Zwischen Party und Melancholie Der Berliner Sänger ZARTMANN im Interview mit ALLES MÜNSTER

In seiner Musik lebt ZARTMANN seine Gefühle extrem aus. (Foto: Christian Menz)

Vor seinem Konzert am Freitag traf ALLES MÜNSTER den Berliner Sänger ZARTMANN zum Interview. 

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Deine Debütsingle „2 Blocks“ erschien 2021, aber du hast ja schon viel früher anfangen, Musik zu machen. Wann?

Ich hab schon immer irgendwie Musik gemacht. Ich glaub, Musik machen wir bei mir so ähnlich wie Laufen oder Krabbeln lernen – ich hab immer gesungen, mir immer Songs ausgedacht.

War das für dich von Anfang an klar, dass du Musiker werden möchtest?

Ich wollte Fußballer und Sänger werden und dachte, ich kann das so machen, dass ich Fußball spiele und in der Halbzeitpause singe. Das war mein Traum.

Das mit dem Singen hat ja geklappt. Was ist denn aus dem Fußball geworden?

Ich glaube, ich war nicht gut genug, aber um ehrlich zu sein, hätte ich mich da mehr nicht reinhängen müssen. Um Musiker zu werden, konnte man fauler sein. Das hat mir besser gefallen (grinst).

Schreibst und komponierst du alles selber?

Ja. Ich bin natürlich in einer Gruppe von Menschen im Studio, aber es ist schon so, dass ich Kopf und Motor bin. Und dann sitze ich da mit `nem guten Freund von mir und wir überlegen zusammen, wie man das und das besser machen könnte. Aber die Ideen und so, das alles bin ich. Keine Ghostwriter.

Wird das so bleiben?

Ja. Ich mache Musik nicht nur für Geld und Anerkennung, sondern wirklich, weil ich es gerne mag. Und weil ich es genieße, mein Gefühlsleben in meiner Musik zu verarbeiten.

Der Berliner Musiker singt seit er denken kann. (Foto: Christian Menz)

Mit „Tau mich auf“ bist Du auf Platz 1 der Charts geschossen. Empfindest Du danach nun Druck, an diesen Erfolg anknüpfen zu müssen?

Am Anfang habe ich auf jeden Fall so einen Druck verspürt, so nach dem Motto „jetzt muss ich noch mehr Hits schreiben“. Aber ich habe mir nach „Tau mich auf“ einen kleinen Break genommen – das war eine bewusste Entscheidung. Ich wollte nicht noch einen Hit, nicht noch mehr Erfolg. Ich wollte erstens will ich ein Leben haben und zweitens will ich Musik für die Kunst und nicht den Erfolg machen, selbst wenn es am Ende dann weniger Leute erreicht.

Wie fühlt es sich an, wenn du von heute auf morgen in ganz Deutschland bekannt bist?

Ganz so von heute auf morgen war es nicht. Ich würde mal sagen, das hat sich in einem Zeitraum von einem Jahr abgespielt, also vom ersten Mal erkannt werden bis zu Schwierigkeiten beim Einkaufen. Das ist aber ein Teil, auf den ich am ehesten verzichten könnte. Weil es natürlich sehr einschränkt und sehr viel verändert zwischenmenschlich. Aber am Ende ist auch alles gut so wie es ist.

Ich befinde mich dauerhaft in der Aufarbeitung, indem ich mir auch einfach Zeiten für mich nehme, über Dinge nachzudenken und zu reflektieren und das hilft mir sehr. Ich versuche einfach, irgendwie trotzdem mein Leben weiterzuführen. So wie es auch vielleicht vorher war. Nicht nur der Künstler Zartmann zu sein, sondern selber auch ein schönes Leben zu haben.

Dein Privatleben ist relativ gut behütet, aber deine Songs scheinen sehr persönlich und autobiografisch. Wie gelingt dir dieser Kontrast, dich in den Lyrics so zu öffnen, aber deine Privatsphäre dennoch zu schützen?

Ich habe mir da irgendwie nie so Gedanken darüber gemacht, weil ich Musik zum Verarbeiten von Dingen mache und Musik bei mir einfach über Emotionen funktioniert.

Aber es gibt ja auch Songs, wo ich nicht da sitze und denke „Wow, jetzt empfinde ich so viel.“, sondern die machen einfach Spaß. Aber bei den meisten Songs, die wirklich aus mir rauskommen, ist es irgendwie ein ganz normaler Prozess, darin über persönliche Erfahrungen und mein Gefühlsleben zu sprechen. Und ich denke mir dann, wenn ich das dort schon so ausführlich tue, muss ich jetzt nicht noch in der Öffentlichkeit irgendwelche Sachen von mir erzählen, die super privat sind. Es ist es vielleicht auch das Schöne, dass man nicht alles weiß, weil es gar nicht so spannend und bedeutungsvoll ist wie manche vielleicht glauben.

