„Was nicht passt, wird passend gemacht“ Kurzweilige Adam Riese-Show mit Reinhold Beckmann, Corinna Bilke und Adolf Winkelmann

Corinna Bilke und Reinhold Beckmann sangen zum Abschluss "Stumblin' In" von Suzi Quatro und Chris Norman. (Foto: Stephan Günther)
Corinna Bilke und Reinhold Beckmann sangen zum Abschluss „Stumblin‘ In“ von Suzi Quatro und Chris Norman. (Foto: Stephan Günther)

Am Sonntag hatte Adam Riese einen wieder einmal zu seiner Show in den Engelsaal ganz oben im Hotel Atlantic geladen. Mit Reinhold Beckmann und Adolf Winkelmann begrüßte der Moderator zwei aus Film und Fernsehen bekannte Gäste, die allerdings recht wenig Bezug zu Münster haben. Anders bei Corinna Bilke, die hier wohnt und im münsterländischen Laer aufgewachsen ist und die Riese beim Kinderrechtefest im Südpark für sich entdeckt hat. Und da es am Sonntag zum ersten Mal in dieser Jahreszeit ein wenig geschneit hat, gestaltete sie das musikalische Programm mit einigen vorweihnachtlichen Liedern – nach 18 Uhr sei das auch am Totensonntag erlaubt, versicherte Adam Riese vorsorglich dem Publikum.

Schmissiger Höhepunkt und gleichzeitig auch der musikalische Abschluss der Show war aber, als Reinhold Beckmann mit Corinna Bilke mit viel Verve die Antwort auf Chris Norman and Suzi Quatro gab und mit ihr „Stumblin‘ In“ sang. Beide hatten ihre Auftritte zuvor jeweils mit einem Lied begonnen, was bei der Kinderliedermacherin Bilke nicht weiter überraschte – aber viele bei Reinhold Beckmann. Schließlich kennen die meisten ihn doch nur als Fernsehmoderator, sei es für Sportsendungen, wie „ran“, „ranissimo“ und „Sportschau“, oder in seiner eigenen Talkshow „Beckmann“, die 1999 bis 2014 wöchentlich in der ARD zu sehen war. Gastgeber Adam Riese düpierte ihn noch vor dem Gespräch auf dem Sofa, als er ihn als „zweitbesten Moderator“ begrüßte.

„Aenne und ihre Brüder“
Ernst wurde es, als Reinhold Beckmann von seiner Mutter und ihren im Krieg gefallenen Brüder sprach. (Foto: Stephan Günther)
Ernst wurde es, als Reinhold Beckmann von seiner Mutter und ihren im Krieg gefallenen Brüder sprach. (Foto: Stephan Günther)

Mit einem Lied begann auch sein aktuellstes Projekt, das familienbiographische Buch „Aenne und ihre Brüder“, das Beckmann über seine Mutter und ihre vier im Krieg gefallenen Brüder geschrieben hat. Das Publikum der Adam Riese-Show erfuhr, dass es zunächst ein Lied war, das er zur offiziellen Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag dargeboten hatte, worauf dann Verlage auf ihn zukamen. Mit einigen alten Bildern schilderte er, wie er anhand zahlreicher erhaltener Briefe das enge Verhältnis der Geschwister untereinander rekonstruieren konnte – und welche überwältigende Resonanz er bei den Lesungen zu dem Bestseller erhält.

Misslungener Start als Fußball-Kommentator

Launig waren dagegen seine Schilderungen darüber, wie er überhaupt dazu gekommen ist, Fernsehmoderator für Sport zu werden. Ohne große Vorbereitung wurde er vom Schneideraum ins Stadion beordert, um das Drittligaspiel Bad Honnef gegen Schwarz-Weiß Essen zu kommentieren. Beckmann selber hat das Ergebnis als völlig misslungen in Erinnerung, dennoch bekam er immer wieder neue Aufträge. Als die Privatsender aufkamen, erhielt er erst bei Premiere und dann bei SAT.1 die Chance, das Sportfernsehen zu modernisieren. Denn er wollte schließlich Fußball mit Popkultur verbinden. Denn angefangen hatte er während seines Studiums Ende der 70er als Kamera-Assistent unter anderem für das sonntägliche Jugendprogramm beim WDR, für das der dritte Talkgast des Abends, Adolf Winkelmann, seinen Debütfilm „Die Abfahrer“ ursprünglich als Zweiteiler fürs Fernsehen gedreht hat. In der Show bei Adam Riese trafen sie sich erstmals seit dieser Zeit.

Adolf Winkelmann kann sehr begeisternd von seiner Arbeit als Filmemacher reden.(Foto: Stephan Günther)
Adolf Winkelmann kann sehr begeisternd von seiner Arbeit als Filmemacher reden.(Foto: Stephan Günther)

Riese entlockte Winkelmann natürlich so einige Hintergründe zu den Filmen seiner Ruhrgebiets-Trilogie. So erhielt Detlev Quandt die Hauptrolle in „Die Abfahrer“, weil er einer der wenigen Schauspieler mit LKW-Führerschein war. Weil dieser Film im schmalen Fernsehformat gedreht worden war, wollte Winkelmann seinen nächsten Film so breit wie möglich und am liebsten in Stereo drehen, was damals überhaupt nicht üblich war. Tatsächlich wurde „Jede Menge Kohle“ der erste abendfüllende Spielfilm in Dolby Stereo, nachdem andere internationale Projekte gescheitert waren.

Zum Schneiden mussten das Team dann in ein Studio nach Hamburg, wo sonst nur Pornofilme für Beate Uhse synchronisiert wurden. Erotikfilme waren zu jener Zeit das einzige Genre, in dem sich die Stereotechnik schon durchgesetzt hatte. Und der Film „Nordkurve“ schließlich brachte Winkelmann in Dortmund ein jahrelanges Stadionverbot ein, weil dem BVB-Vorstand das Ergebnis nicht gefiel.

Nächste Show am 1. März
Corinna Bilke war nicht nur für das musikalische Programm da, sondern auch der erste Talkgast des Abends. (Foto: Stephan Günther)
Corinna Bilke war nicht nur für das musikalische Programm da, sondern auch der erste Talkgast des Abends. (Foto: Stephan Günther)

Wie immer mussten die Gäste sich in einigen mehr oder weniger launigen Spielen bewähren, meist indem sie Zitate richtig zuordnen. Das beste und überraschendste Spiel kam zuletzt: Adolf Winkelmann und Reinhold Beckmann mussten Lieder erraten, die Corinna Bilke begleitet von der Hausband Markus Paßlick’s Original Pumpernickel, etwas ungewöhnlich sang. Unter dem Titel „Was nicht passt, wird passend gemacht“ bot sie zur Melodie des einen den Text eines anderen Liedes dar – und beides sollte geraten werden.

Am Ende des kurzweiligen Abends kündigte Adam Riese die Gäste seiner nächsten Show am 1. März 2026 an. Dann wird er die Schauspielerin Patricia Meeden, den Redakteur, Autor und jahrelangen TV-Sidekick Manuel Andrack sowie die münstersche Country-Sängerin Van de Forst begrüßen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert