Noch etwas mehr Öl ins Feuer gießenKommentar  Satire-Aktion #allesdichtmachen / Schauspieler kommentieren Corona-Maßnahmen

Auch Schauspieler Jan Josef Liefers hat sich mit einem Video an der Aktion allesdichtmachen beteiligt. (Foto: Screenshot / Youtube)
Auch Schauspieler Jan Josef Liefers hat sich mit einem Video an der Aktion #allesdichtmachen beteiligt. (Foto: Screenshot / Youtube)

Seit gestern sorgen rund 52 Videos von Prominenten aus Film, Funk und Fernsehen unter dem Hashtag „#allesdichtmachen“ für Aufsehen. Mit persönlichen satirisch-ironischen Statements kommentieren die Protagonisten, darunter auch Münster-Tatort Schauspieler Jan Josef Liefers, die Corona-Politik der Bundesregierung. „Das Timing für die Aktion ist denkbar schlecht“, meint unser Gastautor Benedikt Brüggenthies, Chefredakteur von „mein-wadersloh.de“, in seinem Kommentar. 

In meinem Bekanntenkreis habe ich viele Künstler:innen. Sie alle sind bisher irgendwie durch die Krise gekommen. Was mir besonders aufgefallen ist: Keiner von ihnen hat lautstark gejammert. Keine Konzerte, keine Auftritte, kein Beifall. Die Bretter, die die Welt bedeuten, stauben in den verrammelten Veranstaltungsstätten vor sich hin. Nach dem Corona-Sommer 2020, der ein bisschen Normalität versprach, hatten sich viele mit der Situation abgefunden. Ja, das kommende Jahr wird besser. Dann bekommen wir das alles in den Griff. Können wieder Musik machen, Theater spielen, Fotografieren.

Ein paar Mutanten und ein paar Tage, Wochen, Monate des „Nachdenkens“ – oder sagen wir einfach: des „zögerlichen politischen Entscheidungsfindens“ – später, sind wir im Monat 13 der Pandemie in Deutschland immer noch im Standby. Während wir alle ein wenig müde, wütend oder „mütend“ sind, wir eigentlich nur noch unsere Ruhe und den erlösenden Impf-Shot haben möchten, fühlt sich eine Handvoll Schauspieler:innen dazu bewogen, uns mit ironischen Videos daran zu erinnern, warum wir eigentlich alle traurig und politikverdrossen sind.

Derzeit ist Wechselwetter im April angesagt. Die dunklen Corona-Wolken drücken am Tag der beschlossen „Bundesnotbremse“ (ein Hoch auf diesen Euphemismus) noch etwas bedrohlicher als sonst auf die Stimmung. Während sich die Menschen zu Hause in Sicherheit bringen (müssen), sagen uns bekannte und beliebte Schauspieler:innen, wie wir uns am besten jetzt verhalten sollten. Man darf ja mal seine Meinung kundtun? Wenigstens DAS wird doch wohl noch erlaubt sein?

Das Timing ist denkbar schlecht. Während wir in vielen Landkreisen unsere nächtlichen Jogging- Runden bis 23:59 Uhr erledigt haben müssen und der Hund auch noch immer nicht versteht, warum Herrchen heute zum siebten Mal Gassi gehen möchte, sagen uns erfahrene und verdiente Künstler:innen, warum wir doch jetzt bitteschön resignieren sollten. Leider auf eine denkbar zynische Art und Weise.

Wie wäre es damit, noch etwas Öl ins wohnzimmerliche Kaminfeuer zu gießen? Aber bitte gerne doch. Willkommen zur Prime-Time! Während mein Bekanntenkreis verzweifelt überlegt, wie der nächste Monat überhaupt überstanden werden kann, Eltern, Kinder, Pflegekräfte am Rande der Erschöpfung sind, sagt mir ein „Tatort“-Ermittler, was ich zu tun oder eben zu lassen habe.