Und dazu ist natürlich auch einfach mein Privatleben am schönsten wenn es privat ist. Ich denke mir einfach, es gibt viele Sachen, die kann ich zeigen, über die rede ich und dann weiß ich aber, es gibt `nen Teil, der gehört nur mir, das ist mein Wissen, und ihr vielleicht noch das Wissen meiner Freunde und Familie. Und da soll es auch bleiben. Das ist mir einfach wichtig.

Am Freitagabend spielte ZARTMANN auf dem Domplatz.(Foto: Christian Menz)

In deinen Songs steckt viel Verletzlichkeit und Schmerz. Würdest du sagen, du bist ein melancholischer Mensch oder schreibst du einfach mehr oder bessere Songs, wenn es dir gerade nicht gut geht, du beispielsweise Liebeskummer hast?

Ich bin der Melancholie an sich nicht abgeneigt, würde ich sagen. Ich war schon immer auch irgendwie so, dass ich auch mit mir selbst in Episoden zu kämpfen hatte und mit Dingen um mich herum. Aber es ist jetzt nicht so als würde ich da irgendwie traurig zu Hause sitzen. Es gibt in meinen Songs ja auch diese Momente, wo es sehr fröhlich ist und ich Party mache. Es gibt beide Seiten und beide können sehr extrem ausgelebt werden.

Apropos „Party“. In „Mama“ erzählst Du ihr „keiner meiner Freunde nimmt mehr Drogen“…in vielen anderen Liedern singst Du über Drogenkonsum. Hört Deine Mutter Deine Songs und hattest Du zuhause deswegen Diskussionen?

Ich glaube, dass meine Mutter mir da grundlegend vertraut und auch weiß, ein gewisser Konsum ist ja auch in Ordnung, so lange es in Maßen ist. . Und sie hat ja eh keinen Einfluss darauf. Sie hört meine Songs, oft auch schon vor Veröffentlichung und dann kommt auch `mal „das kannst du so nicht sagen!“ – und manchmal höre ich darauf und manchmal nicht.

Aber während du die Song schreibst denkst du nicht darüber nach, was würde Mama denken oder Oma oder Papa?

Nee, weil ich glaube, meine Eltern sind sehr stolz auf mich und niemand denkt, der Junge ist jetzt völlig hinüber und so. Ist ja auch nicht so, dass meine Musik von einem einzigen Drogensumpf handelt. Es ist so wie es halt auch im wirklichen Leben ist: Ab und zu findet das mal statt und ich glaube, in dem Rahmen ist es für mich und alle Beteiligten in Ordnung.

ZARTMANN verarbeitet in seinen Texten seine persönliche Gefühlswelt. (Foto: Christian Menz)
ZARTMANN verarbeitet in seinen Texten seine persönliche Gefühlswelt. (Foto: Christian Menz)

Welche Musik hörst du privat, wer inspiriert dich?

Die jetzt alle zu nennen würde den Rahmen sprengen, glaube ich. Im Moment höre ich viel Nina Simone. Ich mag Jazz sehr gerne. Und das Album „Untitled“ von Kendrick läuft gerade oft bei mir. Es gibt aber natürlich unzählige Musikrichtungen, die ich höre.

Wann können die Fans mit einem neuen Album rechnen?

Ich wollte eigentlich dieses Jahr ein Album `rausbringen. Das habe ich auch ganz groß beim BAMBI angekündigt, weil ich mir absolut sicher war. Das wurde auf jeden Fall nichts, weil ich mich so ein bisschen überschätzt habe. Ich dachte, ich könnte, nachdem wir Anfang des Jahres die Tour gespielt haben, danach das Album schreiben, habe dann aber gemerkt, ich brauche eine Pause und sie mir genommen. Dann ging aber die Festivalsaison los und wir spielen seit Mai jedes Wochenende 2, 3 Tage auf Festivals.

Dazwischen wird natürlich immer mal Musik gemacht, aber man muss ja irgendwie auch sein Leben auf die Reihe bekommen und andere Sachen organisieren. Und einen Label-Wechsel hatten wir auch noch dieses Jahr. Und deswegen wird dieses Jahr kein Album mehr kommen, aber es wird trotzdem im September eine große Sache passieren, auf die sich die Fans freuen können.

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