Wer zuletzt lacht … Das „XXL-Comedy Camp“ schließt Programm auf dem Domplatz beim NRW-Tag ab

Jürgen Bangert übernahm die Moderation beim XXL COMEDY CAMP am Sonntagabend auf dem Domplatz. (Foto: Thomas Hölscher)
Jürgen Bangert übernahm die Moderation beim XXL COMEDY CAMP am Sonntagabend auf dem Domplatz. (Foto: Thomas Hölscher)

… lacht am besten. Ein ereignisreiches und ganz besonderes Wochenende fand gestern Abend seinen Abschluss. Und während auf den „Münster mittendrin“-Bühnen in der Innenstadt die letzten Songs erklangen, lud der Domplatz zum Lachen ein. Wo in der Nacht zuvor noch insgesamt 20.000 Menschen mit leuchtenden Kopfhörern tanzten, standen heute hunderte von Stühlen.

Gastgeber Jürgen Bangert kündigte die komödiantische „Crème de la Crème“ an: Hannes Höfer, Atze Schröder und Lisa Feller. „Die brauche ich euch aber gar nicht vorstellen, die kennt ihr hier ja alle persönlich.“

Wenn es einfach nicht zündet

Hannes Höfer aus Bochum startete mit Ruhrpott-Klischees. „Die haben da alle Zähne wie ’n Barcode. Hier in Münster ist das anders, ihr habt alle ein tolles Lächeln“, versucht Höfer das westfälische Publikum einzuwickeln. „Ich hab mich gegoogelt. Es gibt einen, der genau so heißt wie ich, aber er ist Urologe“, erzählt der Comedian und geht mit seinen Wortspielen – logisch – unter die Gürtellinie. „Da bekommt das Wort Aftershow eine ganz andere Bedeutung. Ob er sich wohl genau so über Standing Ovations freut wie ich?“

Hannes Höfer traf nicht den Nerv des Münsteraner Publikums. (Foto: Thomas Hölscher)
Hannes Höfer traf nicht den Nerv des Münsteraner Publikums. (Foto: Thomas Hölscher)

So richtig witzig fand das auf dem Domplatz allerdings leider niemand. Ein Mann rief sogar „Alexa, weiter!“ Der Auftritt von Höfer schien nicht nur zäh, sondern hinterließ den Eindruck, die Lachmuskeln des Münsteraner Publikums seien schwer aktivierbar. Bis Lisa Feller die Bühne betrat.

Energiebündel Lisa Feller

Quirlig und selbstbewusst landete sie mit dem ersten Witz direkt einen Volltreffer und behielt dieses Niveau konstant bei. Selbstironisch und mit viel Körpereinsatz erzählt sie in ihren neuen Show „Schön für dich!“ vom eigenen Älterwerden. „Ich bin ja so Anfang 30, Ende 40 …und da gibt es solche Tage und solche. Manchmal stehe ich vorm Spiegel und denke „Naja, für den ‚Playboy‘ reicht das nicht mehr, aber die ‚Happy Weekend‘ – die krieg‘ ich noch voll!“

Wahl-Münsteranerin Lisa Feller begeisterte das Publikum vom ersten Witz an. (Foto: Thomas Hölscher)
Wahl-Münsteranerin Lisa Feller begeisterte das Publikum vom ersten Witz an. (Foto: Thomas Hölscher)

Feller ist so authentisch, dass man ihr all die absurden und aberwitzigen Geschichten abkauft. Beispielsweise die von Sabine, der Freundin, in deren Wohnung sie ein Hundehalsband entdeckt hatte. Auf ihre naive Frage „Och, kriegt ihr ’nen Hund?“ folgte eine stammelige Fetisch-Beichte. „Das geht mich gar nix an. Wenn da mal ’ne Billardkugel liegt, frag ich bestimmt nicht: Wo ist denn der Tisch? Ich will es gar nicht wissen!“ Lautes Gelächter vor dem Dom. „Oh Gott, Bischof Wilmer sagte gestern, er wolle zu meiner Show kommen,“ erinnerte sich die Comedian mit aufgerissenen Augen. „Ich hoffe, ich komme jetzt noch in den Himmel!“

Roland Kaiser ist schlimmer

Und was hilft, um sich in ein besseres Licht zu rücken? Richtig: Auf andere verweisen, die viel schlimmer sind. Und ihre Wahl fiel auf Roland Kaiser, der schließlich auch unzählige Male auf der „Münster mittendrin“-Bühne stand. „Bei Santa Maria zum Beispiel: An weißen Stränden hielt ich ihre Jugend in den Händen. Das hat immer was von Vorsorge-Untersuchung.“ Lautes Gelächter. „Oder kennt ihr das Lied ‚Südlich von mir‘? ‚Dein Mund saugt mich auf, wir beide explodieren‘ – ja, da musste ich auch erstmal schlucken!“

Die Wahl-Münsteranerin erklärt sich den Erfolg der Musik so: „Beim Schlager sind es einfach die Melodien, die im Kopf bleiben. Das ist wie mit den alten Werbemelodien.“ Und den Beweis dafür lieferte der Chor aus dem Publikum, der ihre Sätze aus bekannten TV-Spots lauthals und textsicher vervollständigte.

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Weil man die gute Stimmung wohl bis hinauf in den Lambertiturm hörte, ertönte dann auch noch das Tuten von Türmerin Martje Thalmann. „Es ist alles in Ordnung, wie schön!“, freute sich Feller mit einem Blick zur Himmelsleiter. Und tobender Applaus gab ihr Recht.

Atze Schröders Kindergeburtstage

Den humoristischen Abschluss am Sonntagabend machte der in Münster aufgewachsene Atze Schröder. „Ich fühle mich als Münsteraner und habe mich auf euch und den heiligen Domplatz gefreut!“, begrüßte er die bestens gelaunte Menschenmenge und nahm sie mit in seine Kindheit. „Mein Vater hat mich ‚mal an einer Raststätte vergessen. Da war ich sieben Jahre alt. Vier Stunden hatte er gebraucht, bis er wieder da war“, erzählte Schröder. „So, da kriegte ich ’n Schnitzelbrötchen und ’ne Cola. Der schönste Geburtstag meines Lebens.“

Der Kult-Comedian Atze Schröder wuchs in Münster auf. (Foto: Thomas Hölscher)
Der Kult-Comedian Atze Schröder wuchs in Münster auf. (Foto: Thomas Hölscher)

Wo zu Beginn des Abends noch emsiges Erzählen im Publikum herrschte, hingen nun alle an den Lippen des Kult-Comedians. „Früher hat keinen interessiert, was aus uns wurde! Pool? Sowas hatten wir nicht! Wir sind aber trotzdem von der Garage gesprungen – auf ein nasses Handtuch!“ Neben Anekdoten über Kindergeburtstage und heute unvorstellbar unsicheren Autofahrten in den Urlaub bewies Schröder aber auch Reflexionsvermögen. „Früher habe ich Tipps gegeben, wie man fremdgeht. Das war falsch. Heute sag ich: Sei treu oder sei Single!“

Dafür kassierte Schröder nicht nur einen kräftigen Applaus, sondern auch das euphorische Kreischen einer Dame. „Das ist Münster! In Berlin würde man sagen: Wovon redet der?“

„Das ist Münster“ am Sonntagabend: Etwas erschöpft, aber mit einem Lächeln auf den Lippen.

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