
Kann einem alten, drögen Brot etwas besser passieren, als zu leckerem, süffigen Bier vergoren zu werden? Das dachte sich offenbar ein junges Start-up aus Münster und entwickelte ein Geschäftsmodell, dessen Ergebnis seit wenigen Tagen beim Bäcker neben Mehrkornbrötchen und Graubrot im Regal steht. Unter dem Namen „Pinte“ produziert das studentische Team ein Craftbier, bei dem ein Teil des Malzes durch gerettetes Brot ersetzt wird. Ziel ist es, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Gegründet wurde das Projekt 2024 von den münsterschen Studierenden Johanna Bramey, Felix Flor und Fritz Catenhusen. Entstanden ist die Idee im Rahmen der Hochschulinitiative Enactus, einem internationalen Netzwerk, in dem Studierende nachhaltige und soziale Geschäftsideen entwickeln. „Wir wollten etwas Lokales aufbauen und sind schnell auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam geworden – insbesondere bei Backwaren“, sagt Bramey.
Franchise-Idee aus Aachen
Den Anstoß lieferte ein Austausch mit der Enactus-Gruppe in Aachen. Dort war bereits ein ähnliches Brot-Bier-Konzept unter dem Namen „Keäksack“ in Vorbereitung. Gemeinsam entwickelten die Studierenden ein Franchise-Modell: Jede Stadt organisiert eigene Partner vor Ort, nutzt jedoch das erprobte Rezept und profitiert von den bisherigen Erfahrungen. In Münster fiel die Wahl auf den Markennamen „Pinte“. Gebraut wird ausschließlich mit regionalen Partnern. Das überschüssige Brot liefert die Bäckerei Krimphove, gebraut wird inzwischen bei Pott’s Brauerei in Oelde. Zuvor hatte das Team in kleineren Brauereien erste Testsude angesetzt. „Uns war wichtig, die Lieferketten kurz zu halten“, betont Bramey. Das Brot werde über mehrere Wochen gesammelt und eingefroren, bevor es im Sudprozess verarbeitet werde. Verwendet würden vor allem Roggen- und Vollkornbrote. Körner oder ein gewisser Salzanteil seien im Brauprozess unproblematisch, da die festen Bestandteile später wieder herausgefiltert würden.
Kein Widerspruch zu „Too Good To Go“

Die Zusammenarbeit mit der Bäckerei sei von Beginn an positiv verlaufen, man habe geradezu offene Türen eingerannt. „Ganz vermeiden lässt sich Überproduktion nie“, so Bramey. Das Start-up verwende ausschließlich Brot, das nicht mehr für den regulären Verkauf geeignet sei. Damit stehe man nicht in Konkurrenz zu Initiativen wie „Too Good To Go“ oder zur Tafel, sondern nutze Restmengen, die sonst entsorgt würden. Pro Sud werden derzeit rund 1.500 Liter gebraut. Die erste größere Verkaufscharge von 250 Litern sei nach drei Wochen ausverkauft gewesen, berichtet Bramey. Ein Erfolg, mit dem die Hobbybrauer nicht gerechnet haben. Der Vertrieb erfolgt bislang ausschließlich im B2B-Bereich über Händler. Streng genommen darf „Pinte“ in Deutschland nicht als Bier bezeichnet werden, da das deutsche Reinheitsgebot ausschließlich Wasser, Malz, Hopfen und Hefe vorsieht. Brot als Zutat ist nicht eingeplant. Deshalb spricht das Team bewusst von Craftbier. Aktuell handelt es sich um ein Pale Ale. Perspektivisch sollen weitere Sorten folgen, darunter ein Helles und ein alkoholfreies Produkt. Technisch sei das Brauen mit Brot anspruchsvoller, da bei zu hohen Brotanteilen die Filtersiebe verstopfen können. Gemeinsam mit der Brauerei werde das Rezept deshalb kontinuierlich angepasst.
Geschlossener Kreislauf als Vision
Langfristig möchte das Team den Kreislauf weiter schließen. Geplant ist ein sogenanntes Treberbrot: Der beim Brauen entstehende Malzrückstand (Treber) soll wieder in der Bäckerei verarbeitet werden, quasi ein Perpetuum Mobile zwischen Bier und Brot, also fast zumindest. Ein erster Prototyp befindet sich laut Bramey in der Entwicklung. Zugleich soll das Franchise-Modell ausgebaut werden. Weitere Studentenstädte könnten das Konzept übernehmen und eigenständig umsetzen. „Wir wollen den ökologischen Impact vergrößern und gleichzeitig Studierenden Unternehmertum ermöglichen“, sagt Bramey. Was als studentisches Nachhaltigkeitsprojekt begann, entwickelt sich damit zunehmend zu einem skalierbaren Geschäftsmodell – mit regionalem Ansatz und dem Ziel, Ressourcen möglichst vollständig zu nutzen. Dass das Ganze dann auch noch sehr lecker ist, rundet das Ganze dann noch perfekt ab.
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