Corona und das Wetter Die Corona-Pandemie beeinflusst die Genauigkeit der Wettervorhersagen. Zumindest etwas.

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Prof. Dr. Otto Klemm vor der Wetterstation auf dem Dach der Geowissenschaften an der Corrensstraße. (Foto: WWU Münster)
Prof. Dr. Otto Klemm vor der Wetterstation auf dem Dach der Geowissenschaften an der Corrensstraße. (Foto: WWU Münster)

Geplatzte Urlaubspläne, Rezession, geschmacklose Mundschutze, Corona muss in diesem Jahr für vieles herhalten. Und jetzt auch für fehlerhafte Wettervorhersagen? Prof. Dr. Otto Klemm vom münsterschen Institut für Landschaftsökologie ist Klimatologe und kennt den Zusammenhang: „Verkehrsflugzeuge sammeln während des Flugs Wetterdaten, gewissermaßen aus Eigeninteresse. Informationen zum Beispiel über die Richtung und Geschwindigkeit des Winds sind von Bedeutung bei der Flugroutenplanung.“

Diese Informationen sowie Angaben zum Luftdruck, zur Temperatur und bei manchen Maschinen zur Luftfeuchtigkeit werden nicht nur unter den Flugzeugen ausgetauscht, sondern außerdem in die Datensammlung der Wetterdienste eingespeist. „Durch die Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie ist der weltweite Flugverkehr um mindestens 95 Prozent zurückgegangen, die Daten dieser Flugzeuge fehlen also“, wie der Professor für Klimatologie erklärt. Laut Deutschem Wetterdienst werden im Normalbetrieb täglich mehr als 40.000 Meldungen unterschiedlicher europäischer Fluggesellschaften übermittelt, durch Corona ist dieser Wert auf etwa 5.000 Meldung eingebrochen.

Prof. Dr. Otto Klemm ist Klimatologe am Institut für Landschaftsökologie der Uni Münster. (Foto: WWU Münster)
Prof. Dr. Otto Klemm ist Klimatologe am Institut für Landschaftsökologie der Uni Münster. (Foto: WWU Münster)

Dass durch die fehlenden Daten die Wettervorhersage so ungenau wird, dass statt prophezeiter 25 Grad und Sonne plötzlich acht Grad und Nieselregen eintreten, ist allerdings nicht möglich, beruhigt Klemm. „Der Einfluss dieser Daten ist nicht gewaltig und zu verkraften. Den Kern der Wetterdatenerfassung bilden Bodenstationen, Radiosonden an Wetterballons und Satelliten“, erläutert der Klimaexperte. Lediglich bei instabilen Wetterlagen, bei Fronten oder Gewitterneigung liefern die Flugzeuge zusätzliche Daten, die bei der Vorhersage die Genauigkeit erhöhen, „wenn die Wetterlage stabil ist, sind die Daten der Flugzeuge nicht entscheidend.“

In Zukunft werden Satelliten einen größeren Stellenwert bei der Erfassung der Daten einnehmen, aktuell ist vor allem bei der Messung der Windgeschwindigkeit in unterschiedlichen Höhen qualitativ bei den Satelliten aber noch Luft nach oben, wie Prof. Dr. Otto Klemm berichtet. Bis dahin werden also weiterhin Wetterdaten von Verkehrsflugzeugen gesammelt, während die Passagiere an Bord von Strand und Somme träumen.

Michael Bührke

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