Jürgen von der Lippe – Ein Hawaiihemd auf Tour

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Der “dicke alte Mann” mit dem Hawaii-Hemd befasste sich am Freitag in Münster mit der deutschen Sprache. (Foto: th)

Wenn Hawaii-Hemden jemals aus der Mode waren, so galt dies sicher nie für den stilsicheren Ostwestfalen und Humoristen Jürgen von der Lippe. Einige seiner schönsten Exemplare führte er am Freitag im Congresssaal der Halle Münsterland vor. Ausverkauftes Haus, was aber sicher nicht nur an der Kleiderwahl lag.

“Einen Abend der Sprache” kündigte der 67-Jährige zu Beginn an und so war es dann auch. Nun, gesprochen wird natürlich meistens bei einem Comedy-Abend. Nur wenige Comedians beschäftigen sich aber genauer mit der deutschen Sprache, ihren Facetten und Besonderheiten, Jürgen von der Lippe aber schon. Nicht oberlehrerhaft, nicht altklug, sondern ganz so, wie der nette Nachbar wundert er sich, deckt er auf oder macht mit dem Publikum ein kleines Sprachquiz. Zuschauer auf der Bühne nehmen einen großen Teil seiner Show ein, auch in der zweiten Hälfte dürfen 4 Zuschauer auf die Bühne um ihr Wissen im Bereich Volkslieder unter Beweis zu stellen. Die optimale Vorlage eigentlich, um sich bestenfalls auf Kosten der unwissenderen Teilnehmer dieses Spiels einige Gags zu erkaufen. Nicht aber bei von der Lippe, hier wird niemand blamiert oder auf der Bühne bloßgestellt, hier wird zusammen geraten oder die Lösung gemeinsam erarbeitet. Im Optimalfall kommt am Ende zumindest ein salomonisches Unentschieden dabei heraus, und einen Preis gibt es für jeden Teilnehmer, eine Flasche Rotkäppchen-Sekt.

Jürgen von der Lippe zeigt, wie ein ordentlicher Applaus auszusehen hat. (Foto: th)
Jürgen von der Lippe zeigt, wie ein ordentlicher Applaus auszusehen hat. (Foto: th)

Vielseitig begabt ist der “dicke alte Mann”, wie er sich selbst liebevoll nennt. Er beherrscht unzählige Rollen auf der Bühne und auch die Musik ist ihm ja bekanntermaßen alles andere als fremd. Ob in einem der Songs über die kuriosesten Restaurantnamen witzelt oder im Quartett mit Grönemeyer, Maffay und Udo Lindenberg singt – das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Hierfür sorgt mitunter auch die Figur des Rockers Kalle, der nach der Pause die zweite Hälfte einläutet. “Kummerkasten-Kalle” wird er laut eigener Aussage genannt und hat ganz im Stile eines Ur-Berliner Dr. Sommers für alles eine Lösung parat, nicht nur dafür, wie man Kokain in Kondomen richtig schmuggelt, oder der erste Kontakt mit der Schwiegermutter in Spe aussehen sollte. Sympathisch, verschmitzt und nie zu zotig oder vulgär, man kann erahnen, warum von der Lippe seit Jahrzehnten erfolgreich auf den deutschen Bühnen, im TV oder Radio präsent ist.

Stephan Günther
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