Zwischen Fußball, Comedy und Chanson-Satire Die Adam Riese-Show hatte Simon Scherder vom SC Preußen Münster, Pianist und Komponist Benedikt Eichhorn sowie Comedian Maxi Gstettenbauer zu Gast

Adam Riese (hinten) wies seine Gäste Maxi Gstettenbauer, Simon Scherder und Benedikt Eichhorn in das nächste Spiel ein. (Foto: Thomas Steiner)
Adam Riese wies seine Gäste Maxi Gstettenbauer, Simon Scherder und Benedikt Eichhorn in das nächste Spiel ein. (Foto: Thomas Steiner)

Tiefgründig-ernst und hochgradig-heiter ließen die Talkgäste von Münsters Kultplauderer in ihr Leben blicken. Adam Riese hatte am Sonntagabend drei Charakterköpfe aus Sport, Kultur und Comedy auf das Talksofa gebeten: Simon Scherder vom SC Preußen Münster, Pianist und Komponist Benedikt Eichhorn sowie Comedian Maxi Gstettenbauer plauderten sich in die Herzen des Publikums und gaben Einblicke in die Brillanz ihres Könnens.

Simon Scherder, den seine Fans als „Fußballgott“ feiern, versuchte den „in Sachen Fußball komplett untalentiert und ahnungslosen“ Moderator kleine Grundzüge des Fußballs nahezubringen. Die Ahnungslosigkeit wurde getoppt von Jens Heinrich Claasen, Comedian und Showassistent, der „jedem auf dem Feld einen Ball geben würden, damit alle was zum Spielen haben.“

Drei Kreuzbandrisse haben die Geduld von Simon Scherder auf eine ziemlich harte Probe gestellt. Seinen Humor hat der Innenverteidiger dabei allerdings nie verloren. (Foto: Thomas Steiner)
Drei Kreuzbandrisse haben die Geduld von Simon Scherder auf eine ziemlich harte Probe gestellt. Seinen Humor hat der Innenverteidiger dabei allerdings nie verloren. (Foto: Thomas Steiner)

Schnell ergab sich, warum Spitzenkicker Scherder, Innenverteidiger des SC Preußen Münster, Publikumsliebling und Identifikationsfigur der Preußen-Fans ist. Im Talk strahlte er mit jeder Körperzelle bodenständigen Optimismus aus, in zwanzig Jahren als Preußen-Kicker hat der 33-Jährige die Rückschläge und Triumphe erlebt. Selbst die erneute Kreuzbandverletzung nahm er sportlich und ließ in die mentale Power eines Leistungssportlers beim Reha-Sport blicken. Sein Opa dagegen landete mal im Krankenhaus, als Scherder ihm als Knirps einen Ball heftig gegen das Schienbein schoss. Riese entlockte dem Fußballer ebenso dessen Begeisterung für den Schlager.

Natürlich durfte auch ein Stück Fußballgeschichte nicht fehlen: Riese zeigte einen Filmausschnitt von Scherders legendärem Tor gegen Wattenscheid in der 95. Minute.

Rockstar, Gefängnis und Empire State Building

Herrliche Geschichten hatte auch der preisgekrönte Pianist und Komponist Benedikt Eichhorn im Gepäck. Am Klavier vereinte er Chanson mit Satire, musizierte virtuos gemeinsam mit der Showband „Markus Paßlick und seine Original Pumpernickel“ und improvisierte mit Sängerin Nikola Materne. Schnell war klar, warum er mit dem Duo „Pigor und Eichhorn“ Kultstatus im ganzen deutschsprachigen Raum genießt. Sogar mit dem renommierten Preis „Salzburger Stier“ wurde die wegweisende Arbeit im Chanson- und Kabarett und die Erfindung des „Salon Hip-Hops“ gewürdigt.

Benedikt Eichhorn komponiert Musicals, sang aber bei Adam Riese seinen Song namens „Ich hasse Musical“. Das Publikum hat’s gefreut. (Foto: Thomas Steiner)
Benedikt Eichhorn komponiert Musicals, sang aber bei Adam Riese seinen Song namens „Ich hasse Musical“. Das Publikum hat’s gefreut. (Foto: Thomas Steiner)

Der gebürtige Coesfelder hatte jede Menge Geschichten im Gepäck, auch aus seiner Zeit als – in den Augen der Eltern – jugendlicher Rebell mit dem Berufswunsch „Rockstar“, seiner Leidenschaft für Musik schon als Kind und studentischem Leben in Essen. In Sachen Bildungsdurst stand er allerdings seinen Eltern in nichts nach. Als Student hatte Benedikt Eichhorn sogar das Privileg, durch Münsters Knast in der Gartenstraße zu spazieren. Sein Onkel fungierte als Gefängnisdirektor und verschaffte seinem Patensohn erstaunliche Begegnungen mit Gaunern und sogar mit einem ausgesprochen freundlichen Betrüger mit der Erkenntnis: Freundlichkeit ist die Voraussetzung für Betrug.

