“M-Pire Strikes Back”-Festival im Skaters Palace

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Opener des Abends, der (neu-) Münsteraner Joe McMahon. (Foto: sg)

Ein Klassentreffen der Folk-Songwriter kündigte das sozial und politisch engagierte Label “Uncle M” für diesen melancholischen November-Freitagabend an. Wie schon häufiger im November, wieder mal ein Abend mit Männern, die alleine mit ihrer Akustik-Gitarre auf der Bühne stehen, nicht schlecht, verhieß dies doch bisher immer nur gutes. Auch der Vergleich mit Frank Turner fiel in der Ankündigung, das stimmte doch sehr hoffnungsfroh.

Dementsprechend voll war es auch im Café des Skaters Palace, gut 200 Musikfreunde fanden sich ein um den Wochenendauftakt dort zu begehen. Glockenschlag 19:00 Uhr ging es dann auch los, Joe McMahon (Neu-Münsteraner und Frontmann der Punkband “Smoke Or Fire”) nahm als erster die Gitarre in die Hand. Frühe Zeit und dann auch noch Opener, das ist wahrlich nicht der beliebteste Job bei einem Festival. Zu Recht, denn der Funke wollte nicht so recht überspringen, waren die Gäste doch etwas verhalten, dabei hatte McMahon sich nicht unbedingt etwas vorzuwerfen. Er machte das, was sich für einen Singer/Songwriter “gehört”, Gitarre spielen und den Leuten dabei mehr oder weniger tragische oder heitere Geschichten zu erzählen.

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Sam Russo (Foto: sg)

Er war aber nicht alleine mit diesem Phänomen, auch Sam Russo erging es nicht anders, der Engländer lieferte ebenfalls solide ab, trotzdem wirkte das Publikum teils eher abwesend, als gebannt zuhörend. Ebenfalls Briten, die beiden Punk-Popper von “Bad Ideas” schafften es dann aber, das Publikum etwas aus der Reserve zu locken. Locker, heiter und mit sichtlich viel Freude auf der Bühne packten sie die Zuschauer und bereiteten den Weg für den heimlichen Headliner des Abends, Robert Lynch.

Der Londoner, des öfteren mit Frank Turner verglichen, ist auf der Bühne zu Hause, Spielfreude pur und mit hohem Unterhaltungswert, brachte dann richtig Stimmung in den Laden. Das Publikum, vor allem bei ihm um einige sehr junge Fans in der ersten Reihe erweitert, dankte es ihm mit frenetischem Applaus. Lynch war aber auch derjenige, der sich als erster, aber nicht als letzter, das Publikum kritisch zur Brust nahm. So sprach er in der Mitte seines Auftritts das Kernproblem dieses Abends an. Ihm war es zu unruhig im Publikum!

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Bad Ideas (Foto: sg)

Sicher mag man darüber streiten, ob es dem zahlenden Publikum anzulasten ist, wenn sich während einer Show im Zuschauerraum laut unterhalten wird. Es war aber doch auffällig, dass gerade bei den vorherigen Auftritten ein dumpfer Teppich aus mehr oder minder lautstarken Gesprächen über den musikalischen Darbietungen lag.

Dem Hauptact dieses Abends, Ricky Votolato, wurde es dann sogar nach 4 Liedern wirklich zu viel. Das Publikum, welches, begeistert von Lynch, bei ihm wieder stimmungstechnisch ein wenig einknickte, beschäftigte sich seiner Meinung doch etwas zu sehr mit sich selbst. Er nutzte eine Liedpause, um zunächst dem Tontechniker seine Unzufriedenheit über den Hall bei seinen Vocals kundzutun, um im Anschluss dem Publikum mitzuteilen, wie er sich den Verlauf des Abends eigentlich vorstelle.

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Rob Lynch (Foto: sg)

Er griff sozusagen zur “Notbremse” und erklärte den Abend, welcher bis dahin “teilakustisch”, also zumindest mit Gesangs- und Gitarrenverstärkung verlief, nun komplett zur Unplugged-Show. Mikrofon samt Stativ zur Seite, Kabel aus dem Gitarrenverstärker, dann ging es weiter, in der Hoffnung auf etwas mehr Ruhe. Eine Vielzahl der Zuhörer quittierten seine Handlung allerdings mit einem Hofgang. Im Außen- und Raucherbereich wurde es zunehmend voller. Die ersten Gäste erklärten für sich den Abend sogar für komplett beendet und gingen nach Hause.

Das ganze erinnerte doch ein bisschen, wenn auch weitaus weniger dramatisch, an den letzten Auftritt von Everlast in der Sputnikhalle, der sich durch einzelne Redende während seiner Show so gestört fühlte und daraufhin sein Konzert unterbrach, nachdem er den Rausschmiss eines Zuschauers forderte und sogar mit Prügel drohte.

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Rocky Votolato (Foto: sg)

Eine diffizile Angelegenheit, so kann man den Künstler auf der einen Seite verstehen, dass er gehört statt gestört werden will, doch auf der anderen Seite, so fasste ein Zuschauer zusammen, “kann es dem Publikum nicht zum Vorwurf gemacht werden, wenn er die Leute mit seinem Auftritt nicht packt und sie sich lieber unterhalten”.

Schwamm drüber, drinnen bot der Texaner, vor nun sortiertem Publikum, eine schöne Akustik-Show, gibt es so auch nicht alle Tage. Applaus gab es, völlig zurecht, soll doch das “Gehabe” nicht über das musikalische Talent des Texaners hinwegtäuschen.

Alles in allem muss man sagen, auf der Bühne gab es genau das, was versprochen wurde: solide und wirklich gute Musik.

Stephan Günther
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