„Berg Fidel gegen LEG-Abzocke“ 400 Bewohner wehren sich gegen Wohnungskonzern / Sprecherin weist Vorwürfe zurück

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Ein Wohnkomplex der LEG an der Hogenbergstraße in Berg Fidel. (Foto: Thomas Hölscher)
Ein Wohnkomplex der LEG an der Hogenbergstraße in Berg Fidel. (Foto: Thomas Hölscher)

„Der LEG-Konzern macht Millionen-Profite durch die Mieter, aber kümmert sich nicht um Instandhaltungen und dringend notwendige Reparaturen der Wohnungen.“ Das ist einer der Vorwürfe von 400 Mietern aus dem Stadtteil Berg Fidel, die sich nun zur Initiative „Berg Fidel Solidarisch“ zusammengeschlossen haben.

Die Liste der frisch gegründeten Mietervereinigung ist lang, sie haben endgültig die Nase gestrichen voll. „Die Mieten steigen, während gleichzeitig die Wohnqualität immer weiter abfällt“, beklagen sie und fühlen sich regelrecht abgezockt. So stelle der inzwischen privatisierte und börsennotierte Konzern keinen Hausmeister mehr für Berg Fidel, dennoch werde dieser weiterhin über die Nebenkosten abgerechnet. Seitdem der Hauswart weg sei, finde keine angemessene Instandhaltung und Wartung in den Wohnungen mehr statt, vor den Häusern sammele sich Müll an, notwendige Reparaturen bei Schimmelbefall, defekten Fenstern oder gar Heizungen bleiben aus, heißt es von der Initiative. Man müsse regelrecht Angst um seine Gesundheit haben. Zudem sei eine „zuverlässige Verfügbarkeit von heißem (in einigen Fällen auch kaltem) Wasser ist bei einigen nicht gewährleistet“, beklagen die Mieter. Enttäuscht ist man auch von teils sehr langen Reaktionszeiten bei der LEG. Das alles wollen die Menschen in Berg Fidel nicht länger hinnehmen und haben die Initiative „Berg Fidel Solidarisch“ gegründet. Bei einer ersten Versammlung kamen 80 Mieter zusammen und beschlossen als ersten Schritt, Unterschriften für die Forderung nach einem verlässlichen Hausmeister zu sammeln. Innerhalb von wenigen Wochen konnten 400 Unterschriften gesammelt werden, die an die LEG mit Sitz in Düsseldorf geschickt wurden. Bisher habe man keine Antwort erhalten, erklärt Benjamin Körner enttäuscht.

Die Betroffenen beklagen ein Abfallen der Wohnqualität. (Foto: Thomas Hölscher)
Die Betroffenen beklagen ein Abfallen der Wohnqualität. (Foto: Thomas Hölscher)

In der Firmenzentrale sieht man die Sache ein wenig anders. „Wir nehmen die Anliegen unserer Mieter sehr ernst und kümmern uns natürlich um möglichst zeitnahe Bearbeitung“, versichert Sabine Jeschke, Leiterin der Unternehmenskommunikation der LEG-Immobilien-Gruppe auf Anfrage unserer Redaktion. „So haben wir auch den von Ihnen erwähnten Brief einer Mieterinitiative mit einem Schreiben vom 21. Januar 2020 selbstverständlich ausführlich beantwortet.“ Sehr wohl sei einer der LEG-Hauswarte in Berg Fidel tätig und man arbeite durch ihn „festgestellte Mängel schnellstmöglich ab“. Um lange Wartezeiten vor den damaligen Hausmeisterbüros zu vermeiden, sei vor drei Jahren ein zentraler Kundenservice ins Leben gerufen worden. „Wir merken aber, dass für einige Mieter, wie ältere Menschen oder Menschen mit Sprachbarrieren, eine direkte Kommunikation mit unseren Fachleuten vor Ort (…) hilfreich ist, um Probleme schneller zu lösen“, so Jeschke weiter. Man plane daher, künftig wieder eine Mietersprechstunde durch einen Kundenbetreuer anzubieten.

Gegen den Vorwurf mangelhafter Instandhaltung und Reparaturen wehrt sich die LEG ausdrücklich. „Für kleinere Reparaturen können sich unsere Kunden an unsere hauseigenen Handwerker wenden“, erklärt die Konzernsprecherin, für Notfälle stehe eine Reparaturhotline zur Verfügung, die rund um die Uhr besetzt sei. Auch wenn die LEG auf rund 400 eigene Handwerker zurückgreifen könne, gehe in einem so großen Quartier wie Berg Fidel auch mal etwas schief: So arbeite man in manchen Fällen mit externen Handwerksunternehmen zusammen, bei denen die Wartezeiten häufig länger und nur bedingt zu beschleunigen seien. „Das bedauern wir sehr und entschuldigen uns bei den Mietern, die länger auf eine Reparatur warten.“

Die Stimmung der LEG-Mieter in Berg Fidel ist alles andere als gut. (Foto: Thomas Hölscher)
Die Stimmung der LEG-Mieter in Berg Fidel ist alles andere als gut. (Foto: Thomas Hölscher)

Im Bereich der Instandhaltung und Modernisierung sieht sich die LEG weit vorne. In allen Wohnungen in NRW habe man in den vergangenen Jahren durchschnittlich zwischen 26 und 30 Euro je Quadratmeter investiert und liege damit deutlich über dem Durchschnitt. „Bei den Mietpreisen liegen wir dagegen unter dem NRW-Landesdurchschnitt“, so der Konzern. Ein Schwerpunkt der kommenden Jahre sei eine umfassende Aufzugsmodernisierung. Bis 2026 sollen mehr als 930 Aufzüge des NRW-weiten Wohnungsbestandes erneuert werden, darunter auch in Berg Fidel. Wo möglich und sinnvoll, sollen auch die Eingangsbereiche barrierearm umgestaltet werden. Den aktuellen Schadensmeldungen der Mieter gehe man natürlich nach, versichert Unternehmenssprecherin Sabine Jeschke. Derzeit hätten zwei Mieter einen Schimmelbefall bzw. die Bildung von Wasserflecken angezeigt, Meldungen wegen Heizungsausfällen lägen hingegen nicht vor.

Für die Initiative „Berg Fidel Solidarisch“ sind das vorerst nur leere Worte. „Nach den bisherigen Erfahrungen mit der LEG glauben wir nicht mehr alles unhinterfragt“, sagt Benjamin Körner entschlossen. „Wir schauen darauf, was real getan wird und nicht auf das, was nur behauptet wird.“ Nach der „Mieterinitiative Uppenberg“, die vor gut einem Jahr gegründet wurde, ist „Berg Fidel Solidarisch“ schon die zweite Mietervereinigung, die sich gegenüber der LEG für ihre Belange einsetzt.

„Berg Fidel Solidarisch“ ist eine Stadtteilinitiative für alle Menschen in Berg Fidel. Diese arbeitet nicht nur zum Thema LEG und Wohnen, sondern führt auch gesellige Aktivitäten, politische Filmabende, Frauentreffen oder dergleichen durch. Weitere Informationen: https://bfsolidarisch.blackblogs.org

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