Nicht der Impfstoff bedroht das Leben Intensivpatienten sind ungeimpft / UKM-Chef Van Aken für 2G-Regelung in Krankenhäusern

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Rufen dringend zur Corona-Impfung auf (v.l.): Prof. Dr. Ralf Schmitz (UKM Geburtshilfe), Prof. Dr. Hugo Van Aken (Ärztlicher Direktor UKM) und Dr. Hans-Albert Gehle (ÄKWL). (Foto: UKM)
Rufen dringend zur Corona-Schutzimpfung auf (v.l.): Prof. Dr. Ralf Schmitz (UKM Geburtshilfe), Prof. Dr. Hugo Van Aken (Ärztlicher Direktor UKM) und Dr. Hans-Albert Gehle (ÄKWL). (Foto: UKM)

Die Situation in den Krankenhäusern sei derzeit noch nicht besorgniserregend, erklärte UKM-Direktor Prof. Dr. Hugo Van Aken am Donnerstag im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz. Aber: Es liegen immer mehr junge Patienten zwischen 23 und 50 Jahren und auch Schwangere auf den Intensivstationen, in Münster aktuell 11. Und: Sie alle sind ohne Impfung. „Diese Menschen sind schwerkrank“, so van Aken. 

Der Trend steige deutlich – deutschlandweit wurden Ende Juli 400 Personen aufgrund von Corona intensivmedizinisch versorgt. Diese Zahl sei inzwischen auf fast 1400 angestiegen. Ebenso habe sich die Anzahl der benötigten Beatmungsplätze im Land auf 750 verdreifacht. Auch wenn bislang in den Kliniken noch keine geplanten Operationen verschoben werden müssen, befürchtet der UKM-Direktor, dass sich dies in den nächsten Wochen wieder ändern könnte. Er bittet erneut: „Lasst euch impfen!“

In den vergangenen Wochen mussten allein im Universitätsklinikum Münster (UKM) zehn schwangere Frauen auf der Intensivstation behandelt werden, wie Prof. Dr. Ralf Schmitz, Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin, betont. Bei zwei von ihnen musste noch vor der 30. Schwangerschaftswoche ein Notkaiserschnitt gemacht werden. Die Frauen seien schwerstkrank gewesen und auch der Einsatz einer ECMO (hier wird das venöse Blut außerhalb des Körpers in einer Maschine mit Sauerstoff angereichert) habe keine Besserung des Gesundheitszustandes herbeigeführt. „Das sind Entscheidungen gewesen, weil man für die Sicherheit von Mutter und Kind nicht mehr garantieren konnte“, so Schmitz weiter und unterstreicht: „Auch in der Schwangerschaft ist eine Impfung sicher, es gibt keinen Grund, es nicht zu machen.“ Täglich erhalte er zahlreiche Anrufe von besorgten werdenden Müttern, die „sehr schlecht informiert“ seien. Schmitz und seine Kollegen seien daher um eine sachliche Aufklärung bemüht. So haben haben schwangere COVID-Patientinnen ein dreiundzwanzigmal höheres Risiko, künstlich beatmet werden zu müssen, als nicht Schwangere. Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), fügt hinzu: „Nicht der Impfstoff bedroht das Leben des Kindes, sondern die Krankheit!“

Nach Ansicht von Kammerpräsident Gehle müssten möglichst bald Drittimpfungen des Klinikpersonals vorgenommen werden. „Auch wenn noch kein Impfstoff für eine Booster-Impfung zugelassen ist, können wir hier nicht länger warten und müssen die Drittimpfungen mit den vorhandenen Impfstoffen beginnen. Ärzte und Pflegende sind sonst potenzielle Überträger und können natürlich auch selbst erkranken, wenn auch mit leichteren Verläufen.“ UKM-Direktor Van Aken wünscht sich vor diesem Hintergrund eine 2G-Regelung für die Beschäftigten im Gesundheitswesen. „Es ist in Ordnung, wenn in der Bevölkerung für Veranstaltungen 3G gilt. Aber unsere Angestellten arbeiten in einem besonderen Umfeld mit sehr vulnerablen Patienten. Diese müssen wir schützen. Eine tägliche Testung ist nicht sicher genug, deshalb müssen die Freiheitsrechte des Einzelnen zumindest für die Beschäftigten des Gesundheitssektors dahinter zurücktreten.“

Wie die Stadt Münster am Donnerstag mitteilte, ist im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist ein weiterer Todesfall registriert worden – eine Frau (85) verstarb. Damit erhöht sich die Zahl der seit Ende März 2020 an oder mit Covid gestorbenen Münsteraner auf 123. Inzwischen sind in Münster mehr als 249.000 Menschen erstgeimpft. Davon sind mehr als 236.000 vollständig immunisiert.

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