Christof von den Wohnraumhelden im Interview

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(Foto: th)
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Du hast uns geschrieben: „Nächtelang gezockt, schon viele Flaschen geleert in Münster” – was hat es genau damit auf sich?

Christof: Ja das ist ein Song von uns, der heißt „Frühstück bis 18 Uhr“ und wir haben jetzt hier in Münster ja schon so einiges hinter uns. Wir waren schon auf der ersten Tour, diese Buchtour damals mit Pandora hier und dann waren wir auch mal in der Blechtrommel. … Da waren schon schlimme Nächte dabei!

Also Münster ist kein unbekanntes Pflaster für Euch?

Christof: Nee, nee.

Wenn wir schon dabei sind: Was gefällt dir an Münster? Oder gefällt es dir überhaupt hier?

Christof: Doch, ich glaube, das Publikum versteht unsere intellektuellen Texte ganz gut hier. Es gibt manchmal so Publikum – also da hab ich nur das Bunkenpublikum, was nur auf die Schlagworte reagiert und es gibt Publikum, das kann auch mal zwischen die Zeilen hören und das geht hier ganz gut. Außerdem hat es mir hier immer Spaß gemacht, also in der Blechtrommel, oder hier auf’m Hafenfest oder wo auch, äh, immer …

Die Blechtrommel, ja. Die kennt nun wahrlich nicht jeder Künstler in Deutschland. Aber die gibt es ja leider nicht mehr.

Christof: Genau, deshalb haben wir auch nicht mehr genug Platz zum spielen, außer das wir hier auf dem Hafenfest jetzt sind, das ist ja super. 

Es gibt aber genug Läden hier in Münster, wo man noch live spielen kann – der Bunte Vogel ist immer eine heiße Adresse.

Christof: Da haben wir auch schon mal gespielt, ja, da haben wir gespielt irgendwann – aber ich weiß nicht mehr, wann.

Aber ihr seid immer nur musikalisch in Münster gewesen oder seid ihr schon privat hier gewesen, dass es Euch hierhin gezogen hätte?

Christof: Nee, ich bin Hannoveraner, hier ist auch zuviel Polizei.

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Wie kommst du darauf?

Christof: Hier ist doch diese Polizeischule. Wir hatten mal Fans, die kamen von dieser Polizeischule.

Ja, wir haben hier eine Polizeihochschule und eine „Polizeikaserne“, aber die tun nichts, die sind da ja einkaserniert. Ihr wart ihr letztes Mal auf dem Hafenfest mit eurer Ape unterwegs – wie kommt man darauf, auf einer Ape zu spielen?

Christof: Also wie entstehen Ideen? Ideen sind ein Raum und dann musst du zugreifen oder eben auch nicht. Krösus hatte dieses Auto und dann hat Andora, unser „Meester“, der bei der ersten Tour auch schon dabei war, diese Ape bemalt und wir haben gesagt: Alter, darauf müssen wir mal spielen und so hat sich das Stück für Stück entwickelt. 

Und damit tingelt ihr jetzt durch die Republik und macht Feste und Festivals unsicher?

Christof: Ja genau, wir hatten letztes Jahr unser Heimspiel mit der Band. 

Heute auf dem Hafenfest in XXL – wer ist die Heldenliga, ich muss ehrlich sagen, ich kannte vorher niemanden davon?

Christof: Das sind Musiker-Kollegen aus Hannover, also Rainer kennt man ja, das ist mein ehemaliger Kollege von Fury am Schlagzeug. Krösus und der Kapitän mit der Bass-Balalaika, Martin Hoch ist einer der renommiertesten Gitarristen, die du in Europa finden wirst und auch einer der besten Fotografen mittlerweile und die Kollegen und die Chormädchen von der Spielvereinigung Linden in Hannover.

Und dann seid ihr mit wieviel Leuten auf der Bühne?

Christof: Ich glaube, mit elf.

