Barocco Italiano in der Clemenskirche

Das Streicherensemble STRINGent gab den Konzertabend „Barocco Italiano“ in der Clemenskirche. (Foto: CCo)

Auch in diesem Jahr richten das Theater Münster und das Sinfonieorchester Münster wieder die „Tage der Barockmusik“ aus, und das nicht nur an ihrem eigentlichen Sitz im Theatergebäude. Am Sonntag wählte das Streicherensemble STRINGent die Clemenskirche für den Konzertabend „Barocco Italiano“, mit Musik von Corelli, Purcell und anderen Komponisten.

Es gibt nicht viele Orte in Münster, die so gut zu einem Barock-Konzert passen, wie die Clemenskirche. Schließlich ist dieser sechseckige Sakralbau mit den vielen runden Schwüngen einer der herausragenden Hinterlassenschaften des westfälischen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun.  Aber all die herrlichen Rokkoko-Engel an den Säulen und Wänden können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier im Januar so kalt ist, wie in vielen alten Kirchen. Da machte sich schon Mitleid mit den auftretenden Musikern breit.

Die ließen sich aber nichts anmerken und trugen ihr Programm ungerührt und sicher vor. Da es unter dem Motto der italienischen Barockmusik stand, begannen sie mit einem Concerto Grosso von Arcangelo Corelli, genauer dem „Concerto Grosso F-Dur op. 6 Nr. 12“. Corelli gilt ja als einer der Schöpfer dieser für den Barock so stilprägende Gattung. Das Streicherensemble des Sinfonieorchesters Münster, das unter dem Namen „STRINGent“ unter der Leitung von Konzertmeisterin Midori Goto auftrat, hatte sich mit Attilio Cremonesi einen hervorragenden Solisten am Cembalo hinzugeholt. Er leitete das Ensemble auch mit aufmerksamen Blicken, intensiven Bewegungen von Kopf und Oberkörper, nahezu im Stehen – während seine Hände für das Basso Continuo stetig über die Tasten flogen.

Der Geist von Corelli schwebte über dem gesamten, vom Solisten Cremonesi mitgestalteten Programm. Das wurde besonders deutlich bei dem „Concerto grosso G-Dur op. 7, Nr. 3“ von Michele Mascitti, der zu Unrecht heute fast vergessen ist, zu seiner Zeit aber ähnliche Anerkennung erhielt wie die Großmeister Corelli oder Albinoni. Ist Mascitti eher als ein Schüler zu betrachten, so gilt Giovanni Legrenzi als Vorläufer von Corelli, wie hier mit der „Sonata c-Moll op. 10 Nr. 6“ gezeigt wurde, für das sich die Besetzung des „STRINGent“ deutlich verkleinert hat. Warum Midori Goto und Attilio Cremonesi auch Werke des englischen Komponisten Henry Purcell in diesen Konzertabend mit italienischer Barockmusik aufgenommen haben, wurde allerdings erst so nach und nach deutlich: die musikalische Sprache von Corelli und gerade der Umgang mit den Streichinstrumenten in der „Barocco Italiano“ wirkte auch in weit entfernte Regionen Europas. Hier hätte man sich ein paar erläuternde Worte gewünscht. Die kamen nach dem Applaus am Schluss des regulären Programms von Attilio Cremonesi – und dabei wurde klar, dass die Akustik in der Clemenskirche viel besser für Musik geeignet ist, als für Worte.

Die Musiker an den Violinen und Violas traten nach barocker Tradition übrigens durchgehend im Stehen auf. Sie orientierten sich von der Spielweise aber nicht allzusehr an den – inzwischen vielleicht auch nicht mehr ganz so modernen – Verfechtern der historischen Aufführungspraxis, deren schroffer Klang mitunter abstoßend wirken kann. Der Wohlklang dieses Ensembles begeisterte das Publikum in der ausverkauften Clemenskirche, das auch nach der Zugabe kaum mit dem Applaudieren aufhören wollte und schließlich Standing Ovations spendete.

Ralf Clausen

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