Das große Donots-Interview

Lesezeit: 8 Minuten.
Trotz der Hitze zu Späßen aufgelegt, ein Teil der Donots. Ingo, Guido und Jan Dirk (v. l.) (Foto: th)
Trotz der Hitze zu Späßen aufgelegt, ein Teil der Donots. Ingo, Guido und Jan Dirk (v. l.) (Foto: th)

Vor dem großen Auftritt beim Vainstream-Festival, hatten wir die Gelegenheit, ausgiebig mit Ingo, Guido und Jan Dirk von den Donots zu plaudern.

Cool, dass ihr euch Zeit für uns nehmt! Vainstream, das ist euer erstes großes Open Air in Münster, oder?

Ingo: Das ist verrückt, oder? Ich liebe ja dieses Festival, muss ich mal sagen, und ziehe den Hut vor Timo Birth und seiner Kingstar-Mischpoke, die das hier jedes Jahr auf die Beine stellen. Irgendwie hat das bisher nie geklappt, weil wir ja immer den Grand Münster Slam spielen und zweimal pro Jahr in Münster spielen ist irgendwie auch ein bisschen viel. Aber dass es gerade zum Jubiläum vom Vainstream geklappt hat, freut mich natürlich.

Ihr habt beim Grand Münster Slam im letzten Jahr das erste Mal einen deutschsprachigen Song von eurem deutschsprachigen Album gespielt, wie kam es dazu, jetzt mal was in der Muttersprache zu machen?

Guido: Wie es halt so dazu kommt, ins Studio gehen, man hat diverse Songs im Kopf und einfach sagen, „Weißte was? Da haben wir Bock drauf und das machen wir!“.  Das war hier eigentlich genau so. Wir haben die Band jetzt 20 Jahre, da müssen wir mal was außergewöhnliches machen, da haben wir einen Song auf Deutsch probiert und ja, das hat gebockt, da haben wir weitergemacht, reines Bauchgefühl.

Habt ihr das für euch als Wagnis empfunden?

Guido: Natürlich ist das ein Wagnis, aber es wäre noch schlimmer, wenn man sich aus irgendwelchen Gründen dagegen sperrt, musikalisch sowas zu machen. Ist ja Quatsch zu sagen, man macht so etwas nicht, weil die Gefahr besteht, sich Fans dadurch zu verprellen, obwohl man richtig Bock darauf hat. Wenn man Bock drauf hat, macht man es auch gut.

Das zeigen die Plattenverkäufe ja deutlich, euer erfolgreichstes Album bisher…

Ingo: Ja, krass, das man sowas im 21. Bandjahr von sich sagen kann, weil viele Bands überleben sich ja ab einem gewissen Punkt, die rennen dann einem Schatten von sich selbst hinterher. Ich bin total froh darüber, dass wir es immer irgendwie schaffen, so eine Art Systemreset bei uns zu machen und den nächsten Schritt zu gehen, der die Sache für uns und die Leute frisch hält. Das fühlt sich für uns immer ein bisschen so an, als hätte man die Band gestern erst gegründet.

Jan Dirk, Bassist und Ex-Hansaring-Bewohner. (Foto: th)
Jan Dirk, Bassist und Ex-Hansaring-Bewohner. (Foto: th)

Einen kompletten Song auf dem Album habt ihr dem „Hansaring“ gewidmet, überspitzt ihr da ein wenig, oder wart ihr da wirklich so schwer unterwegs?

Jan Dirk: Das mit der Erinnerung wird jetzt ein wenig schwierig, da hakt’s dann (lacht)… Ne, ich habe halt vier oder fünf Jahre direkt am Hansaring gewohnt. Wenn du da Langeweile hast, gehst du einfach nur raus und kannst dir sicher sein, innerhalb von fünf Minuten triffst du irgendjemanden und innerhalb von zehn Minuten stehst du halt irgendwo am Tresen und es kommen weitere fünf Leute dazu, die Abende entwickeln sich halt immer so. Manchmal haben wir auch einfach Sitzmöbel nach draußen gestellt und uns auf den Bürgersteig gesetzt, irgendwer kam immer dazu und man hat dann halt einfach nur abgehangen.

