
Im Rahmen der 16. NRW-Radtour hieß es tagsüber Radeln und abends Lachen, Feiern und Tanzen. Die Route führte dieses Mal quer durch die Radregion Münsterland, die am Freitagabend einen ihrer größeren Zielpunkte am Hafen in Münster hatte. Dort angekommen, wurden die Radler mit Comedy und mit Musik aus den 90er Jahren begrüßt. Der Samstagabend stand bei dem „WDR 4 Sommer Open Air“ dagegen ganz im Rahmen der 80er. Dafür hatte der WDR gleich drei Größen des Jahrzehnts nach Münster eingeladen: Marc Almond, die Band Johnny Hates Jazz und Sydney Youngblood.
Comedy gab es am Freitag von Hannes Höfer, der Lisa Feller vertrat, denn die Wahl-Münsteranerin musste aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Als musikalischen Höhepunkt hatte WDR 4 für Freitagabend die 90er-Jahre-Band Rednex verpflichtet, die natürlich ihren Welthit „Cotton Eye Joe“ im Gepäck hatte. Passend dazu lud die Band ein paar auserwählte Fans aus dem Publikum auf die Bühne zum gemeinsamen Square Dance ein.
Sydney Youngblood überraschte mit perfektem Deutsch
Anmoderiert von Bastian Bender eröffnete Sydney Youngblood den Samstagabend stimmgewaltig und bestens gelaunt mit seinem bekannten Hit „If Only I Could“. Tatsächlich erschien die Single vor exakt 37 Jahren im August 1989. Sydney Youngblood überraschte viele mit seinem perfekten Deutsch – und das als gebürtiger Texaner. Man muss wissen, dass er als junger GI in Mannheim stationiert war und eine Weile in Schwetzingen lebte. Dort produzierte er mit seinen deutschen Freunden im Alter von Ende 20 unter anderem seine Hits „If Only I Could“ und „Sit and Wait“.
Interessant war, dass sich alle Musiker an diesem Abend die Begleitband „teilten“ und somit Pausen für einen technischen Umbau vermieden werden konnten. Umso konstanter blieb die Stimmung vom einen Künstler zum anderen auf einem hohen Niveau.
Johnny Hates Jazz mit Lied gegen Krieg
Sehr herzlich kündigte Sydney Youngblood seinen guten Freund Clark Datchler an, den Frontmann der Band Johnny Hates Jazz: „He´s got a special place in my heart. I love him to death“. Die Band ist eine feste Größe in den 80ern gewesen und Hits wie „Turn Back the Clock“ und „Shattered Dreams“ sind auch heute nicht aus dem Radioprogramm wegzudenken.
In Münster stand Sänger Clark Datchler auf der Bühne, der die Band Ende der 80er verlassen hatte und erst im Jahr 2009 zurückkehrte. Neben Mike Nocito ist er als einziger von der Urbesetzung übrig, Keyboarder und Mitbegründer Calvin Hayes ist erst im Juli diesen Jahres im Alter von 63 Jahren verstorben. Datchler schrieb auch ihren ersten großen Hit „Shattered Dreams“ (veröffentlicht im März 1987), dessen Musikvideo eine echte Hollywood-Größe drehte, nämlich Regisseur David Fincher („Alien 3“, „Sieben“, „Fight Club“).
„This is an anti-war song and still relevant today“, rief Clark Datchler dem Publikum zu, um mit „I Don´t Want to Be a Hero“ zu beginnen. Inzwischen war der Hafenplatz komplett gefüllt und spätestens bei „Turn Back The Clock“ lagen sich die ersten Pärchen in den Armen und bei „Shattered Dreams“ stimmten viele in den Refrain ein und sangen lauthals mit.
Kurzer Auftritt von Marc Almond
Die Sonne verschwand langsam hinter den Dächern, als gegen 20:30 Uhr Marc Almond die Bühne betrat. Almond ist vielen vor allem bekannt als Stimme des Musikduos Soft Cell, das mit ihrer Single „Tainted Love“ einen Ohrwurm für die Ewigkeit schuf. Fast komplett in schwarz gekleidet begann Almond mit „A Lover Spurned“, bis nur ein paar Lieder später endlich der heißersehnte 80er-Jahre-Hit „Tainted Love“ erklang. Keine Frage, dass das Publikum hier nicht lange zum Sing-along eingeladen werden musste: „Touch me, baby, tainted love…“.
Nach dem doch recht kurzen Auftritt von Marc Almond betrat erneut Sydney Youngblood die Bühne und setzte sein Programm mit Coverversionen bekannter 80er-Jahre-Hits fort. „Billie Jean“ von Michael Jackson, „Jeanny“ von Falco und sogar „Skandal im Sperrbezirk“ der Spyder Murphy Gang performte der 65 Jahre alte Vollblutmusiker zur Überraschung aller. Zu Beginn des Sommerabends hätte wohl niemand gedacht, was für ein Entertainer Sydney Youngblood doch ist. Seit fast 40 Jahren singt er davon, die Welt zu einem besseren Platz zu machen. Gestern Abend hat er das auf dem Hafenplatz definitiv geschafft.
Die musikalische Zeitreise in die 80er hat gezeigt wie prägend dieses Jahrzehnt doch war, welche Präsenz und Relevanz diese einzigartige Musik von damals nach wie vor besitzt. Wer schafft es bitte heute noch, eine Extended Version auf Vinyl von über 8 Minuten zu genießen? Bitte nehmt euch die Zeit, die 80er sind es sowas von wert!
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