
Am Montagabend fand im Cineplex Münster gleich eine doppelte Premiere statt: Der Film „Manipulation“ wurde erstmalig hier aufgeführt und Hauptdarsteller Heino Ferch besuchte zum ersten Mal unsere Stadt. Gemeinsam mit Regisseur David Balda tourt der Schauspieler („Der Untergang“) derzeit durch Deutschland, um den Mystery-Thriller zu promoten.
Das Schwarz-Weiß-Plakat von einem Priester mit ernstem Blick lässt die Vibes des Films schon erahnen. Die videografische Farbgestaltung erinnert an die Münsteraner Wetterlage der letzten zwei Wochen, die symbolträchtigen Dialoge in architektonisch beeindruckender Kulisse an den „Da Vinci Code“.
Worum geht`s?
Seit seiner Kindheit gehört der junge Mann Matteo einer mächtigen Geheimgesellschaft an, welche durch Persönlichkeiten verschiedenster Institutionen regiert wird. Kopf dieser sektenähnlichen Verbindung ist der manipulative „Meister“. Als heranwachsender Mann muss Matteo seinen Nutzen für die Gesellschaft beweisen und erhält eine erste strategische Aufgabe: Er soll Pater Vitus, gespielt von Heino Ferch, zu einer Kooperation bewegen, um dessen Einfluss für die Geheimgesellschaft zu gewinnen. Doch der Kontaktaufbau zur Außenwelt öffnet Matteo die Augen. Nach und nach wird ihm das manipulative Gesamtkonstrukt, in dem er aufgewachsen ist, bewusst.

Geistliche Schlüsselfigur
Im Gespräch mit ALLES MÜNSTER verrät Ferch, was ihn an dem Drehbuch gereizt hat: „Die Geschichte spielt zwar in der Kirche, aber letztlich kann man sie in alle Bereiche transportieren, die mit Macht, Einfluss und Verführung zu tun haben. Dazu zählen Politik, Wirtschaft, große Sportvereine oder Weltverbände“, so Ferch. „Es geht vor allem um menschliche Stärken und Schwächen.“ Die Schlüsselfigur Vitus zu spielen, habe ihm gerade aufgrund von dessen Schwächen und Fehlern großen Spaß gemacht. „Der Mann lässt sich hinreißen zu etwas, was er nicht hätte tun sollen. Das zu spielen ist immer klasse, weil man überzeugend sein muss. Jeder Rolle muss ich in jeder Situation Recht geben. Ich darf als Schauspieler nicht mit einer Wertung daran gehen oder ihr mit einer Moral von außen begegnen“, erklärt der Schauspieler. In seiner beruflichen Laufbahn übernimmt er damit die zweite geistliche Rolle. Nachdem er vor 17 Jahren in „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ in Kutte spielte, freue er sich nun über die staatstragende Figur des Vitus, einem Anwärter auf das Erzbischofsamt.
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„Manipulation“ ist das Werk eines tschechischen Regisseurs und wurde in Prag und Bologna gedreht – in englischer Sprache. Für Ferch eine weiterer Bonuspunkt: „Das ist für Schauspieler die schönste oder offizielle Sprache, um Emotionen zu transportieren. Mit Englisch braucht man einfach weniger Worte für das Gleiche, wofür wir im Deutschen zehn und die Franzosen 40 Worte brauchen.“ Im Gegensatz zu den anderen Darstellern konnte sich Ferch für die deutsche Version selbst synchronisieren. Das sei für ihn allerdings aufwändiger und schwieriger als bei der Synchronisierung anderer Personen. „Ich habe da einen deutlich höheren Anspruch, brauche viel mehr Versuche, weil ich immer denke, das geht noch besser!“ verrät er im Gespräch mit dem Publikum im Saal.
Jung und leidenschaftlich
Balda war bei den Dreharbeiten gerade 24 Jahre alt. Ist das anders, mit einem so jungen Regisseur zu arbeiten? „Eigentlich nicht“, sagt Ferch. „Klar hat jemand, der 40 Jahre älter ist, mehr Erfahrung, aber David ist ein leidenschaftlicher Filmemacher.“ Seinen ersten Film habe Balda im zarten Alter von 15 gemacht und ihn einfach an das tschechische Fernsehen geschickt. Die Rückmeldung: Laienhaft, aber zum Schluss habe ich geweint! „Diesen Mut muss man als junger Mensch erstmal haben“, bewundert ihn Ferch. „Und auch die finanziellen Mittel zusammen zu bekommen. ‚Manipulation‘ ist privat finanziert und da musst Du irgendwas mitbringen, damit Leute sagen: Dafür gebe ich Geld, da mache ich mit. Das ist eben die Energie, die er hat. Und mit genau dieser Überzeugung hat er gesagt: DU bist der einzige Pater Vitus auf der Welt! Und dann liegen Sie auf dem Rücken wie ein Käfer!“ lacht Ferch.
Manipulation hat viele Gesichter

Regisseur Balda möchte mit seinem Film die Achtsamkeit für mögliche Manipulation schärfen: „Seht euch um und versucht zu verstehen, welche Einflüsse es in eurem Leben gibt. Man möchte natürlich nicht alle vermeiden, aber einige davon.“ Manipulation sei für Balda nicht per se schlecht. „Manchmal versucht man auch, jemanden dahingehend zu manipulieren, dass man ihn davon abhält, etwas Schlechtes zu tun. Manipulation ist etwas sehr Kompliziertes, sie hat viele Gesichter und Richtungen. Man kann nicht pauschal sagen, sie ist immer schlecht oder gut, es kommt auf das Motiv an.“ Hauptdarsteller Ferch sieht das anders: „Ich verstehe Manipulation als etwas Negatives, das unterbewusst stattfindet. Wir können nicht bewusst entscheiden, uns gewissen Einflüssen zu entziehen. Wir werden von morgens bis abends ständig mit Reizen überflutet und dadurch manipuliert.“
Bei einem 120-minütigen Themen-Cocktail aus Psychologie, Religion und Macht ergibt sich vor dem Kinobesuch die Frage: Erwartet uns schwere Kost oder gibt es auch leichtere Nebenschauplätze, Herr Ferch? „Nicht nur schwere Kost, aber es ist schon toughes Zeug dabei.“
Und Verdauungstrakte, äh, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden….
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Guten Tag.
Heino Ferch war schon vorher einmal in unserer Stadt.
Zur Premiere von „Comedian Harmonists“ in 1997. Lange her …
Beste Grüße,
Toto Hölters
Hallo lieber Toto,
dann ist ihm unsere schöne Stadt aber (verrückterweise) nicht in Erinnerung geblieben. Er hat mehrmals betont, zum ersten Mal in Münster zu sein.
Lieben Gruß,
Jasmin