Münsters einzige Queer-Bar muss weichen Das Blacklight am Bremer Platz schließt im April 2020 und sucht ein neues Zuhause

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Das Blacklight und daneben die städtische Immobilie, die von INDRO e. V. genutzt wird. (Foto: Stephan Günther)
Das Blacklight und daneben die städtische Immobilie, die von INDRO e. V. genutzt wird. (Foto: Stephan Günther)

Was im April 2015 begann, wird nun unweigerlich im April 2020 enden. Nicht aus übersteigertem monetären Interesse, sondern aus großem Idealismus heraus eröffnete Gastronom Stefan Eberle seine Queer-Bar Blacklight nach langem Hin und Her, denn es war schon damals nicht ganz einfach, eine geeignete Lokalität zu finden. Nach der Schließung des “Na und?!” 2013 gab es bis zum Blacklight in Münster praktisch keine gastronomische Anlaufstelle mehr für die schwule, oder besser queere Szene. Nun geht die Suche für Eberle von vorne los.

Von rechts kommt Deilmann, von links rückt das Drogenhilfezentrum INDRO e. V. heran, dazwischen die Blacklight Bar. Deilmann erwarb Medienberichten zufolge unlängst eine ganze Häuserzeile am Bremer Platz. Das Ziel soll eine Aufwertung des Bereiches hinter dem Bahnhof sein, was im Hinblick auf den Bau des Hansatores auch wenig verwundern dürfte. Nachtbars und Szenekneipen passen offenbar nicht in das Bild eines mondän umgestalteten Bahnhofsviertels, eine andere Bar musste bereits umziehen, auch wenn es nur einige Häuser weiter war.

Das Blacklight ist in keiner der Deilmann-Immobilien zuhause, hatte am Ende aber dennoch kaum eine reelle Chance. Hier war es die Stadt, die für den Verein INDRO dringend Räumlichkeiten benötigt. Die bestehenden Räume in der stadteigenen Immobilie nebenan sind mit der Zeit an Ihre Kapazitätsgrenzen gelangt und ein Aus- oder Umbau ist wohl nicht möglich. Das Angebot der Stadt für die Räumlichkeiten des Blacklights konnte Eberle nicht mitgehen. “Die neue Pacht würde einen wirtschaftlichen Betrieb der Bar unmöglich machen”, gibt Eberle ganz realistisch zu Protokoll.

Im Wandel, der Bremer Platz mit seinem Bahnhofsflair. (Foto: Stephan Günther)
Im Wandel, der Bremer Platz mit seinem Bahnhofsflair. (Foto: Stephan Günther)

In der vergangenen Woche wurde es dann offiziell, die Kündigung der Räumlichkeiten zum 30.04.2020 ging ein und jetzt ist man dringender denn je auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Doch der 40jährige gibt sich kämpferisch: “Aufgeben werde ich nicht, ich habe wohlgemerkt nebenberuflich, viel Herzblut in die Queer-Bar gesteckt. Nicht weil ich Geld damit verdienen möchte, sondern weil ich glaube, dass Münster so eine Lokalität fehlt. Bis zum Tag X im April geben wir aber noch Vollgas und freuen uns über jeden Besucher.”

Nun ist er also auf der Suche nach zentrumsnahen Räumlichkeiten, um an geeigneter Stelle weitermachen zu können. 60-100 Quadratmeter sollen es werden, die auch “tageslichttauglich” sind. Eberle will nämlich nicht nur neu eröffnen, sondern auch das Konzept etwas anpassen. Ihm schwebt ein Café mit Abendbetrieb vor, vom Nachtbargedanken hat er sich verabschiedet. Er hat mittlerweile einen öffentlichen Aufruf gestartet, um möglichst schnell Planungssicherheit zu haben. Die Kontaktdaten findet Ihr auf der Homepage des Blacklight.

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Stephan Günther

(sg) - Gründer bei ALLES MÜNSTER
In Münster geboren und aufgewachsen, ist Stephan Günther dieser Stadt bis heute treu geblieben. Zusammen mit Thomas Hölscher brachte er im Frühjahr 2014 das Onlinemagazin „auf die Welt“. Fasziniert von der Vielfältigkeit der Musik, findet man ihn am häufigsten auf Konzerten, meistens hinter einer Kamera, gerne aber auch mit Notizblock und Stift. Ansonsten hält er seine Augen aber auch für alles andere offen, was in seiner Heimatstadt so passiert.

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