
Zwei eng miteinander verbundene Münsterländer Originale, Tons (Tönne) Vormann und sein geliebtes Möppkenbraod, werden häufig und gerne in den Wintermonaten gemeinsam vorgestellt: der urwüchsige Münsterländer Tönne Vormann und die von ihm so sehr geschätzte, herzhaft deftige Pann vull Möppkenbraod (Pfanne voll Wurstebrot), deren Lied er inbrünstig mit seiner Laute begleitete.
Zunächst Tönne Vormann

Er wurde am 24. November 1902 auf einem Bauernhof bei Münster geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und der Höheren Schule begann er eine Lehre als Konditor in der Bäckerei und Konditorei Grotemeyer in Münster. Danach studierte er an der Münsterischen Kunstgewerbeschule, am Lehr- und Versuch-Atelier für angewandte und freie Kunst – Wilhelm von Debschitz (Debschitz-Schule) in München und an der Berliner Akademie, wo er bis 1932 für den Ullstein Verlag arbeitete. Im Krieg war er Berichterstatter in Frankreich und Russland. Vielseitig interessiert betätigte er sich nicht nur als Maler und Radierer, sondern auch als Hörspielsprecher, Schriftsteller und als Musiker. In seinem Repertoire befinden sich Bilder aus verschiedensten Themenbereichen: Strand und Meer, Landschaft und Natur, Freizeit und Sport, Zweiter Weltkrieg und Bühnenbilder. Back to the roots.
Nach dem Krieg lebte Tönne Vormann wieder in Münster-Wolbeck. Er schrieb ab 1951 unter anderem für die Westfälischen Nachrichten. In dieser Zeit komponierte und sang er in plattdeutscher Sprache für den Rundfunk. Die bekanntesten Lieder sind „Mien Mönsterland“, „Burlala“, „Dat Pöggsken“ und natürlich „Dao mi män Möppenbraod“. Für seine „Verdienste um die Pflege des westfälischen Brauchtums und der Förderung der plattdeutschen Sprache in Wort und Lied“ erhielt Tönne Vormann am 25. April 1983 das Bundesverdienstkreuz. Am 5. November 1993 verließ er diese Welt. Er wurde auf dem Wolbecker Friedhof beigesetzt. An ihn erinnert der Tönne-Vormann-Weg in Münster-Wolbeck.
Und nun das Möppkenbraod
Aus dem plattdeutschen Möppkenbraod wurde im Münsterland das hochdeutsche Möpkenbrot. In der Stadt Münster nennt man es nobler formuliert Wurstebrot. Jedoch die Grundrezeptur ist geblieben. Je nach Region wird die Blutwurstspezialität mit Weizenmehl (Kreise Beckum und Warendorf) oder Roggenschrot (Kreise Coesfeld und Steinfurt) zubereitet. Die Teigmasse wird in eine ca. 10 cm Durchmesser und ca. 25 cm lange Wursthülle gefüllt und anschließend rund eine Stunde in heißem Wasser gekocht. Anschließend muss die Wurst dann einige Tage trocknen, bis sie in Feinkost-Fleischereien und Lebensmittelmärkten angeboten wird. Bei Discountern sucht man Wurstebrot vergebens.
Die Rezeptur

Für die klassische Pfanne Möpkenbrot braucht es nicht viele Zutaten: etwas Schmalz und Grieben, darauf in kleine Scheiben geschnittenes Möpkenbrot, darüber ungeschälte säuerliche Äpfel kleingeschnitten und das Ganze nur leicht anbraten und garen lassen. Gegessen wurde es in alten Zeiten von der Tischgemeinschaft direkt aus der auf der Tischmitte stehenden Pfanne. In der Landwirtschaft aß man es in der ganzen Winterzeit allmorgendlich als zweites Frühstück, erst dann, wenn das Vieh versorgt war. „Möpkenbrot, der Knechte Tod“, seufzte das Gesinde.
Lange Zeit war das Image dieser rustikal deftigen Speise stark zweigeteilt. Einige verging der Appetit, wenn sie nur die zubereitete Speise sahen, andere schlugen sich damit buchstäblich den Bauch voll. Inzwischen ändert sich der Trend. Weil es in immer weniger Geschäften Möpkenbrot zu kaufen gibt, wird es zur Rarität, zu etwas Besonderem. Das weckt Begehrlichkeit. Gleichzeitig haben sich verschiedenste Zubereitungen entwickelt. Von in Scheiben mit Rübenkraut gegessen, über eine gebratene heiß auf eine Scheibe Vollkornbrot gelegt, bis hin zu Möpkenbrot-Canapés mit Chutney kommt es beim Flying Dinner wieder in aller Munde.
Gäbe es Tönne Vormann noch, er würde wieder seine Laute nehmen. Er würde schmunzelnd singen: „Söüste? Möppkenbraod mäk Backen raut.“ (Siehst du? Wurstebrot macht Wangen rot.)
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Wurstebrot und Leberbrot gab es bei uns auch immer mit gebratenen Äpfeln, das war ein beliebtes Winteressen. Das Töttchen könnte mein Vater alleine essen, das wollte sonst niemand 😄