Maßnahmenkatalog zur Rassismusbekämpfung RNBeach-Veranstalter spricht mit Betroffenen / Coconut Beach-Betreiber trennt sich von Türsteher

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Ein Maßnahmenkatalog soll helfen, dass sich am Coconut Beach jeder wohlfühlen kann, unabhängig von seiner Hautfarbe. (Foto: Frank Möller)
Ein Maßnahmenkatalog soll helfen, dass sich am Coconut Beach jeder wohlfühlen kann, unabhängig von seiner Hautfarbe. (Foto: Frank Möller)

Nachdem am vergangenen Wochenende ein Schwarzer Mann mit seinen beiden erwachsenen Söhnen bei einer Veranstaltung am Coconut Beach abgewiesen wurde, löste dies in den Sozialen Medien eine Welle der Empörung aus. Nun hat der Betreiber der Location einen „Maßnahmenkatalog zur Rassismusbekämpfung“ erarbeitet und vorgestellt.

Immer wieder kamen in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle ans Licht, zuletzt am Sonntag. Beim „RNBeach Open Air“ am Hafen wurde drei Männern aus Hamm der Zutritt verwehrt, offenbar wegen ihrer Hautfarbe. Mit den Worten „Nein, ihr heute nicht“ wurden Victor Ocansey und seine 19 und 23 Jahre alten Söhne vom Türsteher abgewiesen. Eine Begründung dafür bekam Ocansey nicht – auch nicht vom Veranstaltungsleiter. „Ich spürte die Ablehnung – ein wirklich schreckliches Gefühl, das ich niemanden wünsche“, erinnert sich der Familienvater. Am Montag nahm Thomas Pieper, Geschäftsführer der Dockland GmbH und Betreiber des Coconut Beach Stellung. „Nichts liegt mir persönlich ferner als Rassismus und kaum etwas widert mich mehr an als selbiger. Auch wenn die Veranstaltung heute keine Veranstaltung der Dockland GmbH war, sondern eine Fremdveranstaltung wie jede RnBeach, übernehme ich als einer der Geschäftsführer der Dockland GmbH trotzdem Verantwortung“, schrieb Pieper bei Facebook. Inzwischen habe man sich vom betreffenden Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes getrennt. „Die Person wird nie wieder bei uns an der Tür stehen.“ Zudem werde man in Zukunft das Personal vor jedem Event noch intensiver briefen, dass niemand aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt werden darf.

Der Veranstalter des „RNBeach“ hat sich am Mittwoch mit Victor Ocansey und einem der Söhne zu einem gemeinsamen Gespräch getroffen. “Es ist an diesem Nachmittag bedauerlicherweise alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte“, gibt Philipp Mühlen vom Verantaltungsservice Vibetown in Münster zu. “Die Situation am Einlass hätte ganz anders bewertet und vor allem kommuniziert werden müssen und ich bereue natürlich, dass ich beim Hinzukommen nicht wirklich aufmerksam zugehört und eingegriffen habe. Herr Ocansey und seine Söhne haben kein Kriterium erfüllt, was einen Nicht-Einlass gerechtfertigt hätte.“ Man habe darüber gesprochen, „wie man in Zukunft solche groben Fehler vermeiden und Abläufe und die Kommunikation am Einlass optimieren kann. “Wir müssen und wollen in diesem Zusammenhang besser werden“, verspricht Mühlen. „Ein wertschätzender und diskriminierungsfreier Umgang ist nicht nur unsere Pflicht, sondern auch unser eigener Anspruch. Dieses ist für mich als Veranstalter ein dauerhafter Lernprozess, den ich gerne annehme.“

Victor Ocansey (re.) mit seinen Söhnen Vincent (li.) und Leroy am Coconut Beach. (Foto: Victor Ocansey)
Victor Ocansey (re.) mit seinen Söhnen Vincent (li.) und Leroy am Coconut Beach. (Foto: Victor Ocansey)

„Worten müssen Taten folgen”

Inzwischen hat Beach-Chef Thomas Pieper einen Maßnahmenkatalog zur Rassismusbekämpfung vorgestellt, der für die Zukunft ähnliche Fälle verhindern soll. Zum einen ist ab jetzt die Meldestelle no2racism@dockland.de eingerichtet. Hier können sich Besucher melden, die trotz klarer Türregeln ungerecht behandelt wurden. Außerdem wird jeder Türsteher gut sichtbar eine Kennziffer tragen, über die er identifiziert werden kann. Dies ist allerdings so oder so per Gesetz schon vorgeschrieben. Die Securityleitung am Einlass wird zudem mit Bodycams ausgestattet, die bei Bedarf und Einverständnis aller aktiviert werden. Wiederkehrende Podiumsdiskussionen mit Vertretern von Polizei, Ordnungsamt, Politik, der Sicherheitsfirma und Gästen sollen alte Strukturen aufbrechen und eine dauerhafte Verbesserung ermöglichen. In Kürze soll ein Termin für die erste Veranstaltung „Wir gegen Rassismus – Was können wir besser machen?“ bekannt gegeben werden.

Die Reaktion darauf fallen sehr unterschiedlich aus. „Sehr gute Reaktion. Fehler passieren. Daraus lernen & Dinge besser machen“, schreibt Bastian S. bei Facebook. Ein anderer User betont, dass Rassismus kein Fehler, sondern „ausgeklügeltes, kalkuliertes Verhalten“ sei. Den Punkt der Bodycams sieht Markus L. kritisch: „Dann folgt halt eine Klage der Datenschützer“, Christopher L. hofft, dass das erarbeitete Konzept wegweisend für die Zukunft ist. Gülcan Y. ist wenig zuversichtlich und sich sicher: „Eine Meldestelle richtet man nur dann ein, wenn einem klar ist, dass es weiterhin zu solchen Fällen kommen wird.“

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