„Corona-Leugner kooperieren offen mit AfD“ „Offensichtliche Speerspitze“ / „Keinen Meter“-Bündnis: Nächster Protest am Montag

Impf-Skeptiker und Gegner der Corona-Maßnahmen bei einem "Montagsspaziergang" durch die Stadt. (Archivbild: Thomas Hölscher)
Impf-Skeptiker und Gegner der Corona-Maßnahmen bei einem „Montagsspaziergang“ durch die Stadt. (Archivbild: Thomas Hölscher)

Beim letzten Montagsspaziergang haben die Impf-Skeptiker und Gegner der Corona-Maßnahmen in Münster „erstmals offen mit der lokalen AfD kooperiert“, wie es in einer Mitteilung vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ heißt. Parteifunktionäre seien in enger Abstimmung mit der Versammlungsleitung mit einem eigenen Transparent an der Spitze des zweiten Demozuges gelaufen. Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) in Münster warnt, dass die Akteure der rechten Partei „eine wichtige Rolle spielen“. 

Das „Keinen Meter“-Bündnis stuft diese Entwicklung als „wenig überraschend“ ein, sehe aber „eine neue Qualität in der offenen Kooperation“. Die wöchentlichen Protestkundgebungen gegen den Aufmarsch der Corona-Verharmloser sollen daher weiter Bestand haben. So findet die nächste Versammlung am kommenden Montag (21. Februar) um 17.30 Uhr zwischen Rathaus und Domplatz statt. Eine Rednerin wird Bibiane Benadio sein, selbst Pflegekraft und SPD-Vertreterin. „Wir setzen unsere montäglichen Kundgebungen fort, weil wir den Aufmarsch (…) nicht widerspruchslos hinnehmen wollen“, erklärt Bündnissprecher Carsten Peters hierzu. „Bei den bisherigen Demos (…) war die Münsteraner AfD stets dabei und lief mit. Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Organisatoren wurde sie toleriert und war fester Bestandteil der Umzüge. Die vermeintlichen Frieden und Freiheit-Spaziergänger bieten der extrem rechten AfD eine Bühne, die sie in Münster sonst nicht bekommen würde.“

Karl-Heinz Kramer und Helmut Birke tragen auf dem Montagsspaziergang ein Transparent. (Foto: Isaak Rose)
Karl-Heinz Kramer und Helmut Birke tragen auf dem Montagsspaziergang ein Transparent. (Foto: Isaak Rose)

Vertreter und Sympathisanten der AfD Münster, hierunter unter anderem Karl-Heinz Kramer (mit einem gelben „Ungeimpft“ Emblem am Hut), der auch nach dem Austritt aus der Partei immer wieder durch einschlägige Posts in den Sozialen Medien aufgefallen war, und Helmut Birke aus dem Bezirksvorstand, waren am Montag mit einem eigenen Transparent und Megafon und in Abstimmung mit der Versammlungsleitung in der ersten Reihe des zweiten Umzuges der Maßnahmen-Kritiker mitmarschiert. 500 weitere Demonstranten folgten ihnen. „Die Partei des Hasses, des Rassismus und der sozialen Ausgrenzung läuft vorneweg und die Corona-Leugner folgsam hinterher“, so Peters weiter. Er ordnet den eigenen Block der extrem rechten Partei ein. „Dies ist in der Tat eine neue Qualität. Die AfD erhält so eine Rolle, die ihr ansonsten in Münster nicht annähernd zukommt. Die Corona-Leugner helfen der AfD, ihren Hass, ihren Rassismus und ihren Antisemitismus in die Mitte der Gesellschaft zu tragen“.

Kramer mit einem gelben "Ungeimpft"-Anstecker am Hut. (Foto: Isaak Rose)
Kramer mit einem gelben „Ungeimpft“-Anstecker am Hut. (Foto: Isaak Rose)

Ausnahmslos bei jedem Montagsmarsch der letzten Monate seien Anhänger der AfD dabei gewesen: nicht versteckt, sondern herzlich empfangen. „Die, die mitlaufen, werden jedes Mal von den Antifaschisten darauf hingewiesen, dass es sich hier um aktive Personen der rechten Szene handelt“, so der VVN-BdA bei Instagram und kritisiert: „Trotzdem können sich entsprechende Personen ohne Probleme und ohne Widerspruch an die Spitze der Proteste stellen.“ Es handele sich hier nicht um Randphänomene, die Akteure würden eine wichtige Rolle bei den Montagsmärschen spielen „und die offensichtliche Speerspitze“ bilden.