Die Ecke von Münster ist ja auch mit der letzte „Kiez“, den es so in dieser Form gibt…

Jan Dirk: Hoffentlich bleibt das auch noch länger so. Wenn ich die Entwicklung am Hafen so mitbekomme, befürchte ich aber, dass sich das bald ändern wird. Aber dann haben wir dem Hansaring zumindest noch eine schöne Erinnerung in Stein gemeißelt. (lacht)

Wohnt ihr eigentlich noch alle in Münster und geht dann noch am Hansaring aus, oder gar ganz woanders?

Guido: Also ich bin gerade wieder nach Ibbenbüren gezogen, aber wir haben unser Studio hier und ich bin sowieso häufig in Münster. Ich gehe dann ganz gerne ins „Plan B“. Die „Gorilla Bar“ ist ja auch immer ganz nett, aber eigentlich Hansaring, weil da auch die ganzen Kollegas sind und so.

Jan Dirk: Also eigentlich, wenn man das in Prozente fasst, sind es wahrscheinlich 90% Hansaring.

Ingo: (lacht) Und die anderen 10% auch!! Ich bin übrigens gerade im Oktober nach Köln gezogen, werde mich aber wahrscheinlich ob der Kindkriegung im nächsten Jahr wieder Richtung Münsterland orientieren. Die Pendelei Münster <—> Köln ist mit Kind einfach zu stressig, bei 24 Stunden pro Tag.

Jan Dirk: Ich bin mit dem Fahrrad hier!! Beste Festival-Anreise, die ich JEMALS hatte.

Ist das dann noch mal das Doppel-Extra, riesiger Auftritt UND Anreise mit dem Fahrrad?

Jan Dirk: Total! Wir waren ja gestern noch in Freiburg auf einem Festival und sind eigentlich ja mit dem Tourbus hier angereist heute Morgen. Ich war dann aber kurz zu Haus und bin dann mit dem Fahrrad hingefahren, einfach weil ich es lustig finde, mit der Leeze hier hin und heute Abend auch wieder nach Hause fahren zu können.

Seid ihr bei Auftritten in Münster, gerade heute, aufgeregter als sonst? Über 10.000 Zuschauer in der Heimat, wird einem da anders?

Ingo: Jaaaa, wir haben ja von bis schon alles gespielt. 50.000 bei Rock am Ring oder über 100.000 Leute beim Rheinkultur-Festival, aber auch ganz kleine Clubshows. In den Staaten haben wir uns z. B. an den freien Tagen selbst Bar-Shows gebucht, wo wir vor teils 20 Leuten gespielt haben, von denen 7 hinter’m Tresen gearbeitet haben. Doppelt aufgeregt sind wir daher nicht. Wenn überhaupt dann deswegen, weil viele Freundinnen, Freunde oder Familie da sind. Das sind nämlich diejenigen, die dir hinterher ungefiltert sagen, wenn es scheiße war. (lacht)

Guido, Gitarrist und mittlerweile wieder Ibbenbürener. (Foto: th)
Guido, Gitarrist und mittlerweile wieder Ibbenbürener. (Foto: th)

Also sind die Shows für euch Routine?

Jan Dirk: NEEE! Finde ich irgendwie nicht, bei uns passiert eh immer irgendwas, also es geht irgendwas schief oder kaputt. Wir machen ja auch viel Interaktion mit den Leuten und das kannst du eh nie vorausplanen. Ich glaube das wäre das Schlimmste, wenn man so eine gelangweilte, routinierte Show einfach runterspielt. Da hat weder das Publikum noch wir selbst irgendwas von. Man sieht das ja manchmal bei anderen Bands, da denkt man sich dann, „Ähhh, sach mal, was machen die da? Dann geht doch arbeiten, so anstatt hier eine Stunde auf der Bühne zu stehen, sich selbst zu langweilen, die Leute zu langweilen, langweilige Musik zu machen!“ Dann kann man es doch irgendwie auch sein lassen. Nene, Routine wird da bei uns nie so richtig reinkommen, außerdem sind wir immer noch „gepflegte Amateure“, würde ich sagen.