Heute bin ich traurig, aber nicht, weil die Damen und Herren bei #allesdichtmachen mich mit ihrem Schauspiel zu Tränen rühren würden, sondern weil sie ganz bestimmt nicht für die Mehrheit der (Theater-) Schauspieler:innen, Berufsmusiker:innen und Co. sprechen. Und leider kommt auch der Beifall, den sich viele Künstler:innen sehnlichst herbeiwünschen, bei diesem Ironie-Versuch aus der falschen Ecke. Wie wird eigentlich das Wetter am Wochenende: sieht nach #shitstorm aus.

Am Freitagmorgen kommentierte Schauspieler Jan Josef Liefers seinen Videobeitrag. Bei Instagram schrieb er dazu: „Ich setze mich kritisch mit den Entscheidungen meiner Regierung zu SarsCoV2 und Covid 19 auseinander. Besonders wegen der in Kauf genommenen Verluste in Kultur und Kunst und der Veranstaltungsbranche. Auch im jüngsten Video, das ein ironischer Kommentar über Prioritäten von Medien war. Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück.“ (Anm. d. Red.)

Immer wieder ist die Webseite der Aktion down, sämtliche Videos sind aber auch im Youtube-Channel von „allesdichtmachen“ abrufbar.

7 Kommentare

  1. Das sind die Tage, wo man sich wirklich nur schämen kann, Schauspieler zu sein. Fremdschämen für eine Horde Irrer, die ganz sicher nicht am sogenannten „Hungertuch,“ nagen müssen, denn das sieht man doch, dass die sich nocht Botox leisten können. Mensch Liefers, wie dumm war das denn?! Vielleicht sollten mal so ganz nebenbei gesagt, das Zielpublikum Deinen Tatort (nächsten Sonntag), übersehen, ich will ja nicht zum Boykott aufrufen. Da hat sich meine ehemalige Dreh Partnerin schon etwas klüger verhalten, und sich sofort von ihrem Filmchen distanziert. Aber trotzdem, was für einen Shit Ihr da fabriziert habt, das könnt ihr Knallfrösche selber sehen. Von einer Alice Weidel, und den Aluhütchen-Trägern, wie auch den Querdenkern beklatscht zu werden, das ist schon ganz arg….und peinlich obendrein. „Und ist das Kind erst in den Brunnen gefallen…..!“ Jan-Josef Liefers kommt mir tatsächlich so vor, als hätte er sich absichtlich mit naktem Popo in die Brennesseln gehockt, und dann seinen geistigen Müll rausgelassen. Und statt des ewig und drei Tage ausverkauften Klopapier hat „Dr. Boerne“ dann noch mal ne kräftige Hand voll Brennesseln gerupft und sich den Allerwertesten damit abgeputzt. Ich dachte diese Til Schweiger Flüchtlingsheim Planung die ebenso krachend in die Hosen des Nuschlers ging, war mehr als peinlich, für Liefers, weil Sigmar Gabriel und sogar Rita Sußmuth involviert waren. Man sollte vielleicht dem immer sarkastischen, immer zynischen (auch privat) Schauspieler die „Goldene Nervensäge,“ verleihen, denn vielleicht schnallt er es dann, wie absolut idiotisch seine Aktion tatsächlich war und leider ist!

  2. LOL! Wie kann man einen Kommentar eigentlich so dermaßen verunfallen?!?! :D
    Thema verfehlt, Aktion mal so gar nicht verstanden.
    Und dann auch noch der Kommentar zum Beifall aus der falschen Ecke…mega.

    1. „Thema verfehlt, Aktion mal so gar nicht verstanden.“ – Die Message hinter dieser Holzhammer-Satire lässt sich unmöglich übersehen. Ich glaube, der Autor wollte nur zum Ausdruck bringen, dass zwischen „Gut gemeint“ und „Gut gemacht“ manchmal ganze Welten liegen können..

      Ist aber natürlich Geschmackssache. Wer man gerne ein- und denselben „Klein-Fritzchen“-Witz aus Opas Buchregal dutzende Male an Stück liest und das unterhaltend findet, sollte auf jeden Fall Mal in die Clips reinschauen.

  3. Da hat der „Chefredakteur“ von „mein-wadersloh“ wohl nicht begriffen, worum es hier wirklich geht.
    Muss man dieser Position aber auch nicht unbedingt erwarten können.

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