Liza Schulze-Boysen vom „Keinen Meter“-Bündnis ergänzt: „Die extreme Rechte ist ein akzeptierter, integrierter, ja willkommener Bestandteil der Szene der Corona-Leugner und nun darf sie vorneweg marschieren. Sicherlich wird auch hier keine Distanzierung erfolgen. Und sollte dazu etwas erklärt werden, werden es die üblichen Worthülsen sein. Das kennen wir zur Genüge. Fest steht: Die Corona-Leugner normalisieren die extreme Rechte in Münster und das werden wir nicht hinnehmen!“

 

Fortgesetzt wird auch die Petition des „Keinen Meter“-Bündnis gegen die „Montagsspaziergänge“ der Corona-Leugner in Münster. Bislang haben bereits mehr als 2600 Personen unterzeichnet.

5 Kommentare

  1. Der erste Kommentar sagt alles.
    Der Artikel hingegen..na ja das übliche Blabla: ,….AFD….rechts….Corona-Leugner…‘

    Wie wäre es denn mal mit einer kritischen Auseinandersetzung darüber warum so viele Menschen jedweder Coleur (tatsächlich dürften 99% so rein gar nichts mit der AFD zu tun haben) jeden Montag spazieren gehen?!

  2. Hallo beisammen,

    als Mitorganisator der Montagsspaziergänge für eine freie Impfentscheidung in Münster möchte ich mich hier zu Wort melden und freute mich über die Veröffentlichung dieser Zeilen im demokratischen Geiste der Für- und Widerrede, lieber noch im offenen Dialog.

    Wir stehen für Grundrechte ALLER Menschen weltweit, für die Würde des Menschen (die unantastbar ist) und eine diskriminierungsfreie Gesellschaft (also gem. Art. 3 GG, auch egal welchen Impfstatuses). Alle Montagsspaziergänger wissen um diesen universalen Ansatz, der sich im Kern mit Verhalten der Gesellschaft und der Haltung und dem Tun des Individuums darin auseinandersetzt – nicht mit Labels. Gleichzeitig haben wir (logischerweise) keine Bühne für Extremisten (ideol. oder rel.), Gewaltbereite oder Antimenschlichkeit an sich zu bieten – das tut und produziert die Welt in der wir uns bewegen leider schon zu häufig.

    Die angebliche Verbrüderung mit (ehemaligen?) Parteipolitikern der parlamentarischen Rechten existiert nicht – auch keine Speerspitze dieser. Dies sind Falschinformationen des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“. Es gibt keine Abhängigkeiten von diesen Gruppen (alle Organisatoren sind entweder parteilos oder bei DIE BASIS), schon garnicht gibt es irgendwelche Absprachen. Das einzige was es gibt sind Gespräche, offener Dialog und Auseinandersetzung auf der Straße (meist, so wie in diesem Fall, ohne die Labels/Parteimitgliedschaften dieser Menschen zu kennen, die anscheinend von anderen bereits bis ins Tiefste versucht wurden zu analyisieren (ohne je mit diesen zu sprechen?)) – so wie wir es eben zu tun pflegen. Sprechen heißt nicht verbrüdern, sondern Bereitschaft zu hören und seine eigene Position darzulegen. Wer sich auf diesem demokratischen Forum friedlich verhält und die Würde und Grundrechte eines jeden Menschen (also JEDER Mensch, egal welche Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Impfstatus…) hoch hält, ist willkommen.

