Collien ist eine von 2,2 Millionen Friedliche Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt

An der Mahnwache gegen sexualisierte Gewalt vor dem Rathaus nahmen etwa 60 Personen teil. (Foto: Thomas Hölscher)
An der Mahnwache gegen sexualisierte Gewalt vor dem Rathaus nahmen etwa 60 Personen teil. (Foto: Thomas Hölscher)

Am Sonntagnachmittag fand am Prinzipalmarkt eine friedliche Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt statt. Allzu viel organisatorischen Vorlauf hatte die Veranstaltung nicht – sie wurde erst fünf Stunden vorher bekanntgegeben. Die Organisatorinnnen Mary Sánchez und Kerstin Rinne hatten sich am Morgen spontan dazu entschieden, sich öffentlich mit Collien Fernandes solidarisch zu zeigen.

Die Schauspielerin und Moderatorin hatte in den vergangenen Tagen schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen öffentlich gemacht. Sie schildert, dass über Jahre hinweg unter ihrem Namen Fake-Profile erstellt und intime Inhalte verschickt worden seien. Medienberichten zufolge laufen dazu Ermittlungen in Spanien. Dort lebt sie auf Mallorca und erstattete nach eigener Darstellung auch deshalb Anzeige, weil Frauen dort besser geschützt würden. Ulmens Anwalt, der bekannte Medienanwalt Christian Schertz, der auch Till Lindemann vertritt, weist die Vorwürfe als „unwahre Tatsachen“ zurück.

Solidarität zeigen

„Wir haben uns in den letzten Tagen viele Gedanken darüber gemacht. Und als wir gestern den Post von Collien sahen, in dem sie zur Demo heute am Brandenburger Tor aufrief, dachten wir: Warum machen wir das nicht parallel auch hier in Münster?“ Man wolle Solidarität zeigen und das eben nicht erst nächste Woche, sondern zeitgleich zu Berlin. „Wie wollen ein besseres Gesetz für die nächste Generation und natürlich alle Frauen, die jetzt schon betroffen sind“, erklärt Kerstin Rinne. Konkret bedeute dies, dass „Künstliche Intelligenz“ ins Gesetz aufgenommen werden müsse. Neben einer Dunkelziffer von männlichen Opfern seien insgesamt 2,2 Millionen Frauen in Deutschland von sexualisierter Gewalt betroffen. „Diese Frauen finden weder Schutz noch ein offenes Ohr und sind für immer traumatisiert.“ Die Gefahr, die durch das Internet maximal potenziert wird, werde einem erst bewusst, wenn es einen selbst oder Menschen im näheren Umfeld betreffe – und das sei zu spät.

Leonie Dietz, Mary Sánchez und Kerstin Rinne (vorne, v.l.) hatten zur spontanen Aktion aufgerufen. (Foto: Thomas Hölscher)
Leonie Dietz, Mary Sánchez und Kerstin Rinne (vorne, v.l.) hatten zur spontanen Aktion aufgerufen. (Foto: Thomas Hölscher)

Unterstützung durch „Awareness-Netz NRW“

Leonie Dietz vom „Awareness-Netz NRW“ zeigte sich sofort bereit, die Kundgebung zu unterstützen und auch selbst einen Redebeitrag zu leisten. „Wir möchten heute ein friedliches, aber klares Zeichen setzen, hören zu, wir sehen hin und wir stehen alle zusammen“, begrüßt Mary Sánchez die etwa 60 Teilnehmenden vor dem Rathaus. „Die Politik ist jetzt am Zug, das zu tun, was längst überfällig ist.“

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Dietz vom „Awareness-Netz NRW“ kritisiert: „Es kann nicht sein, dass ein Foto von einer Frau in Chats weitergegeben wird und das keine rechtlichen Konsequenzen hat! Wir fordern Schutz im digitalen Raum!“ Aber nicht nur dort, betont Dietz. „Eine von drei Frauen erfährt in ihrem Leben sexualisierte Gewalt – was muss noch passieren, damit es endlich Konsequenzen gibt?“

Einige der Teilnehmenden hatten entsprechende Schilder mitgebracht. (Foto: Thomas Hölscher)
Einige der Teilnehmenden hatten entsprechende Schilder mitgebracht. (Foto: Thomas Hölscher)

Petition gestartet

Sie sei es leid, dass man seit Jahren nur – mehr oder minder erfolgreich – die Symptome behandle, wenn doch die Ursache für die Problematik längst bekannt sei: das Patriarchat. Den Aufruf zu der heutigen Kundgebung hatten auf Instagram 26.000 Personen gesehen, doch diese Reichweite und damit verbundene Aufmerksamkeit sei nur ein Anfang. Kerstin Rinne hat eine Petition „Gesetze gegen sexualisierte Gewalt im Internet“ ins Leben gerufen und bittet: „Zeigt euch solidarisch – für eure Töchter, Nachbarinnen, eure beste Freundin und eure Enkelinnen in spe – es ist für unsere Zukunft!“

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