Wenn der Mond die Sonne verfinstert Die partielle Sonnenfinsternis begeisterte hunderte Münsteranerinnen und Münsteraner

Kurz vor Sonnenuntergang verdeckte der Mond noch immer einen Teil der Sonne. (Foto: Bührke)
Kurz vor Sonnenuntergang verdeckte der Mond noch immer einen Teil der Sonne. (Foto: Bührke)

Die partielle Sonnenfinsternis am Mittwochabend hat die Menschen in ganz Europa fasziniert. Auch in Münster haben sich Hunderte an Orten wie dem Ufer des Aasees oder auf Balkonen und anderen höher gelegenen Orten zusammengefunden, um das Himmelsspektakel gemeinsam oder allein zu beobachten. Wohl dem, der noch eine Sonnenfinsternisbrille ergattern konnte oder über genügend handwerkliches Geschick verfügt, um sich schnell noch eine Lochkamera zu basteln.

Vielen war wohl erst spät bewusst, was sich da am Mittwochabend am Himmel abspielen sollte, zumindest sprechen die vielen Anfragen in den sozialen Medien, ob es noch irgendwo Schutzbrillen gibt oder was man alternativ nehmen könne, dafür. Wer mit einer Sonnenfinsternisbrille ausgestattet war, gehörte jedenfalls zu den Glücklichen, die das außergewöhnliche Himmelsereignis von Anfang an verfolgen konnten. Um 19.16 Uhr schob sich langsam der Mond vor die Sonne, der Auftakt zu einem stillen Spektakel, das in Münster in ähnlicher Form erst wieder 2081 zu sehen sein wird!

Wer keine Sonnenfinsternisbrille hatte, konnte sich mit einer selbstgebastelten Lochkamera behelfen. (Foto: Veronika Brühl)
Wer keine Sonnenfinsternisbrille hatte, konnte sich mit einer selbstgebastelten Lochkamera behelfen. (Foto: Veronika Brühl)

Wer die Sonne durch ein Teleobjektiv oder ein Fernglas beobachtet und den Wecker auf 19.16 Uhr eingestellt hat, sah zunächst – nichts. Der Kosmos macht die Dinge gerne spannend und so dauerte es zwei, drei Minuten, bis mit dem Auge zu erkennen war, dass sich der Mond langsam von rechts vor die Sonne schob. Am Aasee waren zu dem Zeitpunkt schon zahllose Menschen zusammengekommen, um gemeinsam das Schauspiel zu beobachten. Rund um die drei Betonkugeln von Claes Oldenburg saßen oder standen die Menschen, um den beiden ungleich größeren Kugeln am Himmel beim Versteckspiel zuzuschauen. Die Stimmung war ausgesprochen ruhig, die Menschen haben sich gegenseitig die Schutzbrillen geliehen. Und Münster wäre nicht Münster, wenn nicht viele derjenigen, die keine Schutzbrille hatten, mit unterschiedlichen selbstgebauten Konstruktionen versucht hätten, das Himmelsschauspiel zu beobachten.

Nicht nur am Aasee

Einer von ihnen war Simon, der an der Fachhochschule Münster Ingenieurwesen im Bereich Physik studiert. Seine Profikamera war perfekt mit einer speziellen Schutzfolie ausgestattet und jeder, der wollte, durfte einen Blick durch seine Kamera werfen. Auch für Fragen zu dem kosmischen Spektakel, das sich gerade am Himmel abspielte, war der Student der perfekte Ansprechpartner. Doch nicht überall war die Stimmung so gechillt wie am Aasee, so trafen sich Fans der Sonnenfinsternis auch an anderen Orten wie zum Beispiel der Kanalbrücke an der Schillerstraße, und da war dann echte Partystimmung. Ein Fan hat vorsorglich eine Playlist von Stücken zusammengestellt, die irgendwas mit dem Thema Sonne zu tun hatten. Auch auf dem Balkon des Atlantic Hotels genossen zahlreiche Menschen den perfekten Blick über die Stadt.

Als es auf 20.10 Uhr zuging, veränderte sich die Stimmung merklich. Das Licht wurde schummerig, nicht wie in der Dämmerung, es war ein spezielles Zwielicht, wie es nur während einer ausgeprägten partiellen oder wenige Minuten vor einer totalen Sonnenfinsternis zu beobachten ist. Auch die Temperatur schien zu sinken. Wer sich nicht gerade in einer größeren Gruppe befand, bemerkte möglicherweise eine gewisse Unruhe unter den Vögeln. Nur noch 13 Prozent der Sonnenscheibe waren zu sehen, das gab es in ähnlicher Form zuletzt 1999 während der Sonnenfinsternis in Süddeutschland. Wer durch ein Teleobjektiv oder ein Fernglas sah, konnte erkennen, dass der Rand des Mondes, der nun vor der Sonne stand, nicht vollkommen glatt ist, die Berge und Täler unseres Trabanten sind bei einem solchen Ereignis mit guten Augen zu erkennen.

Um 20.10 Uhr waren nur noch 13 Prozent der Sonne zu sehen. (Foto: Michael Bührke)
Um 20.10 Uhr waren nur noch 13 Prozent der Sonne zu sehen. (Foto: Michael Bührke)

Als sich der Mond weiterbewegte und immer mehr von der Sonne freigab, trat ein paradoxer Effekt auf, obwohl der Sonnenuntergang bevorstand, wurde es wieder heller. Aber nicht lange, um kurz vor 21 Uhr ging die Sonne dann tatsächlich unter, noch immer leicht verdeckt vom Mond. Die Sonnenfinsternisfans am Aasee, an der Kanalbrücke oder auf dem Balkon des Atlantic Hotels konnten direkt bleiben, wo sie waren, und weiter in den Himmel schauen, schließlich war dies auch die Nacht der Perseiden und die eine oder andere Sternschnuppe dürfte es noch zu sehen gegeben haben.

Wer noch eine Schutzbrille ergattern konnte oder zu Hause in der Schublade hatte, gehörte zu den Gewinnern. (Foto: Veronika Brühl)
Wer noch eine Schutzbrille ergattern konnte oder zu Hause in der Schublade hatte, gehörte zu den Gewinnern. (Foto: Veronika Brühl)
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