    Corona und Infektionserkrankungen, sowie deren potentiell aber unwahrscheinlichen, schwerwiegenden Verläufe leugne ich ebenso wenig, wie es Antisemitismus/Judenfeindlichkeit auf unseren Demos gibt. Dass zwei (ehemalige?) Akteure einer politisch rechten Partei ein selbst mitgebrachtes Banner mitten im Montagsspaziergang (der später dann der Anfang des zweiten Spaziergangs wurde, nachdem die Polizei die anfängliche Einheit teilte) tragen, heiße ich auch nicht gut – der Spaziergang ist überparteilich und überkonfessionell, da braucht sich niemand zu positionieren. Genausowenig wie diese Verleumdungskampagnen, die aufgrund solcher Beobachtungen (dessen Entstehung vollkommen realitätsfern herbeifantisiert wird) in die Welt gesetzt werden.

    Also Herren und Damen Schreiber von alles Münster, macht euch gerne euer eigenes Bild und fragt uns als Organisatoren doch gerne mal, was wir dazu denken, anstatt sofort jede sensationslüsterne Deutung von Partikularbeobachtungen mit zu befeuern. Das täte unserer Stadtgesellschaft sehr gut – miteinander reden ist besser als übereinander zu glauben, bereits alles zu wissen. So schreibe ich hier, auch im Bewusstsein, dass auf unseren Spaziergängen nicht alles perfekt läuft, doch das kann auch nie der Anspruch sein. Unser Tun und Streben ist im Kern (um es verständlicher auszudrücken) antifaschistisch, auch wenn dies von Anti-Spaziergängern so nicht gesehen werden möchte -> wir richten uns gegen ein autoritäres Staatswesen, gegen Diskriminierung und Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft, gegen den Einfluss multinationaler Konzerne/Akteure auf Medien und Politik und für ein menschorientiertes anstatt profitorientiertes Gesundheitswesen sowie der gesamten politischen Landschaft

    Man fragt sich, woher diese Mythen, welche zu solchen Verleumdungen führen, der angeblichen Anti-Verschwörungstheoretiker immer kommen…Offener Dialog for president, dafür stehen wir seit Mai 2020 auf der Straße (ich selbst schon lange vorher)

    Es grüßt, Björn Wegner

  3. Und wie soll das mit dem Abgrenzen auf die Menschen bezogen genau gehen?
    Soll jeder Mensch seinen Wahlzettel vorzeigen welche Partei er bevorzugt?
    Es ist eine ernstgemeinte Frage? Es kann doch nicht jeder Mensch bekannt sein inwieweit er was politisch wählt oder?
    Sollen dann neben 3 G Regeln auch noch Regeln gelten, nur wer schriftlich beteuert kein Rassist, Neonazi…zu sein, darf mit laufen?
    Soviel zur Freiheit der Menschheitsfamilie…

  4. Leider keine Überraschung.
    Wie sehr kann man wegschauen, dass man das noch ignoriert?
    Wer mitläuft, macht sich mit schuldig.
    Dabei wäre es so einfach, sich deutlich zu distanzieren.
    ‚Wir distanzieren uns hiermit offiziell von der AfD und schließen dessen Mitglieder und Unterstützer von unseren Demonstrationen aus. Ebenso werden wir das keimende Neonazi-Problem in unseren Gruppen transparent und konsequent aufarbeiten.‘
    Pressemitteilung habe ich für euch fertig gemacht. Könnt ihr gerne so verwenden, @Querdenken.
    Dann sind die ‚Nazis raus‘-Banner der Montagsmärschler auch endlich nicht mehr so eine Dreistigkeit.

    Stattdessen wird aber wohl weiterhin gebetsmühlenartig gesagt, dass links und rechts doch nur Richtungen sind und Neonazis OK sind, solange sie der Bewegung zu mehr Reichweite verhelfen.

    Schämen sollten sich die Unterstützer.

  5. Die politische Rechte in Münster wieder hoffähig machen, das ist der Kollateralschaden der Montagsspaziergänger. Hier setzt die Kritik an. Solange es keine Distanz der „Spaziergänger“ von Neonazis und AfD gibt, sorgen sie selbst dafür, mit in die rechte Ecke gestellt zu werden. Wann in der Geschichte hat die politische Rechte für demokratische Freiheiten gekämpft?

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