„Hinter jeder Zahl steht ein Mensch“ Münsters Bischof Dr. Felix Genn erinnert an Verstorbene der Corona-Pandemie

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Corona
(Symbolbild: Gabi Schoenemann / pixelio.de)

Bischof Dr. Felix Genn hat am Wochenende mit einem Gottesdienst an die Verstorbenen der Corona-Pandemie erinnert. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, hinter jeder Zahl stehen Menschen, die um diese Person trauern, die sich den irdischen Abschied von ihren Lieben so nicht vorgestellt haben“, betonte der Bischof. Der Gottesdienst fand auf Initiative des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) statt, nach der in jedem Mitgliedsland an einem bestimmten Tag in der Fastenzeit Gedenkgottesdienste für die Toten der Pandemie gehalten werden sollen.

Mehr zweieinhalb Millionen Menschen weltweit, darunter über 70.000 in Deutschland, sind bislang im Zusammenhang mit dem Corona-Virus verstorben. „Diese Zahlen übersteigen unsere Vorstellung“, erklärte Bischof Genn am Samstag im St.-Paulus-Dom und berichtete von seinem befreundeten Mitbruder Bischof Johannes Bahlmann aus Brasilien. Dessen Amazonas-Bistum mit der Regionalhauptstadt Manaus gehört innerhalb Brasiliens zu den am stärksten von COVID-19 betroffenen Bereichen. „Bischof Bahlmann steht am Eingang des Friedhofs und segnet die Lastwagen, mit denen die Toten hergebracht werden. So möchte niemand von uns begraben werden“, so Genn weiter.

Der Gedenktag sei wichtig, um bei aller Ungeduld und Unsicherheit über die bestehenden Einschränkungen innezuhalten und für die Verstorbenen – auch über den eigenen Bekanntenkreis hinaus – zu beten. „Aus unserem christlichen Glauben heraus dürfen wir hoffen, dass diese Zahlen bei Gott ein Gesicht bekommen, dass er jeden durch seine universale Liebe bei sich aufnimmt“, sagte der Bischof und weitete das Gedenken auf all jene aus, die „sich bis zur Stunde im Kampf mit der Pandemie befinden“, darunter Erkrankte und ihre Angehörigen, das medizinische und pflegerische Personal sowie Seelsorger und Entscheidungsträger.

Genn warnte außerdem vor einem Impfnationalismus und appellierte an den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Wir sind froh, dass wir so viele Möglichkeiten haben. Innerhalb eines Jahres ist der Impfstoff entwickelt worden“, betonte er und mahnte: „Haben wir schon einmal gedankt für diese Kraft von Forschergeist?“ Nächstenliebe bedeute außerdem, sich noch immer an die Vorgaben zu halten. „Diejenigen, die Skepsis haben, sich impfen zu lassen, lade ich ein, noch einmal zu schauen, ob das nicht ein Akt der Nächstenliebe sein kann, das Risiko einzugehen, um uns gegenseitig zu schützen.“

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