Zweite Chance für eine Ikone der Skulptur Projekte Bruce Naumans „Square Depression“ kehrt zurück, schafft es aber wohl nicht rechtzeitig zu den nächsten Skulptur Projekten

Bruce Naumans "Square Depression" am ursprünglichen Standort. (Foto: Bührke)
Bruce Naumans „Square Depression“ am ursprünglichen Standort. (Foto: Bührke)

Eines der eindrucksvollsten Kunstwerke der Skulptur Projekte könnte schon in wenigen Jahren sein Comeback feiern: Für Bruce Naumans begehbare Betonskulptur „Square Depression“ suchen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Universität Münster derzeit einen neuen Standort auf dem Universitätscampus. Für die nächsten Skulptur Projekte wird es zu knapp, aber mit Verspätungen kennt sich die Skulptur aus.

Die 25 mal 25 Meter große Negativpyramide gehörte zu den Publikumsmagneten der Skulptur Projekte 2007. Tausende Besucher stiegen in die 2,3 Meter tiefe Betonskulptur hinab und erlebten eine ungewöhnliche räumliche Perspektive: Am tiefsten Punkt der Anlage reichte der Blick für die meisten Besucherinnen und Besucher kaum noch über den Rand, inmitten des geschäftigen universitären Umfelds war man plötzlich mit sich allein. Trotz seiner Popularität wurde die Installation 2020 abgebaut, weil auf dem Gelände ein neues Gebäude des Fachbereichs Physik entstehen sollte.

2020 beendeten Abrissbagger die nur 13-jährige Geschichte der monumentalen Skulptur. (Foto: Bührke)
2020 beendeten Abrissbagger die nur 13-jährige Geschichte der monumentalen Skulptur. (Foto: Bührke)

Die Geschichte des Werks reicht bis in die Anfangszeiten der Skulptur Projekte zurück, Bruce Nauman hatte die „Square Depression“ bereits für die erste Ausgabe 1977 entworfen. Damals scheiterte die Umsetzung, obwohl der vorgesehene Standort derselbe war wie drei Jahrzehnte später. Erst 2007 konnte die monumentale Skulptur nach den ursprünglichen Plänen des Künstlers realisiert werden. Nach dem Abriss 2020 war klar, dass das Werk wieder aufgebaut werden soll, allerdings nicht irgendwo, sondern in enger Absprache mit dem inzwischen 84-jährigen Künstler. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, welcher Ort auf dem Campus diesen Anforderungen gerecht wird. Für Nauman ist der Standort kein beliebiger Ausstellungsort, sondern Teil des Kunstwerks. Seine Arbeiten entstehen erst im Zusammenspiel von Raum, Werk und den Menschen, die sie betreten. Nicht das Objekt allein steht im Mittelpunkt, sondern die körperliche Erfahrung des Betrachters. Diese Haltung zieht sich durch sein gesamtes Schaffen. Ganz allein steht Nauman mit dieser Einstellung nicht, auch Richard Serras Stahlskulptur „Fassbinder“ im Hof des Bibelmuseums zum Beispiel lebt davon, entdeckt, begangen und erlebt zu werden.

Das Erleben des Raums

Im Gespräch mit der ZEIT sagte Nauman 2004 über seine Kunst: „Am liebsten ist es mir, wenn sie uns kalt erwischt, wie ein Schlag ins Genick.“ Kunst solle den Betrachter unmittelbar treffen und seine Wahrnehmung verändern. Gerade deshalb entwickelte sich die „Square Depression“ in Münster zu einem der beliebtesten Kunstwerke der Ausstellung: Die Skulptur erschließt sich nicht durch das bloße Betrachten, sondern erst durch das Hinabsteigen und das Erleben des Raums. Seit 2009 gehört die „Square Depression“ zur öffentlichen Sammlung der Skulptur Projekte. Sollte der Wiederaufbau gelingen, würde eines der prägendsten Werke der Geschichte der Skulptur Projekte nach Münster zurückkehren – an einen neuen Standort auf dem Universitätscampus. Die Geschichte der Skulptur ist damit selbst außergewöhnlich: Bereits 1977 von Bruce Nauman für die ersten Skulptur Projekte entworfen, konnte sie erst 2007 realisiert werden. Nach ihrem Abriss im Jahr 2020 könnte sie nun ein zweites Mal entstehen – eine Werkbiografie, die in der Geschichte der Skulptur Projekte ihresgleichen sucht.

Möchtet ihr die vielen Skulpturen Münsters mit dem Rad oder zu Fuß erkunden? Dann empfehlen wir euch diese drei Touren. Viel Spaß!

Radtour „Tour Skulptur“

Stadtrundgang „Was vom Tage übrig blieb“

Stadtrundgang „Nicht nur Skulptur Projekte“

 

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