Schlechte Karten für Fahrraddiebe Berliner Start-up stattet E-Bikes mit Peilsendern aus

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Matthias Busch mit seinem wiederbeschafften E-Bike. (Foto: Michael Bührke)
Matthias Busch mit seinem wiederbeschafften E-Bike. (Foto: Michael Bührke)

Münster hat echte Qualitäten als Schauplatz für Delikte und Verbrechen, das weiß jeder Wilsberg- und Tatort-Fan. Dass auch das reale Leben in der Domstadt durchaus spannend sein kann, hat Matthias Busch am eigenen Leib erfahren dürfen. Wie es sich für die Fahrradhochburg gehört, beginnt die Geschichte mit einem Fahrraddiebstahl.

Im August hat sich Busch, der mit Frau und Tochter im Kreuzviertel wohnt, ein neues E-Bike zugelegt. Bereits beim Kauf war klar, dass dem Rad, das normalerweise über 3000 Euro kostet, ein besonderer Versicherungsschutz zugutekommen sollte, das Thema Fahrraddiebstahl ist für den Lehrer leider kein Neuland: „Uns wurden in Münster schon sieben Räder geklaut.“ Matthias Busch ging es dabei nicht nur darum, den Schaden ersetzt zu bekommen, er wollte auch, dass der Dieb gefasst und bestraft wird, was in Münster nur selten der Fall ist, wie die Aufklärungsstatistik der Polizei belegt. Beim benachbarten Fahrradhändler wurde ihm ein neues Tool des Berliner Start-ups Alteos empfohlen, bei dem im Motor der Elektroleeze ein GPS-Sender versteckt wird. „Vielen Kunden ist es nicht nur wichtig, dass im Fall eines Diebstahls das Geld erstattet wird, sondern dass sie ihr Fahrrad wiederbekommen. Gerade im Moment gibt es mitunter lange Lieferzeiten, wenn man sich auf ein bestimmtes Fahrrad festgelegt hat“, weiß Bernd Voss von der Velofaktur, bei der Matthias Busch sein Rad mit dem eingebauten Peilsender gekauft hat.

Die App, mit der Busch den Diebstahl gemeldet und die Position seines geklauten Fahrrads verfolgt hat. (Foto: Michael Bührke)
Die App, mit der Busch den Diebstahl gemeldet und die Position seines geklauten Fahrrads verfolgt hat. (Foto: Michael Bührke)

„Eines Morgens hat dann unsere Nachbarin geklingelt, die gerade von der Nachtschicht kam. Sie hatte schlechte Nachrichten“, berichtet Busch von dem Tag, an den er sich vermutlich noch lange erinnern wird. Tatsächlich lagen vor dem Haus nur noch die traurigen Überreste dessen, was mal ein hochwertiges Fahrradschloss war, „vermutlich hatte der Dieb einen hydraulischen Bolzenschneider, wie ihn die Feuerwehr verwendet. Dagegen ist kein Fahrradschloss sicher.“ Jetzt schlug die Stunde des GPS-Senders: „Ich habe in der App, die zu dem Sender gehört, nur den Button ‚Diebstahl melden‘ gedrückt, damit läuft im Hintergrund die Alarmierung bei Alteos an.“ Danach haben Matthias Busch und seine Frau Karin die Polizei alarmiert, von deren Reaktion die beiden allerdings mehr als enttäuscht waren, „Die wollten gar nicht erst kommen, weil sich das Signal nicht bewegt hat“, wie das Paar sichtlich genervt berichtet.

So sieht der GPS-Sender aus, den Matthias Busch in sein E-Bike hat einbauen lassen. (Foto: Michael Bührke)
So sieht der GPS-Sender aus, den Matthias Busch in sein E-Bike hat einbauen lassen. (Foto: Michael Bührke)

Daraufhin setzte sich der 31-Jährige selber ins Auto und nahm die Verfolgung auf, obwohl auch die Versicherung bereits aktiv wurde, zum Versicherungsschutz gehört ein Rückholservice im Fall eines Diebstahls. Auf einem Autobahnrastplatz endete zunächst die Jagd nach dem Fahrraddieb, „Das Signal bewegte sich nicht mehr. Auf dem Rastplatz habe ich aber nichts gefunden, nur ein Auto, dessen Fahrer tief und fest schlief. Hinter ihm war irgendetwas mit einer Decke zugedeckt.“ Später vermutete die Polizei, dass es sich tatsächlich um den Dieb gehandelt haben könnte, der möglicherweise erst seinen Rausch ausschlafen wollte. „Ich bin dann wieder nach Hause gefahren. Doch plötzlich bewegte sich das Signal in Richtung Steinfurt.“ In dem Moment wurde die Küche zur Einsatzzentrale umfunktioniert, wie Karin Busch berichtet. Der Anruf bei der Polizei Steinfurt lief allerdings ganz anders ab als zuvor bei den Kollegen in Münster, „Die waren sofort Feuer und Flamme und haben alles losgeschickt, was sie hatten. Zumindest machte es den Eindruck.“

Mit einem solchen Schloss wurde das Rad gesichert. Genutzt hatte es nichts. (Foto: Michael Bührke)
Mit einem solchen Schloss wurde das Rad gesichert. Genutzt hatte es nichts. (Foto: Michael Bührke)

Das GPS-Signal des Senders konnte nicht an die Polizei weitergeleitet werden, also hat Matthias Busch auf dem Küchentisch das Notebook und sein Smartphone in Stellung gebracht und der Polizei die Position des GPS-Senders laufend durchgesagt, während die kleine Tochter nach und nach die Küche verwüstete, wie sich das Ehepaar lachend erinnert. Vor Ort hat die Steinfurter Polizei dann nicht nur den Dieb und das Rad von Matthias Busch gefunden, sondern noch weitere, offensichtlich ebenfalls gestohlene Fahrräder. „Die Polizei hat abends nochmal angerufen und sich bedankt, die fanden das total gut!“, freut sich Karin Busch über den Erfolg der Aktion. „Das war das erste Mal, dass wir ein gestohlenes Fahrrad wiederbekommen haben. Die Versicherung sagt, dass sie 69 von 70 Rädern wiederbeschaffen. Sollten durch den Diebstahl Schäden am Rad entstanden sein, werden auch diese ersetzt.“ Nicht nur deswegen freut sich Familie Busch über den GPS-Sender im neuen E-Bike, „Es muss für Diebe immer heikler werden, Räder zu klauen.“

Bernd Voss vom Fahrradgeschäft Velofaktur. (Foto: Michael Bührke)
Bernd Voss vom Fahrradgeschäft Velofaktur. (Foto: Michael Bührke)

Auch Bernd Voss von der Velofaktur findet das System mit dem im Motorblock verbauten Sender sinnvoll, da dieser vom Dieb normalerweise nicht ohne Probleme gefunden und nur mit großem Aufwand entfernt werden kann. Außerdem ist äußerlich nicht zu erkennen, ob das Rad einen versteckten Sender hat oder nicht. Sollte dies allerdings zunehmend der Fall sein und müssten die Diebe vermehrt davon ausgehen, dass man ihnen auf die Schliche kommt, könnte sich das Blatt wenden, „es ist wie beim Rennen zwischen Hase und Igel. Die Technik muss immer einen Schritt weiter sein als der Dieb“, ist sich Voss sicher.

Michael Bührke

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