Blosewinds: 10 Jahre maritime Harmonie Interview mit dem wohl kleinsten Shantychor der Welt

Lesezeit: 4 Minuten
Die Blosewinds live (v.l.): Marcel Langenohl, Guido Kolk und Detlef Sult bei einem Auftritt auf dem Hafenfest. (Archivbild: Stephan Günther)
Die Blosewinds live (v.l.): Marcel Langenohl, Guido Kolk und Detlef Sult bei einem Auftritt auf dem Hafenfest. (Archivbild: Stephan Günther)

Eigentlich wollten die Blosewinds ihr 10-jähriges Bandjubiläum ganz standesgemäß im größten Freiluft-Konzertsaal der Stadt im Rahmen der Grünflächenunterhaltung feiern. Dank Corona fällt die Seemanssause in diesem Jahr ein wenig kleiner aus. Wir sprachen mit Marcel Langenohl, Guido Kolk und Detlef Sult über eine Dekade Tüdelkram und Seemannsgarn.

*****

Jubiläum. 10 Jahre. Was sind für euch musikalische und persönliche Highlights, an die ihr euch gerne erinnert?

In 10 Jahren haben wir so viele großartige Sachen erlebt, dass es schwer ist, einzelne Momente herauszupicken. Aber wir versuchen es mal … Unser erstes Privatkonzert in einem Wohnzimmer. Wir haben anlässlich einer diamantenen Hochzeit für ein absolut reizendes Paar gespielt, das sich in Hamburg kennen gelernt hatte. Und ein Benefiz-Auftritt vor ca. 800 Personen im Congress-Saal der Halle Münsterland beim Lebensfest Münster – Gänsehaut! Oder das Holunderblütenfest in Sachsenberg, bei dem der Künstler Frank Bölter ein riesiges Papierschiff mit dem ganzen Dorf gefaltet hat, das dann tatsächlich auf dem Wasser schwamm. Mit uns als Bordkapelle! Ein Tretbootkonzert mitten auf dem Aasee – Und natürlich jeder Auftritt beim Hafenfest in Münster.

Hand aufs Herz. Gab es in all den Jahren auch mal Streitigkeiten?

Höchstens darüber, wer den letzten Rum trinken darf. Und wenn es ums Abbauen geht, leider haben wir immer noch keine Roadies. Ansonsten herrscht bei uns immer auch nach 10 Jahren maritime Harmonie.

So manch einer fragt sich doch ab und an: das flache Münster und eine Shanty-Formation. Wie passt das denn überhaupt zusammen?

Das passt zusammen wie Matjes und Zwiebel: Es gibt einen Hafen, wir haben den Aasee und auf dem Markt gibt es Fischbrötchen, was will das Matrosenherz mehr?

Die drei Shantys 2019 beim 35-jährigen Jubiläum des Kleinen Bühnenbodens. (Archivbild: Tessa-Viola Kloep)
Die drei Shantys 2019 beim 35-jährigen Jubiläum des Kleinen Bühnenbodens. (Archivbild: Tessa-Viola Kloep)

Wenn ihr nicht gerade singt, was tut ihr gerne in eurer Freizeit?

Das ist ganz unterschiedlich, der eine rollt gerne Möpse, der andere bastelt formschöne Muschelketten aus Backpflaumen und der dritte angelt oft am Kanal, am liebsten Schattenmorellen.

Wo verbringt ihr am liebsten euren Urlaub? (Wir würden uns nicht wundern wenn die Antwort “am Meer” lautet… )

Gemeinsam sind wir gerne auf Wangerooge in der Jugendherberge „Westturm“, da sind wir schon öfter aufgetreten.

Klischees. Mit welchen seht ihr euch immer wieder konfrontiert? Und welche lebt ihr gerne?

So junge, hippe Menschen wie uns verbindet man oft nicht mit Shantys, weil dem Genre immer noch eine gewisse Spießigkeit anhaftet. Dabei lieben wir diese Musik, weil sie von Sehnsucht, Freiheit und Freundschaft erzählt. Sie verbindet die Generationen, gerade beim gemeinsamen Singen und Schunkeln.

Lachsbrötchen oder westfälische Küche?

Auf See kann man nicht wählerisch sein, wir essen, was der Smut in der Kombüse uns kredenzt. Wir sind aber keine Kostverächter und haben noch nie ein gutes Buffett ausgelassen.

Die Blosewinds aus Münster - der wohl kleinste Shanty-Chor der Welt - feieren in diesem Jahr 10-Jähriges. (Archivbild: Thomas Hölscher)
Die Blosewinds aus Münster – der wohl kleinste Shanty-Chor der Welt – feieren in diesem Jahr 10-Jähriges. (Archivbild: Thomas Hölscher)

Euer Lieblingsplatz in Münster?

Da müssen wir mehrere nennen… Natürlich der Aasee, ihm haben wir schließlich ein Lied gewidmet. Der Kleine Bühnenboden, weil hier die Blosewinds während eines Theaterstückes, in dem wir drei mitspielten, entstanden sind. Und weil wir in diesem wunderbaren Hinterhoftheater schon über 50 Mal mit unserer Kult-Schau „Fuffzehn Mann auf des toten Manns Kiste“ aufgetreten sind. Dann ist da noch die Wiese an der Promenade / Ecke Kanalstraße, denn dort haben wir vor 10 Jahren unser erstes Konzert gegeben. Warum steht da eigentlich noch keine Statue von uns? Skandalös!

Corona-bedingt fallen viele Termine, bei denen wir euch hätten live erleben können, leider aus. Abgesehen von der Grünflächenunterhaltung – wo können und dürfen wir euch zukünftig live (oder digital?) erleben? 

Wir hatten einen kleinen Auftritt beim Culture Club Münster, den kann man auf Youtube sehen. Dann hoffen wir auf weitere Shows im Kleinen Bühnenboden im Herbst. Und im nächsten Jahr planen wir fest, die ganzen Auftritte nachzuholen, beim Stadtfest, beim Hafenfest, im Kreuzeck… Ach ja, unsere Jubiläumsfeier holen wir natürlich auch nach, mit jeder Menge Rollmöpse und vielen Buddeln voll Rum.

Euer Wunsch für die Zukunft?

Wir möchten natürlich, wie alle Künstler, endlich wieder live vor Publikum spielen. Ohne „Schnutenpulli“ und Abstandsregeln, denn bei unserer Musik muss gesungen und geschunkelt werden, sonst funktioniert das einfach nicht. Und wir wünschen allen Freunden von ALLES MÜNSTER immer eine Handbreit Wasser unnerm Kiel. Ahoi!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.