
Immer wieder kommt es derzeit zu technischen Störungen beim E-Rezept. Die Situation sei so angespannt wie noch nie seit dessen Einführung, heißt es vom Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) mit Sitz in Münster. In einer Medienmitteilung kritisiert der Verband die anhaltenden Ausfälle und fordert dringende Maßnahmen von der Bundesregierung.
Betroffen seien Apotheken in ganz Deutschland, auch in Münster und Umgebung. Laut Juliane Hermes, Vorsitzende der AVWL-Bezirksgruppe Münster, könnten Apotheken die elektronischen Verordnungen bei Störungen nicht bearbeiten – und damit auch keine Arzneimittel ausgeben. Das bringe nicht nur logistische Probleme mit sich, sondern könne auch zur Gefahr für Patientinnen und Patienten werden, etwa wenn eine sofortige Versorgung notwendig sei.
Störung im System kann zu Risiko für Patienten werden
Als Ursache der Ausfälle benennt der AVWL die Telematik-Infrastruktur (TI), das digitale Netzwerk, über das im Gesundheitswesen unter anderem E-Rezepte und elektronische Patientenakten verarbeitet werden. Dabei müssen zahlreiche technische Komponenten – von Softwaremodulen bis zu Hardwarelösungen – reibungslos zusammenarbeiten. Wie es in der Mitteilung des Verbands heißt, seien bundesweit Hunderte verschiedener Produkte im Einsatz, die von der Gematik, der zuständigen Digitalagentur des Bundes, geprüft und zugelassen würden. Schon eine Störung in einem einzelnen System könne dazu führen, dass Apotheken vollständig blockiert seien. „Das kann zu einem Risiko für unsere Patienten werden“, so Hermes weiter. Wer krank sei, brauche das verordnete Medikament sofort – und könne nicht erst stundenlang auf eine Wiederherstellung des Systems warten oder mehrere Apotheken abklappern.
Ausfälle auch wirtschaftliche Belastung
Neben der medizinischen Versorgung sieht der AVWL auch wirtschaftliche Folgen für die Apotheken. Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Verbands, weist darauf hin, dass viele Betriebe bereits seit Jahren unter finanziellem Druck stehen – unter anderem, weil die staatlich regulierte Vergütung seit zwei Jahrzehnten kaum angepasst wurde. Die aktuellen Ausfälle bedeuteten zusätzliche Belastungen, für die aus Sicht des Verbands eine Entschädigung erforderlich sei.
„E-Rezept im Grundsatz eine gute Sache“
Rochell betont, das E-Rezept sei im Grundsatz eine gute Sache. Doch die bestehenden „Kinderkrankheiten“ müssten nun dringend behoben werden, „bevor sie chronifizieren“. Der AVWL fordert deshalb vom Bund, die Telematik-Infrastruktur schnellstmöglich auszubauen und für verlässliche Ausfallsicherheit zu sorgen.
