Wenn Licht zu Materie wird Galerie Ostendorff zeigt außergewöhnliche Werke von Maxim Wakultschik

Maxim Wakultschik zwischen zweien seiner Arbeiten. (Foto: Bührke)
Maxim Wakultschik zwischen zweien seiner Arbeiten. (Foto: Bührke)

Bei der Ausstellung „Light becoming Matter“ des Malers Maxim Wakultschik lohnt es sich, den Blick ab und an von den atemberaubenden Bildern zu lösen und die Besucherinnen und Besucher zu beobachten. Wenn die Gäste in den Räumen der Galerie Ostendorff am Prinzipalmarkt am Samstag ein wenig zu schwanken scheinen, muss dies nicht unbedingt am Sekt liegen. Ohne die Position zu wechseln, sind die Werke des gebürtigen Weißrussen kaum zu erfassen.

Bei der Kunst lohnt in den meisten Fällen ohnehin das genaue Hinsehen, doch bei dieser Ausstellung ist es fast unvermeidbar. Der erste Verdacht erhärtet sich bei näherer Betrachtung: Ja, das sind Zahnstocher. „Ich wollte aus der flächigen Malerei heraus in die Dreidimensionalität kommen“, beschreibt Wakultschik seine Motivation, diese ungewöhnliche Oberfläche zu wählen. „Ursprünglich habe ich mit Holzklötzen gearbeitet und war fasziniert davon, wie das Tageslicht über die Oberflächen gewandert ist. Dann habe ich immer kleiner gedacht und kam zum Punkt, zur Spitze des Zahnstochers.“

Die Arbeiten sind beeinflusst von der Ikonenmalerei. (Foto: Bührke)
Die Arbeiten sind beeinflusst von der Ikonenmalerei. (Foto: Bührke)

Von vorne betrachtet, sieht man von dem Motiv, das von den Zahnstochern gebildet wird, so gut wie nichts, der ebenfalls gestaltete Hintergrund trägt dann die Bildaussage. Je weiter seitlich das Werk betrachtet wird, desto deutlicher ist das Hauptmotiv zu erkennen. In den meisten Fällen sind dies Frauenporträts. Oder auch nicht. „Die Personen sollen androgyn erscheinen, wie die Menschen vor Adam und Eva, geschlechtslos“, erklärt Wakultschik. Überhaupt sind seine Arbeiten religiös geprägt. Wie Heilige, die aus einer anderen Welt in unsere hineintreten, sollen die Gesichter wirken, die beim Vorbeigehen erscheinen und wieder verschwinden. Lange habe er sich mit Ikonen beschäftigt, und diese flächige Bildsprache findet sich in den Arbeiten, die in der Galerie Ostendorff zu sehen sind, wieder. Dem Künstler ist zudem wichtig, dass die Titel der Bilder mit ihrer Sprachmelodie den Charakter des Bildes aufnehmen.

Maxim Wakultschik

Maxim Wakultschik wurde 1973 in Minsk, Belarus, geboren. Bereits ab 1984 besuchte er das Weißrussische Lyzeum der Künste in Minsk, bevor er 1992 an der Kunstakademie Düsseldorf ein Studium der Freien Kunst bei Beate Schiff und Jannis Kounellis aufnahm, das er 2000 mit dem Akademiebrief abschloss. Seitdem lebt und arbeitet Wakultschik in Düsseldorf. Seit 2017 ist er zudem als Dozent an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter tätig. Ausgehend von der Malerei entwickelte Wakultschik früh eine eigenständige, dreidimensionale Bildsprache. Seine Reliefs und Objekte verbinden Malerei und Bildhauerei und arbeiten unter anderem mit Holz, Streichhölzern und Holzstiftspitzen. Licht, Farbe, Oberfläche und die Wahrnehmung des Betrachters spielen dabei eine zentrale Rolle.

Schwer vorstellbar, dass die Werke von Maxim Wakultschik aus zahllosen Zahnstochern bestehen. (Foto: Bührke)
Schwer vorstellbar, dass die Werke von Maxim Wakultschik aus zahllosen Zahnstochern bestehen. (Foto: Bührke)

Münster hat in seiner Ausstellungsgeschichte eine besondere Bedeutung: Bereits 2010 präsentierte die Galerie Nolte seine Arbeiten in der Ausstellung „Ambivalences“. 2014 folgte dort die Einzelausstellung „Face Time“. 2026 kehrt Wakultschik nun mit der Ausstellung „Light becoming Matter“ in die Galerie Ostendorff nach Münster zurück. Der 53-Jährige erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunstpreis der Sparkasse Bayreuth und den Young Art Award der Stadtwerke Herne (beide 2001), den Preis der PSD Bank Rhein-Ruhr (2005) sowie den Sonderpreis für Originalität beim Kunstpreis Wesseling (2006). Seine Arbeiten werden international in Ausstellungen und auf Kunstmessen gezeigt.

Die Ausstellung „Light becoming Matter“ von Maxim Wakultschik wird am Samstag, 29. August, um 16 Uhr in der Galerie Ostendorff, Prinzipalmarkt 11, eröffnet. Während der Vernissage wird es ein Gespräch zwischen dem Künstler und Dr. Alexander Leinemann vom LWL-Museumsamt geben. Die Ausstellung ist Teil der Aktion „Schauräume“ während des NRW-Tags.

Fotos: Bührke

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