„Wir sind eine große Familie“ Beginn der Karnevalssession / Interview mit Prinz Christian II

Für Christian Grünefeld wird sein größter Traum wahr: Er ist Prinz Karneval der Stadt Münster! (Foto: Thomas Hölscher)
Für Christian Grünefeld wird sein größter Traum wahr: Er ist Prinz Karneval der Stadt Münster! (Foto: Thomas Hölscher)

Heute am 11.11. beginnt die Amtszeit von Prinz Christian II., dem neuen Prinz Karneval der Stadt Münster. Für Christian Grünefeld geht damit ein langjähriger Traum in Erfüllung. ALLES MÜNSTER traf ihn zum Interview.

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Du hast dir jahrelang gewünscht, Prinz Karneval der Stadt Münster zu werden. Was war dein erster Gedanke, als der Generalprinzmarschall Mario dir diese Frage gestellt hat?

Unglaublich. Ich hätte selbst nicht mehr daran geglaubt, dass sich dieser Traum erfüllt. Ich hatte mich ja nicht selbst beworben, deswegen kam es umso überraschender. Als der Anruf kam, war ich natürlich happy. Prinz Karneval der Stadt Münster zu sein, das ist schon ein Ding.

Der Wunsch ist vor 24 Jahren entstanden, als ich auf einer Karnevalsveranstaltung mit dem damaligen Stadtprinzen auf der Bühne stand und dachte: EINMAL Prinz Karneval von Münster sein. Und jetzt passt einfach alles zusammen: Ich bin im Ruhestand und habe die Zeit, meine Frau hat „Ja“ gesagt, wir sind noch gut drauf, gesund und ich lebe für den Karneval.

Ulla, hast du sofort „Ja“ gesagt?

Ich hörte nur, dass er oben am Telefon sagte „Hallo Mario“ und das kam mir schon verdächtig vor. Dann ging ich extra in den Flur, um mehr von dem Gespräch mitzubekommen. Etwas später hörte ich „Ich hätte wohl Interesse, aber meine Frau bringt mich bestimmt um…“ – da klingelten bei mir sofort alle Glocken! Nach einem langen Telefonat kam Christian dann ‚runter und erzählte es mir. Und dann sagte ich: Wenn du schon gefragt wirst, dann soll es so sein.

Seine Frau Ulla freut sich für Christian, dass sein Wunsch endlich in Erfüllung geht. (Foto: Thomas Hölscher)
Seine Frau Ulla freut sich für Christian, dass sein Wunsch endlich in Erfüllung geht. (Foto: Thomas Hölscher)

Christian, bist du seit Kindertagen Karnevalsjeck?

Das kann man so sagen. Ich habe es schon geliebt, mich im Kindergarten zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen. Bei uns in Ostfriesland gibt es ja keine Karnevalsumzüge, daher habe ich jeden Rosenmontag immer den Umzug von Köln, Mainz und Düsseldorf im Fernsehen gesehen. Ich war immer total begeistert über den Kölner Karneval, mit welchem Enthusiasmus die da ‚rangehen. Dann kam ich Mitte der 80er-Jahre nach Münster und habe hier endlich meinen ersten echten Karnevalsumzug miterlebt.

Du hast ja schon lange Erfahrung im Karneval. Reicht das an Erfahrung oder bereitest du dich jetzt trotzdem extra auf deine Amtszeit vor?

Prinz Karneval der Stadt Münster zu sein ist natürlich eine sehr große Herausforderung mit vielfältigen neuen Aufgaben. Neben den vielen Ansprachen, die ich halten darf, habe ich drei Lieder eingesungen, die ich live mit euch präsentieren werde. Die Choreografie auf der Bühne muss auf jeden Fall noch mit meinen Adjutanten einstudiert werden. Die Bewegungen zum Gesang müssen natürlich sitzen – ich will euch schließlich mitnehmen, zum Mitsingen und Mitklatschen. Bei meinem Lieblingslied „Wir sind eine große Familie“ fällt mir das zum Glück nicht allzu schwer.

Auf dem Prinzipalmarkt wird am 15.11. die offizielle Prinzenproklamation stattfinden - dann in vollem Ornat. (Foto: Thomas Hölscher)
Auf dem Prinzipalmarkt wird am 15.11. die offizielle Prinzenproklamation stattfinden – dann in vollem Ornat. (Foto: Thomas Hölscher)

Würdest du dich als guten Sänger bezeichnen?

Ich habe als junger Mann in einem vierstimmigen Männerchor gesungen. Der Gesang damals hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich glaube, meine Stimme war damals noch ein bisschen kräftiger und klarer. Die Stimme verliert ja mit dem Alter ein bisschen den Klang. Meine Frau meint aber, ich könne nicht so gut singen. (grinst)

Hast du Lampenfieber?

Klar habe ich Lampenfieber, eine gewisse Aufregung gehört mit dazu. Man muss da auch ein bisschen reinwachsen – man macht ja nicht jeden Tag den Prinzen!

