
Der Samstag bot zwei Gesprächsrunden, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht hätten sein können, auf den zweiten jedoch einiges an Gemeinsamkeiten aufwiesen. Zwischen Aegidiimarkt und LWL-Museum trafen Comedian Lisa Feller und NRW-Schulministerin Dorothee Feller aufeinander, während eine Stunde später auf dem Domplatz unter anderem mit dem NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst über Demokratie diskutiert wurde.
„Feller & Feller hört sich an wie ein neues Talk-Format“, startete Moderator Martin Mall den launigen Talk vor begeistertem Publikum. Die Befürchtung, dass die Talkgäste nur wegen der Namensgleichheit ausgesucht wurden und dieser Effekt nach der Frage „Werden Sie oft verwechselt?“ schnell verpuffen würde, war unbegründet. Was beide zu berichten hatten, wies zum Teil erstaunliche Ähnlichkeiten auf. So freuen sich beide, wenn sie von der Arbeit nach Münster zurückkehren und Brillux sehen. Auch ihre Lieblingsplätze liegen nur wenige Dutzend Meter auseinander: Während Lisa Feller gerne auf den gelben Stühlen am Domplatz sitzt und Menschen beobachtet, liebt Dorothee Feller den Innenhof des Domes wegen seiner Stille.
Moderator Mall hangelte sich am Tagesablauf der beiden Fellers entlang, und da gibt es zwischen der Comedian und der Ministerin doch deutliche Unterschiede. So klagte Dorothee Feller darüber, dass sie von ihrem Mitarbeiterstab ziemlich durchgetaktet wird und dieser manchmal vergisst, dass sie zwischendurch auch mal Luft holen müsse. Ein Problem, das Lisa Feller ähnlich von ihrem Management kennen würde. Einig sind sich beide auch bei der Bedeutung des Humors im Leben. „Wenn mir einer entgegenkommt, der eine miese Laune hat, dann weiß ich schon, der macht’s nicht mehr lange“, witzelt Lisa Feller, während Dorothee Feller klarstellt, wie wichtig es ist, mit dem politischen Gegner zu streiten, hinterher aber in der Lage sein muss, gemeinsam zu lachen.
Wie schützen wir unsere Demokratie?

Auf dem Domplatz wurden naturgemäß ernstere Töne angeschlagen, als Ministerpräsident Hendrik Wüst, WDR-Intendantin Katrin Vernau, Udo Schlüter vom Demokratie-Bündnis Coesfeld, Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf und der Soziologe Sebastian Kurtenbach auf der Hauptbühne vor dem Dom über den Zustand der Demokratie diskutierten. Das Ganze wurde vom WDR im Rahmen der Reihe „Stadtgespräche“ organisiert. Wüst setzte zwei Aspekte zueinander in Bezug, die seiner Meinung nach manchmal zusammengeworfen würden. So sei der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung vom Wert der Demokratie überzeugt, jedoch sei nur ein Drittel der Meinung, dass sich die Demokratie bei uns in einem guten Zustand befinde. „Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass die Demokratie Demokraten braucht. Wir leben in einem Klima zunehmender Intoleranz und müssen wieder lernen, einander zuzuhören und andere Meinungen zuzulassen“, betonte das Landesoberhaupt.

Auch Dorndorf sieht die Kluft zwischen der Akzeptanz der Demokratie und der Akzeptanz der Politik: „Der Zustand der Demokratie ist besser, als oft gesagt wird. Das Vertrauen in den Staat ist aber dramatisch gering.“ In diesem Punkt sind sich die Diskussionspartner einig: Demokratie müsse vorgelebt werden. Das zeige auch eine Studie der FH Münster. „Wenn Menschen jemanden persönlich kennen, der sich demokratisch engagiert, steigt auch das Vertrauen in die Demokratie“, berichtet der Soziologe Sebastian Kurtenbach. Katrin Vernau, Intendantin des WDR, macht klar: „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“ Die Menschen mit unabhängig recherchierten Fakten zu versorgen, sei der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dass extremistische Parteien drohen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einzuschränken oder abzuschalten, sei kein Zufall.
Menschen fit machen für den Diskurs
Udo Schlüter vom Bündnis Gemeinsam.Demokratie.leben Coesfeld berichtete über praktische Projekte mit Geflüchteten und über den Versuch, Menschen aus der rechten Ecke wieder mehr für die Demokratie zu begeistern. „Wir müssen die Menschen fit machen, um sie zum Beispiel in Diskussionen stark zu machen.“ Trotz des schwierigen Themas war der Domplatz gut gefüllt und das Publikum aufmerksam bei der Sache. Zumindest hier hat die Demokratie gezeigt, was in ihr steckt.
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