Welt-MS-Tag: Hoffnung aus Münster Studien zu Multipler Sklerose am Universitätsklinikum Münster

Hirnstrommessung: Christiane sucht wegen ihrer Multiplen Sklerose regelmäßig die neurologische Ambulanz am UKM auf. (Foto: UKM / Wibberg)
Hirnstrommessung: Christiane sucht wegen ihrer Multiplen Sklerose regelmäßig die neurologische Ambulanz am UKM auf. (Foto: UKM / Wibberg)

Morgen (30.05.26) ist Welt-MS-Tag. In Münster macht ein Beispiel deutlich, wie sehr Multiple Sklerose den Alltag verändern kann und woran Forschende am Universitätsklinikum Münster (UKM) gerade arbeiten.

Christiane lebt seit 25 Jahren mit Multipler Sklerose (MS). Für sie gehört das Warten auf Medikamente, die einen chronischen Verlauf wirksam aufhalten könnten, zum Alltag. Denn während die Erkrankung anfangs häufig schubartig verläuft und in dieser Phase mit verschiedenen Arzneien behandelt werden kann, fehlen bislang Therapien, die bei fortgeschrittener MS den Verlust neurologischer Fähigkeiten zuverlässig stoppen.

Christiane und Prof. Sven Meuth kennen sich seit fast zehn Jahren. Ein Neurologe überwies die heute 45-Jährige damals zur Mitbehandlung an das Universitätsklinikum Münster (UKM). Auch als Meuth zwischenzeitlich die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf leitete, blieb die Patientin nach eigenen Angaben bei ihm in Behandlung. „Die Multiple Sklerose verlangt viel von unseren Patientinnen und Patienten“, sagt Meuth. „Deshalb muss man in die Patienten-Arzt-Beziehung viel investieren und langfristiges Vertrauen aufbauen.“

Diagnose und Therapie: Früh erkennen, lange durchhalten

Ihren ersten Schub erlebte Christiane nach eigenen Angaben als Schülerin: Mit 19 Jahren verlor sie auf einem Auge nahezu vollständig die Sehkraft. Die Diagnose MS folgte demnach erst Jahre später nach einem weiteren Schub im Studium. „Heute erkennen wir die Erkrankung deutlich früher“, so Meuth. „Und das ist gut so: Ein früher Therapiebeginn verbessert den Verlauf entscheidend.“ Während zu Beginn von Christianes Erkrankung nach ihren Schilderungen Interferon-Injektionen zur Verfügung standen, gebe es inzwischen rund 20 zugelassene Medikamente.

Der Weg durch unterschiedliche Therapien habe Spuren hinterlassen. „Die Interferon-Spritzen waren sehr unangenehm“, erinnert sich Christiane. Später seien Tabletten gefolgt, die ihren Alltag stark bestimmt hätten. Auch heute nehme sie mehrere Medikamente gleichzeitig ein. „Mein Wecker erinnert mich daran.“ Meuth hebt hervor, was das für viele Betroffene bedeutet: Er sagt, die Disziplin und Therapietreue, die die Patientinnen und Patienten mitbringen müssten, sei bemerkenswert. Die Wirkung vieler Behandlungen ziele zudem auf lange Zeiträume. „Viele nehmen jahrelang Medikamente für das statistische Versprechen, dass es ihnen vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren besser geht als es ihnen ohne diese Behandlungen gegangen wäre.“

Wenn die Schübe nachlassen und MS fortschreitet

Bei der Erkrankung gebe es häufig den Punkt, an dem Schübe in einen schleichenden Verlauf übergehen. Bei Christiane sei dieser Übergang nach der ersten Schwangerschaft gekommen, schildert sie. Ein unbemerkter Schub in der fordernden Zeit mit dem Baby habe den Wechsel eingeleitet. Heute seien vor allem ihre Beweglichkeit und die rechte Körperseite eingeschränkt. Viele Tätigkeiten wie Schreiben oder das Öffnen von Dosen erledige sie inzwischen mit links. „Meine Autonomie hängt an meiner linken Hand“, sagt sie. „Deshalb ist mein Ziel, das Fortschreiten möglichst zu verlangsamen.“ Auto fahre sie nur noch mit einem speziell an ihre Bedürfnisse angepassten Fahrzeug.

Trotz der Einschränkungen arbeitet Christiane weiterhin als Grundschullehrerin in Teilzeit. „Wenn ich nicht mehr arbeiten könnte, wäre ich in einem Loch“, sagt sie. Im Familienalltag mit ihren zwei Kindern werde sie von ihrem Mann unterstützt. Regelmäßige Aufenthalte in einer Reha-Klinik helfen ihr nach eigenen Worten, Kraft zu schöpfen: „Drei Wochen nur für mich – davon zehre ich lange.“

Aus medizinischer Sicht beschreibt Meuth den Verlauf als typisch. „Im jüngeren Erwachsenenalter stehen entzündliche Prozesse im Vordergrund, später nimmt die neurodegenerative Komponente zu“, erklärt er. Entzündungen seien behandelbar, sehr wirksame Therapien gegen das Fortschreiten fehlten bislang. Zudem verlaufe MS sehr unterschiedlich, abhängig davon, ob eher Gehirn oder Rückenmark betroffen seien.

Hoffnung aus Studien in Münster

In Münster setzen Forschende auch auf neue Behandlungsoptionen. Die Medizinische Fakultät der Universität Münster und die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster sind an rund 25 Zulassungsstudien beteiligt, wie das Universitätsklinikum Münster (UKM) in einer Medienmitteilung erklärt. Im Fokus stünden unter anderem neue Wirkstoffe wie Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren (BTK), die erstmals gezielt auf das Fortschreiten wirken könnten. „Wir erwarten hier Rückenwind und neue Perspektiven“, sagt Meuth.

Für Christiane verbindet sich damit die Hoffnung, den Abbau neurologischer Fähigkeiten zu verlangsamen oder aufzuhalten. „Wenn es solche Medikamente früher gegeben hätte, wäre mein Leben vielleicht anders verlaufen.“ Zugleich richtet sie den Blick nach vorn: „Ich hoffe, dass es irgendwann die Therapie gibt, die genau zu mir passt.“ Morgen, am Welt-MS-Tag, steht Multiple Sklerose bundesweit im Mittelpunkt. Der Blick nach Münster zeigt dabei, wie eng Forschung und Alltag von Betroffenen miteinander verbunden sind, auch über Münster hinaus, etwa durch Meuths Station in Düsseldorf.

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