AstraZeneca-Impfungen ausgesetzt (Update) Vergabestopp auch im Impfzentrum umgesetzt / AstraZeneca-Ausfälle derzeit nicht zu kompensieren

In Deutschland wurde die Impfung mit AstraZeneca vorerst gestoppt. (Symbolbild: wip / Philipp Wiatschka / pixelio.de)
In Deutschland wurde die Impfung mit AstraZeneca vorerst gestoppt. (Symbolbild: wip / Philipp Wiatschka / pixelio.de)

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) empfiehlt nach intensiven Beratungen zu den in Deutschland und Europa aufgetretenen schwerwiegenden thrombotischen Ereignissen die vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca. Die Stadt Münster hat unverzüglich sämtliche Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt.

Auch Deutschland setzt Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca vorsorglich aus. Dem PEI seien mit Stand vom heutigen Montag neue Fälle in Deutschland gemeldet worden, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Bei der Analyse des neuen Datenstands sehen die Experten jetzt eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem Impfstoff AstraZeneca. Die Daten werden nun von der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) weiter analysiert und bewertet. Bis zum Abschluss der Bewertung durch die EMA werden die Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland ausgesetzt. Hiervon seien sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen, heißt es.

Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass Personen, die mit AstraZeneca geimpft wurden und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen (hierzu zählen beispielsweise starke und anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen), sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollten.

Impfzentrum Münster muss über 3000 Termine verschieben

„Das ist ein schwerer Rückschlag für die Impfkampagne“, erklärte Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer am Nachmittag. In einer ersten Maßnahme haben wir sichergestellt, dass im Impfzentrum der Stadt Münster zum Schutz der Bevölkerung so lange kein AstraZeneca mehr verimpft wird, bis die Lage sich klärt.“ Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung klärt die Stadt Münster den weiteren Fahrplan für die Massenimpfung in Münster. Wie die Stadtverwaltung am Abend in einer Mitteilung erklärte, wurden alle ausstehenden Termine im Impfzentrum, bei denen AstraZeneca zum Einsatz kommen sollte, bereits abgesagt. Nach Ersatzterminen für diesen Personenkreis werde derzeit noch gesucht.

Die Impfungen mit den anderen verfügbaren Impfstoffen finden wie geplant statt. Alle vereinbarten Impftermine für Über-80-Jährige dort bleiben bestehen. Auch bei den beruflich besonders begründeten Impfungen (berufliche Impfungen) von Personen unter 18 bzw. über 65 Jahre ändere sich nichts, da für diese Personengruppen ohnehin ein anderer Impfstoff vorgesehen ist. Dasselbe gilt für Bewohnern bzw. betreute Personen in Tagespflegeeinrichtungen, besonderen Wohngemeinschaften und teilstationären Einrichtungen.

Im Impfzentrum sind nach Auskunft der Stadt Münster seit dem 8. Februar knapp über 10.000 Impfungen mit AstraZeneca erfolgt. Die Folgen des Impfstopps für den gesamten Impfprozess im Stadtgebiet seien noch nicht absehbar, heißt es weiter. Dem Impfzentrum Münster stehen derzeit nicht genug alternative Impfstoffe zur Verfügung, um die aktuellen AstraZeneca-Ausfälle zu kompensieren.

(aktualisiert 18:15 Uhr)

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