GOP-Varieté: Eine rasant-heitere Karussellfahrt vor der Sommerpause

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Phillipe Trépanier, das kanadische Allroundtalent. (Foto: GOP)
Phillipe Trépanier, das kanadische Allroundtalent. (Foto: GOP)

Kurz vor der Sommerpause wird es noch einmal so richtig rasant im GOP-Varieté am Bahnhof. “Ironisch, überdreht, kunstvoll!”, heißt es in der Pressemitteilung, drei starke Adjektive. “Karussell”, so der Name des neuen Programms, viel treffender kann man ein Programm nicht zusammenfassen, 4 Worte, die halten, was sie versprechen.

Wer die Fahrkarte für das Karussell löst, sollte sich anschnallen und noch einmal tief Luft holen. Die Atempausen während der Show sind kurz, sei es vor Lachen, vor Staunen oder gar, weil man sich selbst auf einmal als Teil des Programms auf der Bühne wiederfindet. Verantwortlich hierfür zeigt sich ein achtköpfiges, internationales Ensemble, welches ein unterhaltsames und kurzweiliges Programm auf die Beine gestellt hat. Den letzten Bissen des Menüs hat das Publikum noch nicht ganz heruntergeschluckt, das Saallicht ist noch an, da eilt aus dem Hintergrund schon ein Mann mit Bademantel und Koffer durchs Publikum, verschlafen und tollpatschig sucht er sich den Weg zur Bühne und schon ist man mitten drin, das Karussell dreht sich.

Unter dem Bademantel verbirgt sich der mittlerweile 35-jährige Kanadier Phillippe “Phil” Trépanier, der in der Show den Part des Klassenclowns des Ensembles übernimmt. Trépanier ist aber nicht nur der Comedian der Truppe, sondern stellt später noch sein Können bei einer beeindruckenden Jonglage und noch faszinierenderen Diablo-Nummer unter Beweis. Er ist auch für die Rekrutierung des Publikums zuständig, muss doch in dieser Show “mitgearbeitet” werden. “Ich genieße die Spannung, jeden Abend Zuschauer finden und animieren zu müssen, die den Spaß mitmachen”, verrät er nach der Show, während er mit den anderen Mitgliedern des Ensembles und Gästen in seinen Geburtstag feiert.

Junge Menschen zum Mitreisen gesucht, das Ensemble von "Karussell". (Foto: GOP)
Junge Menschen zum Mitreisen gesucht, das Ensemble von “Karussell”. (Foto: GOP)

Das Varieté lässt sich immer seltener neu erfinden, fast alles war in irgendeiner Form schon irgendwie einmal da. Dies ist es auch nicht, was die Show ausmacht. Keine Frage, die Nummern sind durch und durch gekonnt bis brillant und geben keinen Anlass zur Kritik. Artistik auf dem Schleuderbrett, eine beeindruckende Vorstellung mit dem russischen Barren, luftige Action auf der Luftschaukel oder dem Trapez sind spektakulär und erfordern höchste Konzentration, Talent und vor allem Training. Für sich genommen, wäre es aber eine Show wie jede andere, oberer Durchschnitt. Genau hier unterscheidet sich “Karussell” aber von vielen Shows und dem klassischen Varieté aus vergangenen Zeiten. Die Gesamtheit und Choreografie ist es, welche dieses Programm zu einem absoluten Vergnügen macht. Alles wirkt wie aus einem Guss, die Harmonie auf der Bühne, die (Selbst-)Ironie der Künstler und die ganz große Portion Slapstick und Humor. Gekonnt und gewollt unperfekt wirkt alles, damit kann man sich identifizieren. Vielleicht auch damit, dass manch Künstler äußerlich kein durchtrainierter Superathlet ist, sondern unter dem engen Bühnenoutfit durchaus mal ein imposanter Bauchansatz durchschimmert. Nicht nur auf der Bühne eine durch und durch sympathische Truppe, die den Münsteranern bis zum Sommer noch ganz viel Freude bereiten wird.

Das Programm im GOP-Münster läuft noch bis zum 28. Juni, Karten gibt es hier.

 



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Stephan Günther

(sg) - Gründer bei ALLES MÜNSTER
In Münster geboren und aufgewachsen, ist Stephan Günther dieser Stadt bis heute treu geblieben. Zusammen mit Thomas Hölscher brachte er im Frühjahr 2014 das Onlinemagazin „auf die Welt“. Fasziniert von der Vielfältigkeit der Musik, findet man ihn am häufigsten auf Konzerten, meistens hinter einer Kamera, gerne aber auch mit Notizblock und Stift. Ansonsten hält er seine Augen aber auch für alles andere offen, was in seiner Heimatstadt so passiert.

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