-Route von 1972 demonstriert und auf aktuelle Missstände im Jahr 2017 aufmerksam gemacht. Alle Interessierten und Aktivist*innen sind dazu aufgefordert, auch einmal abseits der CSD-Saison für Akzeptanz und Vielfalt zu protestieren. Treffpunkt ist der Schlossplatz vor der Uni Münster. Die Demo endet auf der Stubengasse mit einer Kundgebung und musikalischer Begleitung.

Vor 45 Jahren trafen sich – nach Aufruf der Aktionsgruppe HSM („Homophile Studenten Münster“, später umbenannt in „Studentische Aktionsgruppe Homosexualität Münster“) – in Münster über 200 Teilnehmende, um gemeinsam zu demonstrieren und mit der Bevölkerung zu diskutieren. Wichtige Themen gab es damals genug: vor allem Berufsausübungsverbote für homosexuelle Lehrkräfte, aber auch Bildungspläne zur Sexualerziehung und die Diskriminierung auf den Schulhöfen, also Themen, die uns teilweise noch heute bekannt vorkommen. In der Demo-Einladung wies die HSM besonders auf die Wichtigkeit der Solidarisierung mit anderen Gruppen, vor allem Gewerkschaften hin. Die Demonstration gilt als wichtiges Ereignis der zweiten Schwulenbewegung der Bundesrepublik.

Podiumsdiskussion: 27. April, 19 Uhr, Hörsaal S8, Schloss der Universität Münster, Eintritt frei
Open Stage: 28. April, 20 Uhr, Alter Ego, Bergstraße 30a
Demo:  29. April Uhrzeit, 11.30 Schlossplatz 2
Anmeldungen: veranstaltungen@csd-muenster.de