CSD in Münster – Eine Demo, keine Parade

Sie marschierten voran beim Umzug zum Christopher Street Day in Münster. (Foto: th)
Sie marschierten voran beim Umzug zum Christopher Street Day in Münster. (Foto: th)

„Stellt euch quer!“ – eine große und bunte Schar folgte am Samstag diesem Motto, unter dem der Verein Christopher Street Day Münster am Samstag zu einem Demonstrationszug durch Münsters Innenstadt aufgerufen hatte. Der war mit ein paar hundert Teilnehmer*innen natürlich längst nicht so groß wie die Umzüge in Köln oder Berlin, die heute eher an Karneval oder Techno-Veranstaltungen wie die Love Parade erinnern. Der CSD-Verein in Münster veranstaltet eben ganz bewusst keine Parade, sondern eine politische Demonstration. Schließlich fand hier 1972 die die allererste Schwulen-Demo in Deutschland statt, worauf Andreas Sahner bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus hinwies.

„Ich dachte, bei uns gibt es kein Problem mehr damit,“ meinte eine Passantin in diesem Moment beim Vorbeigehen unter den Prinzipalmarktbögen. Tatsächlich regt sich heute kaum noch jemand darüber auf, wenn Fernsehprominente und Politiker, Nachbarn oder Kollegen sich als schwul oder lesbisch outen. Aber für homosexuelle Flüchtlinge droht die Abschiebung in ein angeblich sicheres Herkunftsland zu einer Todesfalle zu werden, deshalb forderte das größte Plakat auf dem CSD in Münster: „Es gibt keine sicheren Herkunftsstaaten – Sofortige Anerkennung von LGBTIQ-Geflüchteten“. Diese Buchstaben stehen für lesbisch, schwul, bisexuell, trans, intersexuell und queer – eben für alle, die sich unter der Regenbogenflagge versammeln. Und die wurde von vielen Teilnehmer*innen der Demo geschwenkt, wenn sie nicht gerade ein Schild oder Transparent mit sich führten. Viele davon waren selbst gebastelt und originell: „Wir sind nicht krank + pervers, wir sind intertrans divers“ war auf einem Schild zu lesen, ein anderes fragte die Zuschauer am Straßenrand: „Wann hast du entschieden, hetero zu sein?“

Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold begrüßte den CSD im LWL-Museums für Kunst und Kultur. Neben ihm Andreas Sahner und Lydia Dietrich. (Foto: th)
Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold begrüßte den CSD im LWL-Museums für Kunst und Kultur. Neben ihm Andreas Sahner und Lydia Dietrich. (Foto: th)

Der Zug durch die Stadt führte zum ersten Mal auch mitten durch das Atrium des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Der Anlass war die Ausstellung „Homosexualität_en“, die dort nur noch bis nächsten Sonntag (4. September) zu sehen ist. Unter dem lauten Getrommel der Frauen-Sambaband „Bandidas“ zog die bunte Truppe in den sonst so ruhigen und nüchternen Museumsbau ein, der für diesen Anlass mit zahlreichen Regenbogenflaggen geschmückt war. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold freute sich erkennbar über die vielen Besucher*innen, auch wenn sie nur kurz durchzogen. Eigentlich wollte er allen eine rote Rose schenken – aber mit so vielen hatte er wohl nicht gerechnet. Er stellte in Aussicht, dass der CSD auch im nächsten Jahr wieder durch das Museum ziehen dürfe, also während der „Skulptur.Projekte“. Schade, dass die Veranstalter der Demo an dieser Stelle nicht weiter auf die aktuelle Ausstellung eingegangen sind, die mit wirklich sehr unterschiedlichen Exponaten darzustellen versucht, die vielfältigen alternativen Sexualitäten und Geschlechteridentitäten der LGBTIQ-Community vorzustellen – und auch den manchmal ziemlich fragwürdigen Umgang der Gesellschaft mit ihr.

Wie sich Gesellschaft und Politik zu dieser Gemeinschaft verhält, war auch Thema der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus. Lydia Dietrich vom CSD-Verein beklagte die heterosexuelle Norm in Schulen und Kindergärten und die Einteilung in „normale“ und „nicht normale“ Lebensweisen, was bei manchen Menschen bis hin zu Pöbeleien, Beschimpfungen und Gewalt führt. Wohin das schlimmstenfalls führen kann, wies Andreas Sahner mit seinem Aufruf zum Gedenken an das Attentat von Orlando auf, dem bekanntlich 49 Menschen aus der amerikanischen LGBT-Gemeinde zum Opfer fielen: „Auch für sie demonstrieren wir heute – und gegen alle Hassprediger“. Von den Politikern in Deutschland forderten die beiden Sprecher das volle Adoptionsrecht für Regenbogenfamilien, sowie die längst überfällige Aufhebung aller Urteile nach dem § 175 StGB. Schließlich sind ca. 50.000 Männer in der Bundesrepublik nach diesem sogenannten Schwulen-Paragrafen verurteilt worden, der erst vor 22 Jahren gestrichen worden ist, manche sogar zu mehreren Jahren Gefängnis. Es gibt also doch noch ein paar Probleme „damit“.

Am Ende wurde trotz aller Politik auch noch gefeiert. Denn den Abschluss fanden die CSD-Demo und die „Pride Weeks“ für Münster mit einem Ständefest im Rathaus-Innenhof, wo unter anderem die Bands Shubangi, Home To Paris und Ingenious Rascals auftraten.

Ralf Clausen

Ein Kommentar

  1. Warum nur muss man Homosexualität feiern? Was gibt es da bitte zu feiern?
    Sind diese Menschen etwa schon so moralisch und sittlich verroht, dass sie dies selbst gar nicht mehr bemerken. Sexuelles abartiges Benehmen darf nicht auch noch öffentlich verherrlicht werden. Ihr feiert in Wahrheit eure Ignoranz , auf die Familie, auf die Gesellschaft und auf Gott.

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