Guido: (fällt Jan Dirk ins Wort) Wollte gerade sagen, wir sind zu schlecht, als das Routine einkehren kann, passiert zu viel Schrott! (lacht)

Ingo: Aber ich finde das wirklich wichtig, dass Musik ein Stück weit scheiße bleibt! Ganz ehrlich, wenn du in einer Punkrock-Band spielst, das darf nicht zu geleckt, zu gerade, zu geplant und durchdacht sein. Ein gesundes Maß Scheiße muss dabei sein und es muss ungeplant und kaputt klingen.

Jan Dirk: Exakt, es darf auch mal wehtun.

Ohne groß nachzudenken, gibt es eine Show, an die Ihr euch aus irgendeinem Grund besonders gerne oder auch ungern erinnert?

Guido: (schmunzelt) Ich erinnere mich gerne daran, wo sich Ingo seinen Arm gebrochen hat…

Ingo: Ich wollte gerade sagen, ich erinnere mich eher daran, wo ich mir auf der Bühne das Bein gebrochen habe! Arme und Beine, habe ich beides schon durch und da haben wir die Konzerte erst zu Ende gespielt und ich habe mich danach erst verarzten lassen. “In your Face, Dave Grohl! Who is your God now?!” (lacht)

Danke Jungs, dann habe ich jetzt alles erfahren über Euch, wobei, das Wichtigste hätte ich fast vergessen. Was hat es mit dem „mächtigen Knusperfelix“ auf sich?

(empörtes Durcheinander und wildes Gemurmel)

Ingo: Das ist jetzt gerade ein ganz kleines Bisschen so, als würdest du wollen, dass ich dir den „kategorischen Imperativ“ darlege, in einer Form, den auch ein Vorschulkind versteht.

Guido: (ruft dazwischen) Die Bundeslade ist leichter erklärt!

Ingo: Also wir reden hier gerade schon von, ich sag mal, sowas wie „Metasexualität“!

Ingo, Sänger, Knabbermischungsbeauftragter und noch Kölner. (Foto: th)
Ingo, Sänger, Knabbermischungsbeauftragter und noch Kölner. (Foto: th)

Also weißt du es selber nicht?

Ingo: Doch! Ich weiß es sehr wohl, aber erkläre mal jemandem, dass du vom Mittelpunkt des Universums in alle Richtungen gleichzeitig geschaut hast, wie das aussieht… (Rest der Band lacht sich schlapp) Das ist halt schwierig. Lass es mich anders formulieren, erklär mal jemandem, wie es sich das anfühlt, wenn eine Million Farben in deinem Körper explodieren!

Habt ihr schon getrunken heute?

Ingo: Ne, noch nicht, das ist ja das Problem!

Guido: (aus dem Off) Das ist noch der Rest von gestern!!

Ingo: Pass auf, ich versuche es in aller Kürze zu machen, unsere Band hat einen Schutzpatron, dass ist der „mighty Knusperfelix“, der wacht über uns alle. Er ist nicht nur über uns, er ist in uns, er ist in ähhhhh jedem Gebilde hier und alles fließt. Wir sind alle eine Einheit, ääähhm, er sorgt auf jeden Fall dafür das in den Knusper, ähm, wie heißt das, Nussmischungen…

Band im Chor: Knabbermischungen!!

Ingo: …genau, Knabbermischungen, dass es da schön knusprig bleibt, Punkt. Der böse Gegenspieler vom Knusperfelix ist übrigens Dr. Nüssken, das können wir noch sagen.

Jungs, auch wenn mich das jetzt ein wenig überfordert hat, Danke für die Zeit und viel Spaß auf der Bühne!

Stephan Günther
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