Wenn die Suppenschildkröte Trompete spielt

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Christian Grothe aka Kryshe vertonte den berühmten Schwarz-Weiß-Film Alice im Wonderland. (Foto: Pressefoto)

Helmut Buntjer steht gestern Abend im Keller und winkt das Publikum in die weißgetünchten Katakomben des Pumpenhauses. Seitlich zwischen einer Leinwand und etwa 30 Stühlen hat Christian Grothe aka Kryshe sein Equipment aufgebaut, Trompete, Gitarre, Computer, Regler, Bogen, Mikrofon. Hier flimmert gleich der Stummfilm Alice im Wonderland nach Lewis Caroll aus dem Jahr 1915 über die Wand.

Die Gastgeber Anja Kreysing und Helmut Buntjer, selbst Musiker, präsentieren in der Reihe schwarzweiß ist die bessere Farbe live vertonte Stummfilmklassiker – am liebsten an ungewöhnlichen Orten. „Das liegt auch an der schlechten Akustik in Kinos“, wie Kreysing erklärt. Buntjer erzählt derweil etwas über den Film und das Wunderkind Lewis Caroll, der bekannt wurde für seine sogenannte Nonsens-Literatur. Natürlich geht es auch um den heutigen Musiker, dessen Musik Kreysing außerordentlich schätzt: „Mir wird immer ganz warm, wenn ich seine Musik höre,“ sagt sie und findet damit die perfekte Überleitung. Denn schon hoppeln riesige weiße Kaninchen auf der Leinwand, geben Grinsekatze, Suppenschildkröte und Herzkönigin sich die Ehre. Je länger Kryshe an den Reglern schiebt, desto mehr gewinnt man den Eindruck, dass Film und Musik untrennbar gekoppelt sind. Dann greift der Musiker zur Trompete, spielt klare Töne, manchmal jedoch auch nur eine Art stöhnen, atmen, das sich zu Musik auswächst. Er baut Samples ein und spielt elektronisch, greift zur Gitarre, deren Saiten er mit einem Bogen spielt. Ganz zum Schluss singt Kryshe sogar, emotional und überraschend. Der Film dauert nur gut 50 Minuten, für damalige Verhältnisse ist das schon lang – doch man wünscht sich eine Fortsetzung, wenngleich die Location für einen Kinoabend nicht ganz glücklich gewählt ist, weil die Zuschauer in den hinteren Reihen nur die Köpfe vor sich sehen. Dies Problem wird es beim nächsten Konzert sicher nicht geben, denn das findet im Kleinen Bühnenboden an der Schillerstraße statt, in dem das Auditorium erhöht sitzt. Am 11. Dezember heißt es dann: Le song d`un poéte mit Musik von Issmich.

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