Du hast ja irre viele Termine, die sich durch die recht kurze Session noch mehr ballen. Wie kommst du mit diesem Stress zurecht, ist es überhaupt Stress für dich?

Eigentlich nicht, höchstens positiver Stress. Ich bin ja im Ruhestand, muss nicht mehr arbeiten. Alles das, was ich jetzt mache, habe ich mir so gewünscht. Ich muss keinen anderen Verpflichtungen mehr nachkommen.

Wie lautet dein Motto und welche Bedeutung steckt für dich dahinter?

„Wir sind eine große Familie“ – und das ist mir auch sofort in den Sinn gekommen, als Mario mich fragte, ob ich Prinz werden möchte. Karneval ist für mich eine große Familie. Dabei geht es mir um den Zusammenhalt, dass verschiedene Generationen zusammen feiern können. Karneval für Groß und Klein, für Alt und Jung. Ich selbst habe ja auch mehrere Jahre in dem Männerballett der NZA (Narrenzunft Aasee) mitgetanzt und dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das ist schon grandios.

Wer sind deine Adjutanten?

Mit Jens Tomas habe ich einen gestandenen Prinzen an meiner Seite. Und dazu kommen noch Simon Slobbe von der KG ZiBoMo aus Wolbeck und Marius Wichtrup von der KG Böse Geister. Simon und Marius sind beide im Förderverein der Prinzengarde.

Prinz Christian II. im Interview mit ALLES MÜNSTER. (Foto: Thomas Hölscher)
Prinz Christian II. im Interview mit ALLES MÜNSTER. (Foto: Thomas Hölscher)

Und was genau sind ihre Aufgaben?

Sie sind im Karneval meine verlässlichen Begleiter. Sie bereiten unsere Auftritte vor und nehmen mir unzählige organisatorische Dinge ab: Sitzen die Federn, steckt das Einstecktuch? Passt das Outfit? Sie haben alles im Blick.

Eine weitere Aufgabe ist die Koordination meiner Termine, mich anzumelden bei den Gesellschaften und den Überblick zu behalten. Darum muss ich mich glücklicherweise nicht selber kümmern.

Gibt es etwas, das du an deinen Vorgängern besonders gut fandest? Etwas, von dem du dich vielleicht sogar inspirieren lässt?

Jens hatte natürlich ein super Motto „Für magische Momente“. Karneval hat für mich auch so magische Momente, muss ich ganz ehrlich sagen. Sein Lied dazu war auch top. Sascha werde ich beim Tanzen nicht toppen können. Bei „Tanz um dein Leben“ hätte ich dann wahrscheinlich immer das Deutsche Rote Kreuz im Schlepptau mit einem Sauerstoffzelt.

Bist Du zufrieden mit deinem persönlichen Prinzenorden?

Absolut! Das war eine spannende Geschichte, die Wappen all meiner Karnevalsgesellschaften in den Orden zu bekommen – es sind ja insgesamt sieben Stück! Meine Muttergesellschaft, die KG Wiedertäufer und alle anderen Gesellschaften freuen sich natürlich sehr, auf diesem Orden verewigt zu sein.

Alle Karnevalsgesellschaften, in denen der Prinz Mitglied ist, sind auf dem Prinzenorden verewigt. (Foto: Thomas Hölscher)
Alle Karnevalsgesellschaften, in denen der Prinz Mitglied ist, sind auf dem Prinzenorden verewigt. (Foto: Thomas Hölscher)

Wie viele Orden hast du denn anfertigen lassen?

Insgesamt mehr als 3000 Orden. Ich hoffe, ich habe nicht zu wenig bestellt.

Worauf freust du dich am meisten?

Welchen Moment ich rückblickend unheimlich erhebend fand, war die Ernennung zum zukünftigen Prinzen im Kachelzimmer. Ich bin da einmarschiert in dieses Kachelzimmer mit der Fanfare vorweg. Der Raum war voller staunender Prinzgardisten, die natürlich nicht wussten, wer da jetzt als neuer Prinz kommt. Da hatte ich wirklich Gänsehaut.

Für Christian ein Gänsehaut-Moment: Als Generalprinzmarschall Mario Engbers (li.) ihn im Juni Kachelzimmer als neuen Prinzen vorstellte. (Foto: Jasmin Otman)
Für Christian ein Gänsehaut-Moment: Als Generalprinzmarschall Mario Engbers (li.) ihn im Juni Kachelzimmer als neuen Prinzen vorstellte. (Foto: Jasmin Otman)

Wenn ich auf die kommende Session blicke, ist der Rosenmontagsumzug schon das Allergrößte. Die Prinzen-Proklamation am 15. November auf dem Prinzipalmarkt ist auch eine sehr schöne Veranstaltung, ich hoffe, das Wetter spielt mit, damit der Prinzipalmarkt gut gefüllt ist

Wir drücken dir die Daumen und wünschen dir eine fantastische Zeit als Prinz Karneval der Stadt Münster!

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