Das Geheimnis der roten Kiste Was der Aegidiimarkt, die Volkshochschule und das LWL-Museum für Kunst und Kultur mit einer roten Blechkiste zu tun haben.

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Direkt neben dem Rohr mit dem abgepumpten Grundwasser steht die geheimnisvolle rote Kiste. (Foto: Michael Bührke)
Direkt neben dem Rohr mit dem abgepumpten Grundwasser steht die geheimnisvolle rote Kiste. (Foto: Michael Bührke)

Mit ihrer knallroten Lackierung wirkt sie wie der vergessene Picknickkoffer der freiwilligen Feuerwehr. Die Metallkiste steht angekettet im Gebüsch am Rand der Aa im Bereich des Aegidiimarkts, genau dort, wo seit Jahrzehnten Wasser aus dem Bereich der benachbarten Tiefgarage in Münsters bekanntestes Fließgewässer gepumpt wird. Und das ist kein Zufall.

„In der Kiste befindet sich eine Temperatur-Messeinheit“, verrät Heinz-Peter Döhring von der Westfälischen Bauindustrie (WBI). Gemessen wird die Temperatur des abgepumpten Wassers, allerdings erst, nachdem es eine erstaunliche Leistung vollbracht hat, die Klimatisierung des benachbarten LWL-Museums für Kunst und Kultur. Das aus der Tiefe heraufbeförderte Wasser fließt zunächst in einen Tank, in dem sich ein Wärmetauscher befindet. Dieser leitet über einen eigenen Wasserkreislauf die Wärmeenergie in die Wände des Museumsneubaus. Das Wasser aus dem Tank fließt dann in die Aa. Immerhin im Schnitt rund 320 Kubikmeter pro Tag, das sind stolze 2240 Badewannen. „Wir wollen nun wissen, ob wir das gleiche Prinzip auch im Rahmen der anstehenden Renovierung der Volkshochschule im Aegidiimarkt anwenden können. Wir würden dann eine zweite Wärmetauscher-Anlage hinter die erste setzen“, erklärt Döhring, der bei der WBI für die Bereiche Baubetreuung und technische Eigentümerverwaltung zuständig ist.

Das Problem: Durch den Wärmetauscher, der das Museum versorgt, ändert sich die Temperatur des Wassers. Es stellt sich den Fachleuten somit die Frage, ob der verbleibende Temperaturunterschied noch ausreicht, um eine zweite Anlage zu betreiben. „Die Messungen werden noch ein paar Wochen andauern, dann wissen wir mehr“, sagt Döhring.

Um das Wasser, das beim Aegidiimarkt Tag und Nacht aus einem vergitterten Rohr in die Aa fließt, ranken sich abenteuerliche Mythen. So heißt es, dass die unterste Etage der Tiefgarage ständig überflutet sei und das Wasser in die Aa gepumpt werden müsse, weil ansonsten die gesamte Garage unter Wasser stehen würde. Tatsächlich ist es so, dass sich die Garage 18 Meter unter der Erdoberfläche und sieben Meter unter dem Grundwasserspiegel befindet. Drei Pumpen sorgen seit der Eröffnung im Jahr 1978 dafür, dass im Bereich des Aegiddimarktes das Grundwasser angesenkt wird, damit die Tiefgarage nicht vollläuft. Sollten alle drei Pumpen zeitgleich ausfallen, wird ein Alarm bei der Feuerwehr ausgelöst. Längere Zeit bestand der Verdacht, dass das Absenken des Grundwasserspiegels nicht nur am Aegidiimarkt sondern auch im weiteren Umfeld zu spüren sei: „Unigebäude wurden unstudierbar, Kirchen wankten und Geschäftshäuser ächzten“, wie Henning Stoffers auf seiner Webseite sto-ms.de schreibt. Bewiesen werden konnte dieser Zusammenhang allerdings nie, ein entsprechendes Gerichtsverfahren endete mit einem Vergleich.

Michael Bührke

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