Wenn das Auto vom Fahrrad Starthilfe bekommt Pannenhelfer des ADAC sind in der Fahrradstadt Münster mit dem E-Bike unterwegs

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Ein eher ungewohntes Bild: Starthilfe für das Auto von der ADAC-Leeze. (Foto: Carsten Pöhler)
Ein eher ungewohntes Bild: Starthilfe für das Auto von der ADAC-Leeze. (Foto: Carsten Pöhler)

Die Rushhour mit verstopften Straßen, ein Rückstau wegen des Pannenfahrzeugs, für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrte Wege: All diese und ähnliche Probleme bestehen für die Pannenhelfer auf zwei Rädern nicht. Im September 2020 wurde beim ADAC in Münster für einen Testlauf ein E-Bike mit Anhänger in den Dienst gestellt. Anfang 2021 ist aus dem Test ein Pilotprojekt geworden. Bereits 2019 wurden in Städten wie Köln und Berlin die ersten Pannenhilfe-Bikes auf die Straßen geschickt. Dieses soll nun bundesweit auf alle großen Städte ausgeweitet werden.

Vier ADAC-Pannenhelfer teilen sich das momentan noch einzige Zweirad dieser Art in Münster. „Bei einer positiven Entwicklung hoffen wir, dass wir mindestens noch ein zweites E-Bike auf Münsters Straßen schicken können“, sagt Klaus Overmann, Teamleiter beim ADAC. Pro Tag absolvieren Rad und Fahrer sechs bis zehn Hilfeleistungen. Die Arten der Pannenhilfen sind mit denen der motorisierten Gelben Engel fast vergleichbar. Starthilfen, Fahrzeugöffnungen, Fehlerspeicher auslesen oder auch mal einen Reifen stopfen sind an der Tagesordnung. Wenn aber größeres Gerät zum Flottmachen des Havaristen benötigt wird, schickt die Einsatzzentrale des ADAC nach Abfrage der Pannendetails eines der bekannten gelben Autos. Die Disposition und Einsatzvergabe an die Bikes erfolgt, genau wie auch bei den motorisierten Helfern, über Tablets und GPS-Ortung.

ADAC-Pannenhelfer Markus Ahlers auf dem Weg zum nächsten Einsatz. (Foto: Carsten Pöhler)
ADAC-Pannenhelfer Markus Ahlers auf dem Weg zum nächsten Einsatz. (Foto: Carsten Pöhler)

In dem Anhänger – eine eigens für die Zwecke des ADAC hergestellte Sonderanfertigung – ist sämtliches Material verstaut, das auch in den Autos der Gelben Engel mitgeführt wird. Lediglich auf große Werkzeuge wie einen Rangierwagenheber oder auch Fahrzeugbatterien muss aus Platz- und Gewichtsgründen verzichtet werden. Wegen der stattlichen Zuladung von rund 70 kg verfügt der Anhänger aus Sicherheitsgründen über eine eigene hydraulische Bremse. Der Gesamtpreis des Gespanns liegt bei rund 10.000 Euro. Zwischen 50 und 80 Kilometer legt das Rad während einer Schicht zurück. „Je nachdem wie ich in die Pedale trete, reicht eine Akkuladung für etwa 60 bis 90 Kilometer“, erklärt Pannenhelfer Markus Ahlers. „Zur Not haben wir aber noch einen Ersatz-Akku dabei.“

Der radelnde Gelbe Engel komme bei den Bürgern sehr gut an, sagt Overmann. „Es wird gegrüßt, der Daumen geht hoch und unsere Leute beantworten immer wieder gerne interessierte Fragen.“ Der Personalstamm des ADAC besteht aus guten Allroundern. „Nicht nur technisch, sondern auch menschlich. Eine Fahrzeugpanne ist oft auch eine emotionale Notsituation, mit der der ADAC-Mitarbeiter umgehen können muss“, so der Teamleiter weiter. Neben dem Alltagsgeschäft hat er noch von einem besonderen Einsatz zu berichten. Der Notruf des liegengebliebenen Fahrers kam von der Raststätte Münsterland Ost an der Autobahn A1. „Da unser Bike günstig stand und die Raststätte über einen Wirtschaftsweg angefahren werden konnte, kam es zu einem Einsatz des Fahrrades an der Autobahn. Unser Kollege erzählte nachher von vielen erstaunten Blicken“, weiß Overmann schmunzelnd zu berichten. Das liegengebliebene Fahrzeug konnte behelfsmäßig wieder instandgesetzt werden und die Fahrt fortsetzen.

Carsten Pöhler
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