
Mit Fotos, Redebeiträgen und Musik machte die Initiative „Frau.Leben.Freiheit“ am Samstag, 7. Juni, in der Stubengasse auf die Situation von politischen Gefangenen sowie auf Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam.
Zunächst wirkte die Stubengasse wie an jedem anderen Samstagnachmittag. Menschen gingen einkaufen, saßen in Cafés oder waren auf dem Weg durch die Innenstadt. Aber an diesem Tag lagen dort viele Fotos von iranischen Kindern und Jugendlichen auf dem Boden. Daneben Plakate, die dazu aufriefen, für die Menschen im Iran und ihre Freiheit aufzustehen und eine Stimme zu sein. Der Wind sorgte immer wieder dafür, dass Fotos und Plakate verrutschten. Mehrfach blieben Passanten stehen, legten sie zurück an ihren Platz und hielten einen Moment inne.

In den Redebeiträgen ging es um politische Gefangene, Menschenrechte und die Situation im Iran. Shouresh Shakibapour, eine der Organisatorinnen und Organisatoren der Kundgebungen, betonte, dass die Forderungen der Initiative unabhängig von politischen Überzeugungen seien. „Freiheit ist keine Frage der Ideologie und Menschenrechte sind keine Frage der politischen Zugehörigkeit. Wir erheben für jeden politischen Gefangenen die Stimme“. Mit Blick auf internationale Gespräche ergänzte sie, „Diplomatie darf kein Vorwand sein, Menschenrechte zu ignorieren. Wenn verhandelt wird, dürfen die politischen Gefangenen nicht vergessen werden. Die Freiheit der Menschen muss Teil jeder einzelnen Verhandlung sein.“
Auch Olaf Götze, Mit-Organisator der Kundgebung, verwies auf die Bedeutung gesellschaftlicher Bewegungen im Iran und deren Rolle bei Protesten und Veränderungsprozessen. „Auch Sportlerinnen und Sportler werden unterdrückt, weil das islamische Regime nicht will, dass etwas höher steht als die religiöse Ideologie. Sportlerinnen und Sportler schöpfen ihre Kraft nicht aus einer höheren Macht, sondern aus sich selbst. Sie können Vorbilder für andere sein“, so Götze. Zwischen den Redebeiträgen erklang iranische Musik. Währenddessen blieben immer wieder Menschen stehen, beobachteten das Geschehen oder suchten das Gespräch mit den Teilnehmern.
Zum Ende der Kundgebung wurde das Lied „Wir stehen auf“ gespielt. Darin heißt es: „Hand in Hand“, „Schulter an Schulter“ und „Ihr bekommt unsere Würde nicht“. Shakibapour stellte sich vor die ausgelegten Bilder und sang leise mit. Nach und nach traten weitere Menschen zu ihr. Erst einzelne, dann immer mehr. Sie nahmen die Hand der Person neben sich, bis schließlich alle miteinander verbunden waren. Es war zu spüren, dass sie sich gerade machten für die Menschen im Iran.

Wenig später wurden die Fotos wieder eingesammelt und die Plakate zusammengerollt. Die Stubengasse kehrte zu ihrem gewohnten Bild zurück.
Hintergrund
Nach eigenen Angaben versteht sich die Initiative als Stimme für Menschen im Iran, die sich für Freiheit, Gleichberechtigung und grundlegende Menschenrechte einsetzen. Dazu zählen unter anderem Arbeiterinnen und Arbeiter, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie politische Gefangene. Die Gruppe setzt sich insbesondere gegen Hinrichtungen und Folter ein und fordert die Freilassung politischer Gefangener. Dabei betont sie, dass die Forderung nach Menschenrechten unabhängig von politischer oder ideologischer Zugehörigkeit gelte.
Die Initiative „Frau.Leben.Freiheit“ organisiert in Münster regelmäßig Kundgebungen zur Situation im Iran. Diese finden in der Regel an jedem ersten Samstag im Monat von 14 bis 15.30 Uhr in der Stubengasse statt. Aufgrund anderer Veranstaltungen kann der Ort im Einzelfall abweichen.