Mit seiner Frau, Alice Köfer, die ebenfalls Musikerin und Kabarettistin, lebt Eichhorn in Berlin. Mit seinem Heiratsantrag trieb er es auf die Spitze: Das Empire State Building in New York war der Ort, wo seine Alice „Ja“ sagte.

Ein kniffeliges Quiz hatte sich der Talkmaster für den Komponisten ausgedacht, weil der mal Geschichte studiert hatte. Wer hätte das geahnt, dass 1972 im damals noch ausgesprochen katholischen Münster Deutschlands erste Schwulendemo stattfand.

Vom Dorf in Bayern auf die Comedybühne

Der bayrische Comedian Maxi Gstettenbauer fühlt sich im Münsterland pudelwohl, wo er seit einem Jahr mit seiner Familie lebt. (Foto: Thomas Steiner)
Der bayrische Comedian Maxi Gstettenbauer fühlt sich im Münsterland pudelwohl, wo er seit einem Jahr mit seiner Familie lebt. (Foto: Thomas Steiner)

Maxi Gstettenbauer, TV-Star aus zahlreichen Comedy-Formaten, brachte die Menschen mit größter Leichtigkeit zum Lachen. Offenherzig blickte er mit Adam Riese auf seine Karriere und die Kunst, ein Stand-up-Comedian zu werden und zu sein. Mit gerade einmal 22 Jahren trat Gstettenbauer in San Francisco sogar bei einer Show mit Robin Williams auf. Riese hatte einen entsprechenden Filmausschnitt parat. Charmant knüpfte der Comedian hier an, um über seine Begegnung mit Robin Williams zu sprechen, die ihn bewegt hat und die Größe der amerikanischen Stand-up-Comedy zeige. Gstettenbauer erzählte, wie er als Kind im bayrischen Schwarzach aufwuchs, Hotel und Café seiner Eltern waren sein Wohnzimmer. Als Schüler musste er Gesprächen der Stammgäste lauschen, die nicht für Minderjährige bestimmt waren und hatte damit seine Grundausbildung als Moderator und Comedian schon absolviert.

Mit Leichtigkeit bringt er die Menschen zum Lachen, mit ebenso großer Selbstverständlichkeit und Humor öffnet er Türen zu schweren Themen. Mucksmäuschenstill war es im Saal, die Menschen hingen an den Lippen Gstettenbauers, als er über seine Depressionen sprach und seinen Weg dahin, dies öffentlich und anderen Betroffenen Mut zu machen.

Eine Nachricht dürfte allerdings so manchen im Publikum verblüfft haben: Gstettenbauer lebt seit dem vergangenen Herbst mit seiner Familie bei Coesfeld. Also ausgerechnet dort, wo auch Benedikt Eichhorn seine Kindheit verbracht hat.

Wenn „Er steht im Tor“ zum Bossa Nova wird

Nikola Materne wiederum hatte sich musikalisch ganz auf den Fußballgast Scherder eingestellt. Sie begeisterte das Publikum unter anderem mit Udo Lindenbergs „Bodo Ballermann“ und verwandelte gemeinsam mit Showassistent Jens Heinrich Claassen „Er steht im Tor“ kurzerhand in eine Bossa-Nova-Nummer. Claassen überzeugte in dieser Show einmal mehr mit seiner verschmitzten Art und hatte die Sympathien des Publikums schnell auf seiner Seite.

Maxi Gstettenbauer, Simon Scherder und Benedikt Eichhorn mussten erraten, was das Publikum da so zwitscherte und summte. (Foto: Thomas Steiner)
Maxi Gstettenbauer, Simon Scherder und Benedikt Eichhorn mussten erraten, was das Publikum da so zwitscherte und summte. (Foto: Thomas Steiner)

Zu den Höhepunkten gehörte das Musikratespiel, das Nikola Materne kurz vor Beginn der Show gemeinsam mit dem Publikum einstudiert hatte. Die Menschen im Saal summten „Völlig losgelöst“ oder „Forever Young“, während die Talkgäste herausfinden mussten, um welche Songs es sich handelte.

Nächste Runde im November

Die nächste Adam Riese Show steht bereits vor der Tür. Am 22. November 2026 begrüßt der Gastgeber erneut illustre Gäste: den mehrfachen Speerwurf-Weltmeister Mathias Mester, TV-Schauspieler Stephan A. Tölle und Slam-Poetin Jule Weber.

Wer dabei sein möchte, bekommt Eintrittskarten unter anderem auf der Homepage der Friedenskapelle.

Gastbeitrag von Christa Farwick

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