Das ist ja dann richtig voll! Habt ihr jemals überlegt, das mit allen Leuten auf der Ape zu machen?

Christof: Nee. Aber wir haben vor zwei Wochen im Osten gespielt und da haben wir zu dritt auf der Ape gespielt. Da war Tobias Künzel von Die Prinzen, der hat Schlagzeug gespielt. Fabian war links, hat gesungen und Bass gespielt. Ich war rechts, also da waren wir zu dritt auf der Kiste. Mal gucken, wieviel wir noch so über die Jahre hinkriegen. 

Spannend. Für die Leser, die es noch nicht wissen – was muss man sich unter Wohnraumhelden vorstellen? Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ihr eine reine Spaßband seid?

Christof: Ja sagen wir mal so, der größte Spaß in meinem Leben, der mir passiert ist, ist dass ich Musik mache. Ich glaube, für mich ist Musik eine große Quelle der Freude und das versuchen wir auch mit unseren Konzerten zu transportieren. Das heißt, wir machen schon richtige und ernstzunehmende Musik, aber das versuchen wir alles mit einem lachenden Auge zu machen, denn traurig sein können viele.

Wenn ich an das letzte Jahr denke, dann ist euch das mehr als gut gelungen. Ich erinnere mich noch, dass die Leute vor Eurer Bühne abgefeiert haben, als ob da eine Schlagerband spielen würde.

Christof: Aber das soll schon Spaß machen und entspannt sein. Ich hab hier einfach Spaß, keinen Lehrauftrag. Das Leben ist gar nicht so kompliziert, man muss es einfach  nur lassen. 

Vermisst du die Zeit mit Fury?

Christof: Also was heißt vermissen? Die sichere finanzielle Basis vermisse ich natürlich manchmal und natürlich ist es auch schön, wenn du irgendwo spielst und hast tausende von Leuten, die lieben deine Lieder und können alle mitsingen. Aber mehr Spaß macht das hier – Das ist es, was am Ende des Tages das Glück bringt. 

(Foto: th)
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Es muss ja schon anders sein, mit einer Band unterwegs zu sein, die über Deutschland hinaus bekannt ist und jahrzehntelang Erfolge hatte und jetzt auf einmal klein und mit einer Ape durch die Gegend tuckern…?

Christof: Ja, wir haben ja eine Botschaft – wir sind ja im Namen der Göttin der Musik unterwegs, wir glauben an eine bessere Welt, wir kämpfen für eine bessere Welt. Und wenn du eine Botschaft hast, dann kannst du nicht immer nur dahin gehen wo es einfach ist, sondern  musst auch manchmal dahin gehen, wo es weh tut. Da, wo alle einer Meinung sind, da brauch man nicht hingehen, da brauchen wir unsere Botschaft nicht zu verbreiten. Und Stadtfeste können manchmal weh tun, das stimmt schon [lacht]! Wir haben das schon x-mal erlebt, da dachte ich auch so: Scheiße, ich würde lieber auf der Hauptbühne stehen, aber nein, dann war das ein Heidenspaß. 

Ist denn irgendwann noch mal was geplant mit Fury?

Christof: Das könnte sein. Also es gibt da so ein Gespräch, vielleicht gibt es in den nächsten 2-3 Jahren mal Neuigkeiten.

Also seid ihr euch alle noch grün?

Christof: Ja, also wir sind keine Feinde und hassen uns nicht.

Ich habe vor zwei Jahren die Wingenfelder im Jovel gesehen und die haben für meinen Geschmack erstaunlich viel Fury-Zeugs gespielt auf ihrer Tour.

Christof: Die reiten das Pferd auch ganz schön … Also sagen wir mal so: Wenn einer das Pferd reiten darf, dann ist es auch Kai. Weil er ist die Stimme von Fury und das ist identifizierbar.

Christoph, vielen Dank für das Interview.

Stephan Günther
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