Alexianerbrüder schließen Konvent Die letzten Brüder verlassen das Kloster in Münster-Amelsbüren / „Unsere Haltung über ein Jahrhundert geprägt“

Brüder in der Küche um 1920. (Foto: Archiv-Bild Alexianer)
Brüder in der Küche um 1920. (Foto: Archiv-Bild Alexianer)

Nach über 130 Jahren des Wirkens in Münster verließen in der vergangenen Woche die beiden letzten Brüder das Alexianerkloster am Kappenberger Damm in Münster. Künftig wird das Provinzialat in Siegburg verortet. Mit der Schließung des Klosters endet eine Ära auf dem Campus im Süden der Stadt.

Im Jahr 1888 haben die Alexianerbrüder in Münster Fuß gefasst, Ziel war eine stadtnahe Ansiedelung an der Hammer Straße. Aber Ängste vor den besonderen Menschen, die schon damals von den Alexianern betreut wurden, erforderten eine Planänderung. Schließlich wurde mit dem Haus Kannen, einem ehemaligen Gutshof, ein Zuhause und eine Wirkungsstätte im Süden der Stadt gefunden. Historische Bilder belegen, wie mit dem Bau des Wasserturms, dem Betrieb des Krankenhauses und der aktiven Selbstversorgung durch eine blühende Landwirtschaft schnell Leben auf dem Campus Einzug hielt. Viele Nachbarn erinnern sich heute an Begegnungen mit den Brüdern und Patienten, an gemeinsame Messen, Feste und Herausforderungen, aber auch an dunkle Stunden, wie etwa die Deportation von über 100 Menschen mit Behinderungen während der Nazidiktatur. Hilflos mussten die Alexianerbrüder damals mit ansehen, wie ihre Schützlinge nach Hadamar verschleppt und dort schließlich ermordet wurden. Parallel wurde aus dem Haus Kannen ein Lazarett, in dem gemeinsam mit den Clemensschwestern die Kriegsverletzen versorgt wurden.

Heuernte um 1960. (Foto: Archiv-Bild Alexianer)
Heuernte um 1960. (Foto: Archiv-Bild Alexianer)

Die Alexianerbrüder blieben sich treu in ihrem Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft, standen dabei aber nie still. Neue Erkenntnisse, Offenheit für neue Wege und Wachheit für aktuelle Themen zeichneten sie aus. Zur Nagelprobe wurde das klare „Ja“ zur Errichtung der Forensik in Münster Anfang der 2000er-Jahre. Anfänglicher scharfer gesellschaftlicher Kritik zum Trotz bekannten sie sich zu den Menschen, die von anderen gemieden werden.

Schon vor knapp zehn Jahren erkannten die Alexianer, dass die Zukunft des Ordens ungewiss ist und der besondere Geist der Häuser langfristig gesichert werden muss. So wurde das materielle und immaterielle Erbe 2013 in die Stiftung der Alexianerbrüder übergeben. Mittlerweile beschäftigen die Alexianer in ihren Einrichtungen rund 30.000 Mitarbeitende bundesweit und sind damit einer der größten konfessionellen Krankenhausträger.

Mit der Schließung des Klosters und dem Umzug der beiden letzten Brüder schließt sich auch ein besonderes Kapitel der Alexianer-Unternehmensgeschichte in Münster. Bis vor wenigen Jahren hatten die Brüder im aktiven Dienst auf Stationen, in Obdachlosentreffs oder anderen Einrichtungen unterstützt. Bruder Dominikus, Provinzial der Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder e.V., dazu: „Auch, wenn uns die Auflösung schmerzt, ist dies für uns jetzt in dieser Zeit der richtige Weg, wenn Gott will wird es für uns noch mal andere Möglichkeiten geben“.

Das Kloster bleibt in seinen Grundfesten erhalten: Es soll, getragen durch das Alexianer Hotel am Wasserturm, zu einem Haus der christlichen Begegnung werden. Gruppenreisende und Tagungsteilnehmer können hier künftig übernachten und Exerzitien erleben. „Die Alexianerbrüder haben unsere Arbeit und unsere Haltung über ein Jahrhundert lang in Münster geprägt. Wir werden diese Zeit und die Alexianerbrüder vermissen. Und: Wir werden den christlichen Auftrag der Alexianerbrüder, sich um Menschen zu kümmern, die am Rande leben, auch in der Zukunft fortführen“, so Stephan Dransfeld, Regionalgeschäftsführer.

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