„Check-In“ mit Corona-Warn-App möglich Neues Update der Smartphone-App des Bundes / Einsatz der „luca“ App wird ausgebaut

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Heute ist die Version 2.0 der Corona-Warn-App erschienen. (Grafik: Bundesregierung)
Heute ist die Version 2.0 der Corona-Warn-App erschienen. (Grafik: Bundesregierung)

Die Corona-Warn-App des Bundes in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut ist um eine Check-in-Funktion erweitert worden. Nutzer können nun im Einzelhandel, bei Veranstaltungen oder privaten Treffen per QR-Code einchecken. Mögliche Cluster können damit erkannt und Infektionsketten zielgerichtet unterbrochen werden. Für das System der „luca“ App soll es in Münster bald eine weitere Nutzungsmöglichkeit geben.

Die neue Version 2.0 wurde am Morgen in den App-Stores veröffentlicht. Mit der neuen Funktion sollen vor allem risikoreiche Begegnungen von Menschen in Innenräumen besser erfasst werden. Bislang wurden nur Personen, die sich für längere Zeit in einem Abstand von zwei Metern oder weniger zueinander befunden haben, als Risikokontakte erfasst. Bei der Analyse von Infektionsketten habe sich aber herausgestellt, dass dies nicht ausreicht, heißt es dazu von der Bundesregierung. In geschlossenen Räumen wie Restaurants, Kaufhäusern oder Kirchen verbreiten sich Luftpartikel auch über größere Entfernungen hinweg. Außerdem seien Aerosole, die von Infizierten ausgeatmet werden, auch dann noch eine Zeit lang in einer gefährlichen Konzentration vorhanden, wenn die Person den Raum bereits verlassen hat. Diese Erkenntnisse werden nun in der neuen App-Version berücksichtigt.

QR-Codes für private Treffen möglich

Für die Erkennung sogenannter Cluster in Räumen, also einer Anhäufung von Infektionen, können die Nutzer durch Einscannen eines QR-Codes einchecken, ähnlich wie bei der Luca App. In der App kann man selber einen entsprechenden Code für private Treffen erstellen und ausdrucken. Hier sind dann alle notwendigen Daten, wie beispielsweise Ort, Datum, Art der Veranstaltung und gegebenenfalls Beginn und Ende hinterlegt. Der Check-In wird auf dem Handy gespeichert und nach zwei Wochen automatisch gelöscht.

Personen, die später positiv auf COVID-19 getestet werden, können ihre Check-Ins über die App teilen und auf den Server der Corona-Warn-App hochladen. Der Server veröffentlicht die entsprechenden Check-Ins dann als Warnungen. Diese werden regelmäßig heruntergeladen und automatisch mit den lokalen Check-Ins auf den Smartphones der anderen Nutzer abgeglichen. Ob Nutzer eine grüne oder rote Warnung erhalten, hängt davon ab, ob sich ihr Aufenthalt mit dem einer infizierten Person überschneidet. Im Kontakt-Tagebuch ist zu sehen, ob es sich bei einer Begegnung mit niedrigem oder erhöhtem Risiko um eine eventbasierte Warnung handelt. Im eigenen Infektionsfall muss der Anwender selbst aktiv werden und sich mit dem Gesundheitsamt in Verbindung setzen.

Noch vor Beginn der Sommerferien soll die App erneut aktualisiert werden und dann auch ein digitales Impfzertifikat anzeigen können. Nach Auskunft der Bundesregierung wurde die Corona-Warn-App bislang mehr als 27 Millionen Mal heruntergeladen.

Als analoges Gegenstück zur „luca“ App dient ein Schlüsselanhänger, der bald auch in Münster verfügbar sein soll. (Grafik: „luca“ / culture4life GmbH)
Als analoges Gegenstück zur „luca“ App dient ein Schlüsselanhänger, der bald auch in Münster verfügbar sein soll. (Grafik: „luca“ / culture4life GmbH)

„luca“ App in Münster bald mit Schlüsselanhänger nutzbar

Um in Münster der Zettelwirtschaft zu entkommen, setzt die Stadtverwaltung weiter auf die „luca“ App. Das System unterstützt den Kontaktdatenaustausch zwischen den Gesundheitsämtern und Gastronomen oder Geschäftsleuten sowie künftig wohl auch Veranstaltern. „Die verschlüsselt übermittelten Daten können nur von Gesundheitsämtern wieder entschlüsselt werden“, erklärte Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, die sicheren Datenwege der App.

Bald soll in Münster auch die Nutzung der „luca“ Plattform ohne Handy möglich sein. Als analoges Gegenstück zur App dient dazu ein personalisierter Schlüsselanhänger. Diese Möglichkeit richtet sich an Nutzer, die kein Smartphone haben und regelmäßig „luca“-Standorte besuchen. Nach der Registrierung, hier hinterlegt der Nutzer seine persönlichen Kontaktdaten und die Seriennummer des Anhängers, kann der QR-Code beim Betreten eines „luca“-Standorts von den Betreibern gescannt werden.

Über die Seriennummer kann der Nutzer im eigenen Infektionsfall, anders als bei der Corona-Warn-App, die hinterlegten persönlichen Daten zusammen mit der Besuchs-Historie an das Gesundheitsamt übermitteln. Dieses kann dann die Check-ins der letzten 14 Tage sehen und diejenigen informieren, mit denen man zeitgleich an einem Ort war. Die Stadt Münster hat in der vergangenen Woche solche Schlüsselanhänger bestellt, wie das Presseamt auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Man rechne mit einer Lieferzeit von zwei bis drei Wochen. Bis dahin werde auch geklärt sein, wie die Verteilung laufen soll.

Kritik an „luca“ App

Die „luca“ App war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten. Der Chaos Computer Club e. V. (CCC), die größte europäische Hackervereinigung, warf den Machern der App zweifelhaftes Geschäftsmodell, mangelhafte Software und Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe vor und fordert das „sofortige Ende der staatlichen Alimentierung“. Die Betreiber der App wiesen die Vorwürfe zurück.

Corona-Warn-App für iOS / Android | „luca“ App für iOS / Android
Thomas Hölscher

Ein Kommentar

  1. Es ist unfassbar, dass Münster weiterhin auf die Luca App setzt: eine App, die schlicht nicht funktioniert und obendrein ein Datenschutzalbtraum ist. Gastronomen und Händler, die immer noch kein Check-in mittels Corona-Warn-App anbieten, müssen weiter mit Papiermüll und Verzögerungen leben.

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