Viele Schulanfänger brauchen Sprachtherapie Um die schulischen Herausforderungen meistern zu können, erhielt 2024 fast jeder dritte Schulanfänger in Münster rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie

Fast jeder dritte Schulanfänger in Münster erhielt in 2024 rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. Diese kann Kinder bei der Sprachentwicklung unterstützen. (Foto: AOK / colourbox / hfr)

Fast jedes dritte Kind, das 2024 in Münster eingeschult wurde, erhielt rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. Das geht aus einer Auswertung der AOK NordWest hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Insgesamt betraf dies 28,8 Prozent der sechsjährigen Kinder. Jungen waren mit 31,7 Prozent häufiger in logopädischer Behandlung als Mädchen (24,6 Prozent).

Die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken, gilt als wichtige Grundlage für schulisches Lernen und soziale Teilhabe. Laut AOK kann Logopädie dazu beitragen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und den Kindern mehr Sicherheit im Alltag zu geben.

Welche Sprachstörungen auftreten können

Sprachstörungen zeigen sich bei Kindern in unterschiedlichen Formen. Häufig sind Artikulationsstörungen, bei denen einzelne Laute nicht korrekt gebildet werden. Sind zusätzlich Wortschatz und Satzbau beeinträchtigt, kann eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen.

Eine weitere Gruppe sind Redeflussstörungen. Dazu zählen Stottern mit Sprechblockaden und Wiederholungen sowie Poltern, das sich durch sehr schnelles und undeutliches Sprechen äußert. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt von Art und Ausprägung der Störung ab.

Therapien beginnen oft vor der Einschulung

Sprachtherapien werden bei Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der Sprache meist ab einem Alter von etwa vier Jahren verordnet. In Münster erhielten bereits 8,2 Prozent der vierjährigen Jungen und 7,3 Prozent der gleichaltrigen Mädchen eine entsprechende Behandlung.

Am höchsten ist die Inanspruchnahme im Alter von sechs Jahren. Nach dem Schuleintritt nimmt der Anteil der Kinder mit Sprachtherapie wieder ab. Die Verordnungszahlen bei Schulanfängern bewegen sich jedoch seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau.

Ursachen und Prävention

Warum so viele Kinder rund um den Schulstart sprachtherapeutisch behandelt werden, wird in der Fachwelt unterschiedlich bewertet. Diskutiert werden unter anderem veränderte sprachliche Voraussetzungen bei Kindern, aber auch gestiegene Anforderungen durch Schule und Elternhaus sowie ein verändertes Diagnose- und Therapieangebot.

Neben therapeutischen Maßnahmen kommt aus Sicht der AOK der Prävention eine wichtige Rolle zu. Sprachfördernde Alltagsangebote wie gemeinsames Lesen oder Vorlesen könnten helfen, Entwicklungsproblemen frühzeitig entgegenzuwirken – insbesondere im Elternhaus sowie in Kitas und Schulen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert