Ficken sag ich selten – Mein Leben mit Tourette

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(Foto: th)

Rappelvoll war es gestern Abend mit rund 250 Gästen im großen Hörsaal der Katholischen Hochschule (KatHo). Nicht ohne Grund: die Veranstalter luden zur Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Forum an der Piusallee“.

„Wir möchten soziale Themen verankern und die Frage stellen: Wie geht Gesellschaft mit speziellen Themen um und können wir Impulse geben, eigene Haltungen zu überdenken“, stellte Doris Eberhardt von der KatHo das neue Format vor. „Wir rücken hier den Menschen in den Mittelpunkt, denn schließlich hat jeder seinen Platz in der Gesellschaft“.

Im Mittelpunkt des Abends stand Olaf Blumberg, Tourette-Patient, Sozialpädagogikstudent und Buchautor. „Mir ist es wichtig, die Krankheit verständlich zu machen, denn Tourette ist mehr als nur fluchen“, erklärte der 29-Jährige. „Weder sind wir Monster, noch ist das ansteckend – Sie glauben gar nicht, was ich alles schon gehört habe“.

Blumberg hatte sein Buch „Ficken sag ich selten“ mitgebracht. Dort beschreibt er die verschiedenen Stationen seiner Erkrankung und ist dabei gnadenlos ehrlich, zu sich und zu anderen.

Das Buch startet vor sechs Jahren, als der damals 23-Jährige erstmals Sprach-Tics entwickelt und lauthals fluchend durch Bochum joggt. Blumberg flüchtet vor den nicht steuerbaren Symptomen, igelt sich ein, kann das alles nicht einordnen. Bin ich besessen? Holen mich gleich die Männer mit den Zwangsjacken? Eine Suche nach Erklärungen beginnt.

Eindrücklich und erfrischend offen beschreibt Blumberg verschiedene Momente seiner Vergangenheit: Medikamenten-Roulette, Meisendoktor, Bauer sucht Spasti, Selbsthilfegruppe Wanne-Eikel und schließlich die Einweisung in die Psychiatrie der LWL-Klink Bochum.

Für die Organisatoren dürfte der gestrige Abend wohl ein voller Erfolg gewesen sein, bei dem auch der gute Zweck nicht zu kurz kam: der Erlös aus dem Getränkeverkauf wurde dem Kinderhospiz „Königskinder“ gespendet.

Für die Zukunft sind 2-3 Veranstaltungen pro Jahr geplant.