Gemischte Gefühle mit Marcel Brell

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Marcel Brell und seine Band. (Foto: cf)
Marcel Brell und seine Band. (Foto: cf)

Gab es nun Musik zum Dinner, oder Dinner zur Musik? So ganz eindeutig konnte man diese Frage am Donnerstag im Hot Jazz Club an Münsters Hafen nicht klären. Marcel Brell trat an, um sein Publikum zu bespaßen, nur leider sah es eine ganze Weile so aus, als wollte ihm das nicht so recht gelingen.

Clubgigs, gerade in so kleiner Ausführung wie im gemütlichen Keller des Hot Jazz Clubs, haben in der Regel ihren ganz eigenen Charme und sind ein Highlight für jeden Fan. Nirgendwo ist es einfacher, dem Künstler ganz nah zu sein, miteinander zu interagieren, Stimmungen zu fühlen und aufzunehmen. Anders leider an diesem Abend. Ein Rockkonzert mit ausgeprägten Tanzeinlagen hätte an diesem Abend sicher niemand erwartet, Tische seitlich vor der Bühne muteten allerdings schon etwas befremdlich an. So kam es dann auch, die Pizza war noch nicht ganz gegessen, wich die Gemütlichkeit während des Konzert nur sehr schleppend.

Er hatte es nicht ganz leicht im Hot Jazz Club. (Foto: cf)
Er hatte es nicht ganz leicht im Hot Jazz Club. (Foto: cf)

Während Brell sich auf der Bühne musikalisch fast aufopferte und gute Miene zum verhaltenen Spiel machte, beschränkte man sich im Publikum weitestgehend mit Getränkebestellungen, der Produktion von Handyvideo-Material oder einem kleinen Plausch. Der Funke zündete auf der Bühne, verharrte dort aber bis weit nach der Pause. Dabei war eigentlich für fast jeden Geschmack etwas dabei. Vergnügliche, nachdenkliche, tief gehende aber vor allem immer durchdachte und starke Texte verhallten oft im nur mäßig gut besuchten Club. Musikalisch hat sich Brell wirklich nichts vorzuwerfen, erinnerte er in vielen Liedern an den jungen Grönemeyer oder Thees Uhlmann. Immer wieder wechselte er von der Gitarre an sein E-Piano, wo er fast noch eine bessere Figur machte.

Das hätten Gänsehautmomente werden können, die man vielleicht demnächst eher auf YouTube sieht – vielleicht fühlt sich das Publikum ja dann daran erinnert, was sie beim Blick aufs Display verpasst haben. Brell unternahm auf jeden Fall alles, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Unablässig sprach er es an, scherzte, erzählte Anekdoten, lud zum Klatschen und Mitsingen ein und sogar der pädagogische Part kam nicht zu kurz, als er den Unterschied zwischen einem Pfeiler und einer Säule erklärte. Die Beharrlichkeit zahlte sich aus und zum Ende des Konzertes erwachten auch die letzten Gäste aus ihrer Lethargie und verbreiteten echtes Konzertfeeling, ein verdientes Ende für Brell, der einem zwischendurch ein wenig leidtun konnte.

Stephan Günther
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